Weißewarte l Weißewarte ist bislang ein ziemlich weißer Fleck auf der Landkarte der modernen Telekommunikation. Es gibt kaum Handyempfang, bis vor Kurzem auch kein Festnetz-Internet (noch nicht mal langsames) und auch so gut wie keinen Funkempfang etwa via LTE. Das sollte sich nun alles endlich ändern, davon hatte auch Holger Haase gehört, der seit 2016 mit seiner Partnerin in Weißewarte lebt.

Also meldete er frühzeitig bei der Telekom seinen Bedarf an, bekam auch einen Vertrag über den neuen Breitband-Internet-Anschluss inklusive Magenta Zuhause zugeschickt und freute sich mächtig. Sogar der Anschlusstermin war bereits benannt: Am 16. Februar sollte es losgehen mit dem schnellen Surfen im Netz. Mindestens 54 MBit Down- und 20 MBit Upload wurden garantiert.

Keine Anschlüsse mehr frei

Holger Haase, der ein Reisegewerbe hat, braucht das Internet unter anderem für Informationen über Märkte, für Kontaktaufnahmen und Anmeldungen. Dann kam zwei Tage nach der ersten Auftragsbestätigung ein Anruf von der Telekom: Ein versprochener Bonus sei nicht berücksichtigt worden, deshalb solle er den alten Vertrag wegwerfen, man wolle ihm einen neuen zuschicken, hieß es. Und dann passierte einfach gar nichts mehr.

Trotz mehrfacher Nachfragen, zuletzt auch bei dem Haustürwerber, der im Auftrag der Telekom zu ihm nach Hause gekommen war, tat sich nichts. Das Kuriose: Der Nachbar, der am selben Tag wie Haase beim Haustürwerber den Vertrag abgeschlossen hatte, der hat inzwischen Internet.

„Mir wurde dann auf Nachfrage gesagt, es geht nichts mehr, es seien keine Anschlüsse mehr frei“, so Haase. Ähnliche Aussagen hätten auch andere Einwohner im Ort zu hören bekommen, die sprachen Haase gegenüber von maximal 75 Anschlüssen, die für Weißewarte vergeben worden seien. Und dann war Schluss.

Das bestätigte jetzt auf Volksstimme-Nachfrage Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Er erklärt: „Aufgrund der hohen Nachfrage sind alle DSL-Ports dort bereits an Kunden vergeben. Das ist aber kein Problem. Wir werden bis spätestens Mitte März nachgerüstet haben, sodass Kunden, die noch nicht zum Zuge kamen, dann bedient werden können.“

Wagner rät allen Betroffenen, sich am besten im Telekom-Shop in Stendal, Breite Straße 10, registrieren zu lassen, so dass die lokalen Mitarbeiter dort Bescheid geben können, sobald neue Ports (Anschlussmöglichkeiten) zur Verfügung stünden.

Bisher habe es für ihn nicht mal Hinweise auf eine Warteliste gegeben, sagt Holger Haase. Immer wieder habe er selbst nachgefragt und trotz der Zusage, ihm werde ein neuer Vertrag zugeschickt, sei er völlig ignoriert worden.

Alles für Internet versucht

Er hatte sich bei der Volksstimme gemeldet, nachdem die Telekom in dieser Woche bekannt gegeben hatte, rund 2900 neue Haushalte in Tangerhütte, Weißewarte, Uchtdorf Mahlpfuhl, Cobbel und Birkholz anschließen zu können.

„Ich hätte brechen gehen können, als ich das gelesen habe“, ärgert sich Haase noch immer. Und er erzählt von den vielen Versuchen, die er seit 2016 auch bei Mobilfunkanbietern unternommen hatte, um einen vernünftigen Internetzugang zu bekommen. „Wir sind nach Weißewarte gezogen, weil uns das Haus gefallen hat und weil wir dachten, dass ein Internetanschluss heutzutage gar nicht mehr so ein Problem sein kann“, sagt er.

Für 2018 plant die Telekom deutschlandweit 60.000 neue Kilometer an Glasfaserleitungen zu verlegen. 2017 waren es 40.000 Kilometer. Insgesamt misst das Glasfasernetz der Telekom über 455.000 Kilometer, es sei das größte in Europa, heißt es. Die Verlegung eines Kilometers Glasfaser koste zwischen 50.000 Euro und 150.000 Euro und die Telekom investiere darin nach eigenen Angaben pro Jahr rund fünf Milliarden Euro.