Stendal/Havelberg/Osterburg l Zutritt nur mit Maske, Abstand halten und Hände desinfizieren. Gewerbetreibende und Freizeiteinrichtungen im Landkreis Stendal setzen seit Monaten die geforderten Hygieneregelungen von Land und Bund durch. Doch aufgrund der steigenden Corona-Zahlen gibt es ab Montag, 2. November, einen erneuten Lockdown. Was sagen die Betroffenen dazu? Die Volksstimme hat nachgefragt.

Zum Lockdown: Dienstleistung

Nicht nur bei Gastwirten und Hotelbetreibern liegen die Nerven blank (wir berichteten gestern). Auch bei vielen anderen Betroffenen wie Exe. Für den Mitarbeiter des Tattoo-Studios Bloody Bucket in Stendal ist die erneute Schließung mit der Begründung, man könne die Abstandsregelung nicht einhalten „völliger Bödsinn". Weil: „Das regeln wir mit dem Tragen der Maske wie anderswo auch. Und desinfizieren wir sowieso immer alles und tragen Handschuhe." Die Konsequenz nun: Wieder Verdienstausfall, auflaufende Kosten und Eleve Micha muss sein Praktikum abbrechen.

Zum Lockdown: Freizeit

Altoa-Geschäftsführer Marcus Schreiber hat die ersten Konsequenzen bereits gezogen. Ab Montag ist für einen Großteil der Angestellten erneut Kurzarbeit angesagt. Der Betrieb werde aufrechterhalten, auch wenn in den nächsten vier Wochen keine Bade- oder Saunagäste mehr kommen dürfen. Was ihn schmerzt: Die Pause komme mitten in der Hauptsaison. „Im Oktober hatten wir schon sehr gute Besucherzahlen. November und Dezember sind in der Regel sehr gut besucht“, sagt er. Deshalb gilt für ihn: Je kürzer die Schließung dauert, desto besser.

Die Landessportschule in Osterburg wollte noch keinen Kommentar abgeben. Draußen vorm dazugehörigen Schwimmbad „Am Fuchsbau“ wartete jedoch eine Gruppe der Erxlebener Förderschule nach dem Schwimmunterricht auf ihren Bus. „Bedauerlich“, kommentierte Carola Hollenbach den erneuten Lockdown. Der Osterburger Schwimmverein habe Carola Hollenbach zufolge schon während der ersten Schließungszeit erhebliche Defizite gehabt. Sie sehe aber keine Alternative zur Entscheidung der Bundesregierung, außer: den Lockdown auf zwei Wochen zu begrenzen.

Wenig Verständnis hat Steffen Braunschweig, Vorsitzender des Schönhauser Sportvereins „Preußen“. „Leider siedelt die Politik den Amateursport in der Wichtigkeit ganz unten an.“ Warum die Sportanlagen auch für den Trainingsbetrieb geschlossen bleiben, sei für ihn nicht nachvollziehbar. „Wir haben gute Hygienekonzepte, die auch konsequent umgesetzt wurden.“

„Es ist genau der falsche Weg, uns zu schließen“, sagt Thomas Kühn, Betreiber des Fitnessstudios „Galaxy“ in Stendal. „Bei uns gibt es kaum Fälle, und die Leute benötigen die sozialen Kontakte.“ Er wisse nicht, ob sich die Mitglieder genauso solidarisch zeigen werden, wie im Frühjahr, als Monatsbeiträge teilweise gespendet wurden.

Michael Möhring vom Gesundheits- und Freizeitstudio Havelberg sieht das ähnlich und sagt: „Mir ist nicht bekannt, dass ein Fitnessstudio ein großer Infektionsherd war. Viel mehr sollten die Leute in die Pflicht genommen werden, die sich nicht an die Regeln halten.“

Zum Lockdown: Kultur

Wolf E. Rahlfs, Intendant des Theaters der Altmark, macht es sich bei der Bewertung des Lockdowns nicht leicht. Klar ist da das Verständnis für die Notwendigkeit strengerer Maßnahmen angesichts der steigenden Corona-Zahlen. Andererseits treibe ihn angesichts der Schließung seines Hauses das Gefühl um, dass bei der Kultur oftmals strengere Maßstäbe angelegt würden als in anderen Bereichen. „Bislang sind Theatervorstellungen nicht als Hotspots aufgefallen“, argumentiert er. Zumal sowohl auf der Bühne als auch bei den Zuschauern penibel auf die Einhaltung der Hygienevorgaben geachtet worden sei. Dessen ungeachtet zieht das Theater die Konsequenzen: Bis Sonntag wird noch gespielt, ab Montag sind alle November-Vorstellungen gestrichen.

„Im Kino ist die Ansteckungsgefahr eher gering. Wir haben Abstandsregelungen und Lüftung“, sagt Uppstall-Kino-Chef Günther Tyllack. Trotzdem trägt er die Schließung seines Lichtspielhauses voll mit. „Es ist nun mal notwendig, die sozialen Kontakte zu reduzieren. Die Fallzahlen müssen wieder runtergehen“, sagt Tyllack. Er hoffe, dass sein Kino im Dezember wieder öffnen darf, stelle sich jedoch auf einen längeren Lockdown ein. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch diese Phase wirtschaftlich überstehen werden.“

Der Kulturhausleiter in Tangerhütte, Sven Biermann, habe ebenfalls großes Verständnis für die Maßnahmen. „Und doch ist es schwierig, jetzt im November noch einmal runterzufahren, wo es doch gerade wieder losgehen sollte.“ Allzu viel müsse in Tangerhütte für den November zudem nicht abgesagt werden. Die meisten größeren Veranstaltungen seien ins nächste Jahr verschoben worden.

Zum Lockdown: Verwaltung Stendal

Krisensitzung des Corona-Stabes gestern Nachmittag im Stendaler Rathaus: Als eine wichtige Entscheidung hat sich die Stadtverwaltung dafür entschieden, dass die Stadtratssitzung am kommenden Montag, 2. November, wie geplant stattfinden soll. Nach aktuellem Stand wird neben dem Altoa und dem TdA das Musikforum Katharinenkirche geschlossen. Offen bleiben vorerst Stadtbibliothek, Musik- und Kunstschule, Volkshochschule, Tiergarten und Angebote der Jugendsozialarbeit.

Zum Lockdown: Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt des Landkreises Stendal hat indes Verstärkung von sieben Bundeswehr-Angehörigen bekommen. Kollegen aus anderen Ämtern werden zur Unterstützung im Gesundheitsamt eingesetzt, wenn die Zahlen weiter steigen, teilt Kreissprecherin Angela Vogel mit.

Und wenn es erforderlich wird, „kann in Windeseile wieder ein Fieberzentrum in Stendal eingerichtet werden“, versichert Jörg Böhme. Der Arzt ist Kreischef der Kassenärztlichen Vereinigung und sehe noch keinen Bedarf: „Wir haben Corona im Landkreis noch gut im Griff.“