Stendal l Der Januar war 18 Tage alt, als sich die Stendaler Kameraden zu ihrer Hauptversammlung trafen und bereits 17 Einsätze im neuen Jahr lagen hinter ihnen. Ähnlich sah es im Vorjahr aus. 329 mal (zwölf Einsätze mehr als 2018) rückten die Männer und Frauen aus, um irgend wo im Stadtgebiet zu helfen oder um bei Einsätzen in benachbarten Kommunen zu unterstützen.

Mehr als 200 Einsätze

Laut Stadtwehrleiter Michael Geffers dominierten in 2019 wiederum die technischen Hilfeleistungen (156), wobei die Rettung von Personen aus Notlage beziehungsweise Türöffnungen (42) und die Beseitigung von Öl- und Dieselspuren (45) das Gros ausmachten. Gestiegen ist auch die Zahl der Tierrettungen von 10 auf 17. Geffers erinnerte in diesem Zusammenhang an das Einfangen einer Vogelspinne oder einer Schlange, am eingeklemmte Mauersegler oder an Katzen, die zwischen zwei Hausfassaden eingeklemmt, nur mit einem Durchbruch eines Kellers geborgen werden konnten.

Die Kameraden wurden zudem zu 19 Verkehrsunfällen gerufen, „dabei musste glücklicher Weise kein Mensch tot geborgen werden“, so Geffers. Verschont blieben die Männer und Frauen auch von Gefahrgutunfällen größeren Ausmaßes. Die Zahl der Brandeinsätze sank von 112 im Vorjahr auf 101. Dies sei insbesondere der Tatsache zu verdanken, dass es zu viel weniger Vegetationsbränden als 2018 kam. Insgesamt galt es in den vergangenen zwölf Monaten für die Feuerwehrleute aus Stendal zehn Großbrände zu löschen, der schwerste davon im Stadtgebiet sei laut Geffers der Wohnungsbrand am 26. Januar in der Röxer Straße gewesen.

Löschhilfe in anderen Kommunen

Im Rahmen von Löschhilfen waren Personal und Technik der Hansestadt fünfmal in anderen Kommunen gefragt. Der Stadtwehrleiter nannte neben dem Feldbrand bei Sanne und dem Holzrindenlagerbrand auf dem Gelände des Zellstoffwerkes auch den größten Vorjahreseinsatz im gesamten Landkreis, den in Bittkau. Von einer Strohpresse ausgelöst, fraßen sich die Flammen über ein Stoppelfeld durch eine Obstbaumplantage und ein Waldstück in das Dorf hinein. Mehrere Grundstücke wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, ein Wohnhaus vollständig zerstört. Wind und fast 40 Grad Celsius Hitze erschwerten die Löscharbeiten, an denen rund 150 Männer und Frauen aus verschiedenen Wehren beteiligt waren. Die Frage: Kann uns das auch passieren, beantwortete der Stadtwehrleiter mit einem eindeutigen Ja.

Wenig Verständnis hatte Geffers allerdings dafür, dass seine Truppe am 27. Dezember gleich zweimal nach Baben geordert wurde. Einmal galt es beim Löschen eines Einfamilienhauses zu helfen und beim zweiten Mal ging es um die Unterstützung der Nachlöscharbeiten. „Mit einer ordentlichen Organisation des abwehrenden Brandschutzes und der Brandbekämpfung hat das nichts zu tun. Es ist schon ganz schön dreist, wie unsere Einsatzkräfte hier ausgenutzt werden“, kritisierte er.

77 Kameraden im Dienst

Während aus den Berichten der Jugend- und besonders der Kinderfeuerwehr hervorging, dass es um den Nachwuchs nicht schlecht bestellt ist, hapere es nach wie vor mit der Gewinnung aktiver Mitglieder. 77 Kameraden, darunter 13 Frauen, nehmen aktuell am Schulungs- und Einsatzdienst teil. „Wir haben alles versucht und werden es auch weiterhin versuchen, Mitglieder für den aktiven Dienst zu werben. ...Es gelingt uns nicht, mehr Bürgerinnen und Bürger für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr zu gewinnen“, bedauerte Geffers. Werbeaktionen würden die Menschen nicht erreichen, Stolz für und Achtung vor dem Ehrenamt würden verwässern und verschwinden.

Auch Personen mit Migrationshintergrund seien schwer für die Feuerwehrarbeit zu begeistern. Von etwa zehn solcher Personen, die in den Vorjahren Interesse gezeigt hätten, nehme derzeit keine mehr am regelmäßigen Dienst teil.