Stendal l Wo sonst die Stadträte sitzen, hatten größtenteils Anwohner aus der Haferbreite Platz genommen. Wo sich sonst nur vereinzelt Zuhörer verlieren, war kein Stuhl mehr frei. Die Stadt hatte am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung zum Umlegungsverfahren zum Bebauungsplan „Südlich Haferbreiter Weg“ in den Rathausfestsaal eingeladen.

Konfliktsituation

Bereits im Ausschuss für Stadtentwicklung sowie im Haupt- und Personalausschuss war die Verwaltung in der Einwohnerfragestunde von Anwohnern in die Mangel genommen worden. Im Stadtentwicklungsausschuss dauerte die Einwohnerfragestunde sogar länger als die wortwörtlichen 60 Minuten. Der Konflikt: Die Stadt will durch den Bau von Stichstraßen neues Bauland schaffen. Die Eigentümer sollen einen Teil ihrer Grundstücke für die Stichstraßen an die Stadt verkaufen, sind auf der anderen Seite aber zu 90 Prozent an den Kosten für den Bau der Stichstraßen und der Erschließung beteiligt. Die Argumentation der Stadt ist die Wertsteigerung der Grundstücke durch die Umwandlung von Garten zu Bauland. Auf der anderen Seite haben viele, wenn nicht gar die meisten, der Eigentümer weder vor, auf dem neuen Bauland zu bauen noch es zu veräußern. Und dieser Konflikt, den der stellvertretende Oberbürgermeister Axel Kleefeldt auch so benannte, ließ sich am Dienstag nicht auflösen.

Ute Klaar vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation hatte in einer Präsentation die gesetzlichen Grundlagen des Umlegungsverfahrens erörtert, Heike Jaeckel vom Bauamt das Erschließungsverfahren. Doch Theorie war nicht das, woran die Anwohner von Koppelweg und anderen Straßen in dem Gebiet interessiert waren.

Kein Interesse an Klageverfahren

Sie wollten ihre Fragen beantwortet haben, stellten teilweise das ganze Verfahren infrage. Von Erpressung war dabei die Rede und davon, dass der Bürger betrogen, über den Tisch gezogen werde. Kleefeldt wehrte sich gegen diese Vorwürfe, betonte, dass auch die Stadt kein Interesse an Klageverfahren habe, daher nicht aus Borniertheit auf einem Standpunkt beharren werde. Auch solle niemand in eine finanzielle Schieflage geraten. Individuelle Fragen sollten aber in Einzelgesprächen geklärt werden. Nach gut zwei Stunden leitete er das Versammlungsende ein, nicht ohne sein Gesprächsangebot zu wiederholen: „Wenn Sie Fragen haben, kommen Sie auf uns zu, wir kommen auch gerne zu ihnen und sehen uns die Situation vor Ort an“.

Und, hat die Veranstaltung etwas gebracht? Eine Zuhörerin zuckt beim Hinausgehen mit den Schultern. Die Frage sei doch, wer überhaupt etwas von seinem Grundstück verkaufen will. „Vielleicht sind es fünf von fünfzig, was ist mit dem Rest, der seinen Garten behalten will“, verlässt sie den Rathaus-Festsaal nachdenklich.