Stendal l Man könnte meinen, das Buch sei längst fertig – schließlich war Albrecht Franke damit schon einige Male in der Öffentlichkeit und in der Zeitung. Doch seine Biografie über die Magdeburger Schriftstellerin Christa Johannsen ist noch am Gedeihen, und wird vor ihrer endgültigen Reife ein weiteres Mal ins Rampenlicht geholt: auf der Leipziger Buchmesse am 15. März. Franke wird einige Passagen lesen, dazwischen von seiner Arbeit an dem Buch und seinem Wissen über Johannsen erzählen.

Ganz persönliche Beziehung

Es ist eben eine ganz besondere Beziehung, die ihn mit seinem Sujet verbindet: Franke hat bei ihr als junger Mann das literarische Arbeiten gelernt, vor allem „modern zu schreiben“. Sie sei kein einfacher Charakter gewesen, aber eben auch ein Kind ihrer Zeit. 1914 geboren, den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus durchlebt, sich durch die Unwägbarkeiten der DDR-Zeit manövriert. Es sei ein Leben zwischen Anpassung und Willfährigkeit auf der einen sowie Ironie und Auflehnung auf der anderen Seite gewesen.

Beschönigt und zurechtgebogen hat sich Johannsen ihr Leben (dem sie 1981 ein Ende setzte) auch, der nie errungene Doktortitel hat es sogar auf ihren Grabstein geschafft. Der Titel der Biografie wird all das zum Ausdruck bringen: „Ich spucke im Bogen gegen den Wind. Christa Johannsen – ein erfundenes Leben“.

Bilder

Spannend und bewegend

Christa Johannsen gehörte in der DDR zu den etablierten Schriftstellern, war jedoch eine streitbare, widersprüchliche, zerrissene Frau. Albrecht Franke meint dazu: „Es ist ein Leben des 20. Jahrhunderts, ein Leben, das einen dazu bringt, sein eigenes zu überdenken oder wenigstens anders zu betrachten.“

225 Seiten hat der Stendaler, der bis 2013 am Winckelmann-Gymnasium Deutsch und Philosophie unterrichtete und den Schreibzirkel leitete, schon zusammen. Nicht mehr als 300 sollen es werden, viele Abbildungen sind darin. Ende des Jahres soll das Buch fertig sein, es wird im Mitteldeutschen Verlag erscheinen. „Die Recherche ist interessant, spannend, aber auch sehr bewegend“, sagt Franke, der sich durch einen großen Fundus an Bildern und Dokumenten arbeitet. „Sie hat ja alles aufgehoben, das macht das Ganze zwar sehr aufwändig, aber auch sehr unterhaltsam. Und es ist ein Spiegel dieser schlimmen Zeiten, in denen sie lebte.“

Wegbereiterin fürs "Faultier"

Selbst ihm, der er doch so nah dran an ihr war, hat die Recherche immer wieder neue Erkenntnisse gebracht. Hat ihm gezeigt, wie zerrissen sie innerlich war, aber auch „wie anfechtbar wir Menschen sind und dass man vorsichtig sein muss mit dem, was man aufschreibt und hinterlässt“. Die Biografie zu schreiben, sagt Albrecht Franke, der erst mit einer Erzählung über sie geliebäugelt hatte, sei genau die richtige Entscheidung gewesen. „Weil dieses Leben so reich ist, da braucht man nichts zu erfinden, es erzählt sich von selbst.“

Zudem, sinniert er, sei er es ihr in gewisser Weise schuldig. „Denn ohne sie hätte ich den Weg in die Literatur nur mit größeren Schwierigkeiten gefunden. Wenn überhaupt.“ Dass sie ihn einmal als „unsägliches Faultier“ beschimpfte, nimmt er heute amüsiert hin.

Einst nur Leerbände

Mit seinem entstehenden Werk nun auf der Leipziger Buchmesse am Stand der Stadt Magdeburg aufzutreten, findet Franke trotz des Trubels eine schöne Sache. „Ich mache das gern für das Buch.“ Zumal es Zeiten gegeben hat, „als nur Leerbände auf der Messe standen, weil Schulbücher in der Druckerei gerade Vorrang hatten“. Ironischerweise ging es Christa Johannsen so mit ihrem Roman „Leibniz“ – der dann dennoch ein großer Erfolg wurde.