Tangerhütte l Die Auseinandersetzungen um den Breitbandausbau in der Region Tangerhütte nehmen immer skurrilere Formen an. Nachdem Bürgermeister Andreas Brohm vor kurzem der Telekom für 21 Orte der Region einen Baustopp erteilt hatte, wurden jetzt in der Ortslage Tangerhütte von Unbekannten Glasfaserkabel mit einer Gesamtlänge von 3000 Metern (Gesamtschaden nach Unternehmensangaben rund 10.000 Euro) zerstört und eine Kabelmuffe gestohlen. Der Ausbau werde dadurch aber nicht verzögert, betont die Telekom.

Zweckverband will Glasfaser

Dass in Tangerhütte noch gebaut wird, obwohl der Bürgermeister Andreas Brohm wegen fehlender Aufgrabegenehmigungen in 21 anderen Orten einen Baustopp verhängt hatte, mag verwundern. Es hat mit dem geplanten Ausbau des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA) zu tun. Der will in der Region nämlich hochmoderne Glasfaser-Hausanschlüsse (FTTH) verlegen, hat aber von Anfang an die Ortschaft Tangerhütte außen vor gelassen, weil es dort zu wenig Interesse gegeben hatte.

Dort gibt es bereits recht gute Übertragungsraten und der Bedarf war eben nicht so hoch wie in den Dörfern ringsum, wo mancherorts weder per Festnetz noch mobil kaum Anschluss ans Internet möglich ist. Für die Kernstadt sei der Telekom durch die Tangerhütter Verwaltung eine Zustimmung zum Ausbau erteilt worden, erklärt Telekom-Sprecher Georg von Wagner jetzt auf Volksstimme-Anfrage.

Während die Telekom unter anderem mit dem sogenannten „Vectoring“ bestehende (Kupfer-)Leitungen aufrüstet, zwischen der Vermittlungsstelle und dem Verteiler auch Kupfer- durch Glasfaserkabel ersetzt, um höhere Übertragungsraten möglich zu machen, will der Breitband-Zweckverband komplette Glasfaserleitungen bis ins Haus neu verlegen und so zukunftsorientierte Geschwindigkeiten auch jenseits der 100 MBit möglich machen.

Schnelles Netz in acht Orten

Wie die Telekom auf Anfrage mitteilt, wurde in einem Teil der Einheitsgemeinde bereits Ende September das neu aufgerüstete Netz mit bis zu 100 MBit Übertragungsgeschwindigkeit in Betrieb genommen. Zumindest in Brunkau, Ottersburg, Schleuß, Groß Schwarzlosen, Lüderitz und Stegelitz, Schernebeck und Windberge soll das inzwischen verfügbar sein.

Für folgende Ortschaften in der Einheitsgemeinde Tangerhütte ist ein Baustopp erlassen worden:

  • Grieben
  • Uchtdorf
  • Cobbel
  • Uetz
  • Birkholz
  • Scheeren
  • Sophienhof
  • Grieben
  • Bittkau
  • Schelldorf
  • Jerchel
  • Ringfurth
  • Sandfurth
  • Polte
  • Kehnert
  • Hüselitz
  • Klein Schwarzlosen
  • Bellingen
  • Demker
  • Elversdorf
  • Weißewarte
  • Schönwalde 

Bürgermeister Andreas Brohm gibt zum Thema Telekom mit Bezug auf ein laufendes juristisches Verfahren aktuell keine Auskünfte mehr, geht aber davon aus, dass man „zeitnah eine tragbare Einigung erzielen“ werde.

Dass es für die Kernstadt Tangerhütte keinen Baustopp gegeben habe, bestätigte Telekom-Sprecher Georg von Wagner, verweist aber auch auf ein laufendes Verfahren und will zum Thema Baurecht aktuell keine Ausführungen machen.

In Zukunft besser als Berlin

Bürgermeister Andreas Brohm ist bekannter Verfechter des Zweckverbandes Breitband Altmark und spricht gerne davon, dass für die Zukunftsfähigkeit der Region ein besseres Netz als in Berlin oder Frankfurt vonnöten wäre. Während die einen ihm zu dem Mut gratulieren, der Telekom die Stirn zu bieten, weil die lange Jahre in der Region nicht aktiv geworden sei, gibt es auch diejenigen, die nicht länger warten wollen und das verfügbare Angebot der Telekom mit bis zu 100 MBit nutzen wollen.

Mitte September gab es für den ZBA den lange ersehnten Fördermittelbescheid des Landes über 23,8 Millionen Euro, im August waren bereits 40 Millionen Euro Fördermittel aus Bundesmitteln übergeben worden. Wie der Breitband-Zweckverband auf seiner Internetseite informiert, könne man nun in die Prüfung der Förderbescheide und deren Nebenbestimmungen übergehen. Nach erfolgreicher Prüfung dieser Bescheide würden dann die Detailplanungen starten und die Ausführungsplanungen könnten beginnen.