Bismark l „Ich hätte heulen können“, blickt Michaela Juchum (46), die Inhaberin der Buchhandlung Meiburg in Bismark, auf die Anfangszeit der ersten Ausgangssperre (Lockdown) im März 2020 zurück. Da hatte sie zum Beispiel an einem Nachmittag einen Umsatz von nur 70 Cent. Und Juchum begann zu grübeln: „Wozu machst Du das hier überhaupt?“

Sogleich weiß Michaela Juchum aber die Geschehnisse rund um die Corona-Einschränkungen der zurückliegenden Monate einzuordnen. Denn sie konnte ihre Buchhandlung bis heute durchgehend offen halten. „Mir gegenüber gibt es einen Blumenladen, der darf zum Beispiel nicht so öffnen wie ich“, verweist die 46-Jährige auf Ungereimtheiten in den Schließungs-Konzepten der Politik. „Und warum die Bibliothek in Bismark nicht geöffnet werden kann, verstehe ich auch nicht“, so Juchum.

An die Kundschaft gedacht

„Mit einer Änderung meiner Öffnungszeiten habe ich im März erst einmal abgewartet“, erinnert sich Michaela Juchum an den Beginn der Corona-Pandemie. Das Steuerbüro der Buchhändlerin war der Meinung, dass sie das Geschäft nur noch am Vormittag offen halten sollte. „Das konnte ich aber meiner Kundschaft nicht antun“, erzählt Juchum. „Und so habe ich auch weiterhin am Nachmittag geöffnet.“

Dennoch kam Michaela Juchum coronabedingt um eine Änderung ihrer Öffnungszeiten nicht herum. Am 23. März 2020 musste sie dies ihren Kunden mitteilen. „Mir ist diese Entscheidung nicht leichtgefallen, aber die Situation ist im Moment nicht einfach, da die Vorschriften seit heute noch mal verschärft wurden“, so ihr Eintrag bei Facebook.

Öffnungszeiten geändert

In der ersten Ausgangssperre reduzierte Michaela Juchum ihre wöchentlichen Öffnungszeiten um 11,5 Stunden. Im aktuellen Lockdown hält sie die Buchhandlung Meiburg noch 10,5 Stunden weniger gegenüber der Vor-Corona-Zeit offen. „Für die Einschränkung meiner Öffnungszeiten bin ich aber bei meiner Kundschaft auf viel Verständnis gestoßen“, erzählt die Geschäftsfrau. „Wobei der zweite Lockdown von den Kunden besser angenommen wurde.“ Das lag laut Juchum aber sicherlich auch am Weihnachtsgeschäft.

Von den coronabedingten Einschränkungen war auch das Personal betroffen. „Ich habe meine Mitarbeiterin nicht entlassen, musste aber bei ihr die Arbeitsstunden reduzieren“, erklärt Michaela Juchum die unvermeidlichen Entscheidungen auch in diesem Geschäftsbereich.

Kritik an Ungleichbehandlung

„Warum die Buchhandlungen öffnen dürfen, dafür haben wir bis heute keine Erklärung bekommen“, stellt Michaela Juchum fest. Natürlich beschwert sie sich nicht über die Möglichkeit, ihr Geschäft ohne jegliche Schließung durch die Corona-Zeit bringen zu können. Sie kritisiert aber die Ungleichbehandlungen gegenüber anderen Geschäften in der Stadt.

„Vielleicht durften wir weiterhin öffnen, weil man davon ausging, dass es wegen des Home-Office einen erhöhten Bedarf an Büromaterialien gibt oder dass insgesamt mehr gelesen wird“, überlegt Michaela Juchum. Diesen „erhöhten Bedarf“ konnte sie aber bei ihrer erwachsenen Kundschaft nicht feststellen.

Wenn es in den zurückliegenden Monaten einen „erhöhten Bedarf“ gab, dann war der bei den Kindern entstanden. „Vor allem bei den Schülern der ersten und zweiten Klassen“, weiß Michaela Juchum zu berichten. Da ging es um Leseanfangsbücher, Puzzles, Malbücher und um Bastelbedarf. „Das hat man beim Einkaufsverhalten gemerkt“, so Juchum.

Sortiment erlaubt Öffnung

Einigermaßen froh ist Michaela Juchum darüber, dass ihr gesamtes Sortiment durchweg erlaubt war. In der Buchhandlung Meiburg gibt es neben Büchern und Zeitschriften auch Schreib- und Bürobedarf sowie die Biber-Post. Zudem kann Lotto gespielt werden. „Wenn das alles nicht möglich gewesen wäre, hätte ich nur zwei Stunden am Tag geöffnet“, schätzt die Geschäfts-Inhaberin ein.

Für die Öffnung ihrer Buchhandlung hatte Michaela Juchum natürlich ein Hygiene-Konzept aufzustellen. „Es dürfen immer nur fünf Personen ins Geschäft“, erklärt Juchum. „Ich könnte auch acht Kunden hineinlassen, möchte es aber bei fünf belassen.“

Das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sei anfangs bei den Kunden noch ein Problem gewesen. „Jetzt klappt es aber mit den Masken“, berichtet die Geschäftsinhaberin. Die Umsetzung des Hygiene-Konzeptes wird regelmäßig von den Ordnungsämtern der Einheitsgemeinde Bismark und vom Landkreis Stendal überwacht. „Ich hatte in den zurückliegenden Monaten mindestens sechs Kontrollen“, sagt Michaela Juchum.