Werben l So furios die Tage vor der Wahl waren, da Wolfgang Tacke der Kommunalaufsicht in letzter Minute Befangenheit zweier Wahlhelferinnen meldete, so ruhig ging am Ende doch das sonntägliche Wahlprozedere über die Bühne. Im „Deutschen Haus“ Werben genauso wie im Dorfgemeinschaftshaus Behrendorf. Tacke selbst wartete im Werbener Wahllokal gemeinsam mit seiner Frau Gerlinde Pokladek auf das Votum. Nach etwa 15 Minuten waren die Ergebnisse bereits zusammengefasst: 517 gültige Stimmzettel, davon 386 Stimmen (74,7 Prozent) für die Abwahl Tackes und 131 (25,3 Prozent) dagegen. Die Abwahl-Mehrheit aus 386 Stimmen macht mehr als die notwendigen 30 Prozent der 968 Wahlberechtigten aus. Für die Abwahl hätten laut dieser gesetzlichen Regelung und Auskunft von Ingrid Jankow, Sachgebietsgebietsleiterin für Wahlen, bereits 291 Stimmen gereicht.

Wolfgang Tacke schluckt die bittere Pille. Am Montag um die Mittagszeit schickte er eine Pressemitteilung herum. Danach akzeptiere und bedauere er das Ergebnis, was einen noch möglichen Wahleinspruch unwahrscheinlich macht. Tacke möchte sich „bei allen Bürgern, die mich unterstützt haben, (...) herzlich bedanken“. Er bedauere sehr, dass es ihm in seiner knapp einjährigen Amtszeit nicht umfänglich gelungen sei, „noch mehr Bürger von meiner Arbeit zu überzeugen. Dies wäre aber, wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte, durchaus möglich gewesen“. Tacke gibt zu bedenken, dass sein Dienstherr in Magdeburg ihn für die dienstliche Tätigkeit als ehrenamtlicher Bürgermeister „großzügig, aber nicht generell freigestellt“ hat.

„Dass (...) fast 60 Prozent aller wahlberechtigten Bürger keine Abwahl wollten und weiterhin die große Bereitschaft bestand, mir eine ehrliche Chance zu geben, zeigt ein großes Potenzial.“ So schreibt Tacke und rechnet damit offenbar die Nichtwähler zu seinen Gunsten. „Dass aber nach den gesetzlichen Bestimmungen ein deutlich geringeres Quorum genügt, hat der Gesetzgeber politisch leider so gewollt“, nimmt Tacke Bezug auf die anfangs genannte 30-Prozent-Regel. „Dies macht es parteilosen Neulingen wie mir natürlich am Anfang schwerer, ein derartiges Wahlehrenamt auszuüben.“ Werben habe jedenfalls großes Potenzial, für das allerdings noch viele alte Zöpfe abgeschnitten werden müssten. „Genau das wird passieren. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

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Bis zum 13. Februar muss die neue Bürgermeisterwahl passé sein. Der stellvertretende Bürgermeister Bernd Schulze hat bereits kundgetan, dass er kandidiert – „weil es notwendig ist und weil ich es will“, wie er am Montag sagte. Das Wahlergebnis bestätige für Schulze, dass diese Abwahl unumgänglich war. „Ich hatte aber auch ein gutes Gefühl, habe es nicht anders erwartet. Es ist so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“, so der 57-Jährige, der in der aktuellen Legislaturperiode das erste Mal kommunalpolitisch in Erscheinung tritt.