Stendal/Tangermünde l Im Hotel Schloss Tangermünde wirkt es ruhig. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Manfred Hippeli, Kreis-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und Inhaberin des Hotels Melanie Busse diskutieren über das Beherbergungsverbot von Gästen aus Risikogebieten und darüber, wie es nun im Herbst und Winter weitergeht.

„Auch wenn in manchen Bereichen in den letzten Monaten sogar etwas mehr Umsatz gemacht wurde, die Einbußen können nicht mehr reingeholt werden“, sagt Manfred Hippeli. „Insgesamt gab es in der Gastronomie Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent.“

Verluste durch Beherbergungsverbot

Auch Hotelinhaberin Melanie Busse erwartet weitere Verluste. Das Hauptproblem: Das Beherbergungsverbot für Gäste aus Risikogebieten. „Es ist ungerecht und eine Wettbewerbsverzerrung, weil es nicht einheitlich geregelt ist und nur die Profis trifft. Andere Übernachtungsmöglichkeiten sind erlaubt, etwa bei Freunden und Familie“, ärgert sie sich. Hinzu käme, dass es wenig logisch sei, nur die Übernachtung zu verbieten, aber Tagestouristen, etwa aus Berlin, zu erlauben.

Diese Ansicht teilt auch Manfred Hippeli. „Wir sprechen uns deutlich gegen das Beherbergungsverbot aus. Wir wollen einheitliche Regelungen. Es müsste ein generelles Reiseverbot geben, damit die Verantwortung nicht an den Hoteliers und Pensionen hängen bleibt.“

Verständnis der Gäste nimmt ab

Die praktische Umsetzung des Verbots bereite Schwierigkeiten. „Für uns bedeutet es einen wahnsinnigen Mehraufwand“, sagt Busse. „An der Rezeption wird jeden Morgen geprüft, welche Orte Risikogebiete sind und dann rufen wir dort unsere Gäste an und müssen ihnen absagen. Das kostet viel Zeit.“ Und Nerven, denn die Diskussionen mit den Gästen seien nicht immer freundlich. „Man wird beschimpft, muss sich rechtfertigen. Vor allem unsere Mitarbeiter haben es da häufig schwer“, so die Hotelinhaberin.

Sie selbst habe bereits mit den Stornierungen für die nächsten Monate zu tun. „Die Menschen haben Angst, dass auch ihr Wohnort zum Risikogebiet wird.“ Dabei sei ein Hotelzimmer keine Keimzelle. „Wir desinfizieren alle Oberflächen und sind zurück zu Einwegmaterialien gegangen“, schildert sie das Vorgehen im Hotel. „Wir leben davon, Zimmer zu verkaufen.“

Mehr Corona-Risikogebiete

Das Beherbergungsverbot ist nicht neu. Bereits in der siebten Verordnung vom 30. Juni des Landes Sachsen-Anhalt wurde es verankert. „Es wird nur jetzt erst so deutlich, weil es mehr Risikogebiete gibt“, so der Dehoga Kreis-Chef.

Im Herbst und Winter würde sich die Situation der Gastronomie nicht verbessern, sagt Manfred Hippeli. „Jetzt kommt erst die Zeit, in der die Umsätze wirklich zurückgehen. Das Geschäft im Außenbereichen war relativ unkompliziert, jetzt müssen wir mit den wenigen Plätzen in den Gaststätten auskommen.“ Mit dem Ende der warmen Tage im Freien sei nun auch Schluss mit lustig.

Corona-Regeln müssen eingehalten werden

Damit das Geschäft im Winter funktioniert, sehen die beiden nur eine Möglichkeit: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Die Gäste müssen mitgenommen werden, die Masken einheitlich beim Betreten und Verlassen der Gaststätte getragen werden, genauso wie von den Angestellten“, so Hippeli. Es fehle langsam das Verständnis der Gäste, auch wegen der verschiedenen Regelungen in den Bundesländern. „Das verunsichert die Leute massiv“, sagt Melanie Busse.

Damit alle Beteiligten gut durch die nächsten Monate kämen, sollte sich an drei Punkte gehalten werden: Plätze reservieren, Maske tragen und die neuen Essenszeiten im Restaurantbetrieb berücksichtigen. „Es geht eben nur noch 17.30 Uhr oder 19.30 Uhr, dazwischen brauchen wir die Zeit zum Desinfizieren und Lüften“, erklärt Busse.

Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu

Hinzu kommen weitere Probleme. „Es gab schon vor der Krise einen Fachkräftemangel. Viele haben sich aber durch die Krise umorientiert, um aus der Kurzarbeit und der Unsicherheit herauszukommen“, so Hippeli. Außerdem müssten Regelungen für Pachtverträge her, sodass die Verpächter selbst mit in die Pflicht genommen würden. Damit könnten Pächter, die in der Krise stetig weiter ihre Pachtgebühr zahlen müssen, entlastet werden. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Landratsamt und den Ordnungsämtern“, sagt der Dehoga Kreis-Chef.

Laut Hippeli sind zwei Gastronomiebereiche besonders von der Krise betroffen: „Cateringfirmen und Diskotheken haben große Probleme.“

Zweiter Lockdown wäre "Genickschuss"

Bisher musste noch kein Gastronomie-Gewerbe in Stendal wegen der Pandemie schließen. Ob das so bleibt, sei fraglich. „Es gab nur so wenig Insolvenzen, weil man sie aufschieben konnte. Ein zweiter Lockdown würde für viele Gastronomen einen Genickschuss bedeuten“, sagt Melanie Busse.