Tangermünde l Olaf Stehwien ist der Chef des Schokoladenreiches am Rande der Kaiser- und Hansestadt Tangermünde. Die Produktion läuft hier auf Hochtouren, seitdem er den Schritt gewagt und mit der Herstellung veganer Schokoladen begonnen hat. Allerdings wissen nur die wenigsten Tangermünder, dass hinter den mehrfachen Hygieneschranken in dem kleinen, beinahe unscheinbaren  Unternehmen mehr als nur die bekannten Nährstangen, Rolli- und Tanolostangen hergestellt werden. 

„Um die 50 Produkte verlassen mittlerweile unser Haus“, berichtet Olaf Stehwien. Es sei ihm bewusst, dass in seiner Heimatstadt kaum jemand davon wisse. „Deshalb wollen wir in der Innenstadt einen kleinen Laden mieten, um dort all das anzubieten, was hier entsteht“, verrät er. 

Kakao aus Peru

Auf die vegane Schiene kam der Unternehmer durch eine Geschäftspartnerschaft. Er baute Kontakt zu peruanischen Kakaobauern auf. „Sie werden direkt von uns bezahlt. Kein Zwischenhändler hängt dazwischen“, betont er. Unter anderem aus diesem Kakao wird seit 2016 die biologisch erzeugte und vegane Schokolade hergestellt. Für sechs Unternehmen, die in Leipzig, Berlin, Potsdam und München ansässig sind, produzieren die Tangermünder rund ums Jahr Schokoladen und Riegel. „Die Auftragsproduktion hat inzwischen absolute Überhand. Etwa 40 Prozent unserer Zeit nutzen wir noch für unsere eigenen Produkte“, macht Olaf Stehwien deutlich. Aufgrund dieser großen Nachfrage habe sich der Umsatz seit 2016 auch verdoppelt. 25 Mitarbeiter sorgen dafür.

Dieses Wachstum hat einige Veränderungen mit sich gebracht. In Wittenmoor bei Stendal unterhält die Tangermünder Konditorei mittlerweile drei Lager, um die benötigten Verpackungsmaterialien zu lagern. Modernste Technik ist im Unternehmen im Einsatz. „Wir haben ein Röntgengerät, das Fremdkörper in unseren Produkten sichtbar machen kann“, nennt Olaf Stehwien ein Beispiel. „Und wir schneiden unsere Schokolade per Ultraschall und nicht mehr mit dem Messer.“ 

Algen-Nuss-Riegel ab März

Derzeit werde zusammen mit Thomas Hoffmann vom ortsansässigen Metallbauunternehmen eine Riegelmaschine entwickelt. Damit soll im März die Produktion für einen Algen-Nuss-Riegel im Auftrag eines kalifornischen Unternehmens beginnen. „Allerdings bleibt die Ware in Europa und wird von den Niederlanden aus vertrieben“, erklärt Stehwien.

Die veganen Schokoladen und Riegel in Bio-Qualität, die Tangermünde verlassen, werden nicht nur in Deutschland vertrieben. Auch in Österreich, der Schweiz, England und drei weiteren, osteuropäischen Ländern gibt es die Produkte. 

Vegane Schokolade aus Tangermünde

„Außerdem haben wir unsere ganz eigene vegane Schokolade entwickelt“, verrät er. Und statt diese vollzufrachten mit Zutaten, „haben wir uns auf die Basiszutaten konzentriert und eine Schokolade entwickelt, die lediglich aus Kakaobutter, Kakaopulver und Kokosblütenzucker besteht“, berichtet er. 

Aufgrund der guten Auftragslage hatte Olaf Stehwien lange eine eigene Neuentwicklung vor sich hergeschoben. Zwei eigene Tangermünder Riegel sollen künftig hergestellt und vor Ort sowie online verkauft werden. Auch sie bestehen lediglich aus den Basiszutaten, beinhalten einmal zusätzlich Haselnuss oder Erdbeer- und Himbeerstücke. Ein Zeitfenster innerhalb der straffen Produktionskette hat er gefunden, um auch diese jetzt in großer Stückzahl herstellen zu können.

In diesem Zusammenhang hat sich auch das äußere Erscheinungsbild der Tangermünder Produkte verändert. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Formel B Ina und Kristin Bauer (ehemals WohnSchwestern) wurde ein neues Design entwickelt, das mittlerweile die bekannten Riegel prägt, aber auch die neuen Schokoladen und Riegel umhüllt. Damit ist das 20 Jahre alte Bild von einem neuen, sehr ansprechenden abgelöst. Lediglich die Magdeburger Kugeln, die es seit 20 Jahren gibt und seit sechs Jahren in der Tangermündes Konditorei produziert werden, haben ihr Design behalten. 

Mit Blick in die Zukunft sagt Olaf Stehwien: „Die biologischen und veganen Produkte finden einen starken Absatz. Die vegane Schokolade macht uns als Unternehmen stark.“