Stendal l Was ist los in den Köpfen der Kinder? Wer das wissen will, lässt sie am besten einfach Geschichten aufschreiben. Das jedenfalls wird Dritt- und Viertklässlern der Stendaler Ganztagsgrundschule ermöglicht. Immer donnerstags treffen sich die etwa 20 „Kleinen Querdenker“ in ihrer Nachmittags-AG mit Lehrerin Catrin Elies und verfassen Texte, in denen sie von sich erzählen, von schönen oder schaurigen Erlebnissen, von Welten und Lebensformen, die ihrer Fantasie entsprungen sind. „Es ist erstaunlich, wie viel Elan und Fantasie sie nach ihrem langen Schultag immer noch haben!“, ist Elies begeistert.

Einige dieser Texte könnten sich am Ende des Jahres in einem Buch wiederfinden, das vom Bödecker-Kreis Sachsen-Anhalt herausgegeben wird, eine Anthologie mit dem Titel „Kindsein in Sachsen-Anhalt“. Einige Texte aus Stendal liegen der Jury in Halle bereits vor, einige aktuell entstandene werden noch eingereicht.

Erstmals vorgelesen

Einen ersten Eindruck ihrer Geschichten gaben die Mädchen und Jungen am Donnerstag voriger Woche vor einem kleinen Publikum in der Kleinen Markthalle. Neben einigen Eltern und Großeltern lauschten dort Senioren aus dem Pflegeheim „Jenny Marx“ und fühlten sich für eine gute halbe Stunde angenehm unterhalten.

Bilder

Schon in der zweiten Klasse fangen die Schüler der Ganztagsgrundschule an, auf Computer zu schreiben, wie Catrin Elies zwischendurch erzählte. „Da ist die Rechtschreibung nicht so schlimm, das macht ja der Computer, aber das macht es den Kindern leichter, einfach loszuschreiben.“ Und genau diesen Schreibfluss zulassen, die zuweilen recht kuriose Windungen nehmende Fantasie nicht einengen – das wollen auch ihre Schreibbegleiter. Neben Catrin Elies sind es seit Mai die beiden altmärkischen Autoren Sina Kongehl-Breddin und Albrecht Franke, die die „Kleinen Querdenker“ für die Bödecker-Kreis-Textsammlung betreuen.

Nicht perfektionieren

Es gehe nicht darum, jeden Satz perfekt zu machen, erklärt Albrecht Franke. Fehler oder Wiederholungen werden ausgebessert, manches nicht ganz Schlüssige wird gemeinsam verständlicher gemacht. „Wir geben ihnen eher Tipps, wo sie etwas weglassen oder umformulieren können“, ergänzt Sina Kongehl-Breddin, „aber es soll ja ihre Geschichte bleiben.“

So mancher Schluss der Miniaturgeschichten überrascht denn auch – aber für Albrecht Franke ist das ganz erklärlich: „Kinder schreiben nicht auf irgendeine Wirkung hin, sie schreiben einfach so, wie es ihnen gefällt.“ Der Amüsanz schadet es jedenfalls nicht. Und so manches unerwartete Aufmerken hält ja auch die große Literatur bereit, bei der man nicht immer einverstanden ist mit den Wendungen des Erzählten.

Wer von den Kindern es nun mit einem Text in die Anthologie schafft, das bleibt spannend. Ihren ersten öffentlichen Auftritt jedenfalls haben die Grundschüler mit Bravour hingelegt. Ihr stolzes Grinsen am Ende sprach Bände.