Stendal l Seit dem Frühjahr hatten die Johanniter einen Nachfolger für Roland Jahn, den scheidenden Chefarzt der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, gesucht. Im Sommer hatten sie ihn gefunden, nun wurde er bei einem Pressegespräch vorgestellt. Dr. Senat Krasnici war seit 2001 am Charité-Standort Benjamin Franklin im Berliner Süden tätig. „Mit ihm wird ein neuer Schwerpunkt gesetzt“, sagte der Ärztliche Direktor Prof. Ulrich Nellessen. Krasnici hat nämlich nicht nur den Facharzttitel für Chirurgie, sondern ist auch Handchirurg, zudem befähigt, diese Disziplin zu lehren. „Das erhöht natürlich auch die Attraktivität unseres Standortes“, freute sich Nellessen.

Zuletzt war Krasnici Leiter der Sektion Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie der Charité. In Berlin sei es ein breites, teils illustres Patientenspektrum gewesen. Das Niveau sei sehr hoch gewesen, zumal nicht nur Patienten aus der gesamten Stadt und der ganzen Republik, sondern auch aus dem Ausland der Charité zugewiesen wurden.

80 Prozent des Gehirns für die Hand

Die Handchirurgie nimmt dabei eine wichtige Rolle ein, ist sie doch eine sehr komplizierte Disziplin. „80 Prozent der Gehirnsubstanz sind dafür da, die Hand zu steuern“, erklärte der Chefarzt. Das mache den Menschen besonders, daher kämen Begriffe wie begreifen oder behandeln.

Mit genügend Vorlaufzeit ausgestattet, hatte er bereits Zeit, sich im Krankenhaus umzusehen, die Mannschaft, wie er das Kollegium nennt, kennenzulernen. Auch in Stendal selbst hat er sich umgesehen, bereits eine Wohnung gefunden. „Meine Familie lebt in einem neuen Haus in Berlin, das ist jetzt so eine gute Lösung“, sagte der verheiratete Vater dreier Söhne. Und er sagte, dass ihn Stendal überrascht habe Man neige ja dazu, die Welt durch die arrogante Großstadtbrille zu betrachten, aber von der viel beschrienen Strukturschwäche habe er in Stendal gar nichts bemerkt. „Nach dem Termin im Krankenhaus habe ich mir in der Innenstadt noch ein Getränk gegönnt, das hat mir gut gefallen“, schilderte er.

Allzu viel Zeit, die Seele baumeln zu lassen, ist im Arbeitsalltag eines Arztes nicht vorgesehen, erst recht nicht, wenn es um die Notaufnahme geht. In Berlin war Krasnici Katastrophenschutzbeauftragter des Krankenhauses, entwickelte eine Logistik und Organisation, die im Ernstfall für noch bessere Hilfe sorgen soll. Beim Attentat auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz bewährte sie sich. Letztlich sei die Situation vergleichbar mit einem schweren Autounfall. Ein Szenario, das im Johanniter-Krankenhaus als lokales Traumazentrum, das bald in der Nähe einer Autobahn liegt, durchaus denkbar ist.

Altersgerechtes Krankenhaus

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Alterstraumatologie sein, die Behandlung von Verletzungen im Alter. „Die Menschen werden immer älter und oftmals bringt der Bruch nach einem Sturz die gesamte Situation zum Eskalieren“, meinte Krasnici. Als er mit dem Studium 1992 begonnen habe, seien die älteren Menschen auf der Chirurgie nicht so sehr der Schwerpunkt gewesen, die hätten zumeist auf der Inneren gelegen. Das habe sich in gut einem Vierteljahrhundert geändert. „Die Chirurgie ist nicht mehr die Abteilung der jungen Sportler, sondern die der älteren Damen“, stellte er fest. Und Ältere müssten ganz anders behandelt werden als Junge.

Die Alterstraumatologie passt zum Blick in die Zukunft, den das Johanniter-Krankenhaus vor allem eben auch auf die Senioren gerichtet hat. „Im Neubau werden wir die Maßstäbe eines altersgerechten Krankenhauses erfüllen“, kündigte Geschäftsführer Thomas Krössin an. Dazu gehöre neben der guten Altersmedizin auch eine entsprechende Innenausstattung.

Als Kind beim FC Bayern gespielt

Ein Phänomen aus dem Stendaler Krankenhaus kennt Krasnici schon aus Berlin: den Missbrauch der Notaufnahme. Manche Patienten spekulieren darauf, so schneller an einen Arzt zu kommen, als lange auf einen Termin beim Facharzt zu warten. Allerdings würden manche Patienten auch von den Ärzten abgeschoben, wenn das Budget für das Quartal erschöpft sei. Da komme die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ihrem Versorgungsauftrag nicht nach, meinte Krössin. Deshalb sei es gut, die Notfallpraxen der KV in die Norfallversorgung der Krankenhäuser einzubeziehen. Eine entsprechende Initiative liege bereits in der Schublade von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Zu Krasnicis Leidenschaften in der Freizeit gehört der Fußball. Der gebürtige Münchner ist nicht nur Fan, sondern auch Mitglied des FC Bayern München. Und das sogar mit einer recht niedrigen Mitgliedsnummer. Er hat sogar in der E-Jugend bei den Bayern gespielt. „Mein Vater hat Kontakt zu einem ehemaligen Präsidenten“, beschrieb er eine doch besondere Beziehung zum Verein. Ein Spiel von Lok Stendal will er sich aber dennoch auf jeden Fall ansehen. „Sie können auch gleich Mitglied werden“, frotzelte der Geschäftsführer. Immerhin ist der Ärztliche Direktor auch Präsident des Clubs. „Das wäre dann mein dritter Verein“, entgegnete Krasnici, der noch immer bei seinem Jugendverein am Ammersee registriert ist.