Stendal l Die Restaurants und Gaststätten haben geschlossen, private Zusammenkünfte sind beschränkt – was lädt da mehr zum Verweilen im Freien ein, als eine schöne Bank in Stendal?

Dafür haben die Stendaler zahlreiche Auswahlmöglichkeiten: „In der Kernstadt haben wir insgesamt 272 Sitzbänke in verschiedenen Ausführungen“, sagt Armin Fischbach, Pressesprecher der Hansestadt. An allen Plätzen, wo gerne verweilt wird oder man kurz zur Ruhe kommen möchte, würden sich Sitzbänke finden. Welche Bank die beste Aussicht biete? „Das liegt ganz im Auge des Betrachters und hängt von den persönlichen Vorlieben ab“, sagt Fischbach. Sehr positiv werde öfter von den Sitzgelegenheiten am Stadtsee und im August-Bebel-Park berichtet. „Auch der kleine Aussichtspunkt am Galgenberg erfreut sich diesbezüglich großer Beliebtheit“, so der Pressesprecher.

Bänke werden rege genutzt

Bei einem Streifzug durch die Stadt wird deutlich: Die Bänke werden rege genutzt. In der Fußgängerzone setzen sich Passanten immer wieder für eine Rast auf die Bänke, die auch gern als Ablagen für die Einkaufstaschen genutzt werden, so scheint es.

Für jeden der richtige Platz

Für ein kurzes Treffen nach der Schule sind die Bänke ebenso perfekt geeignet. So sitzen Caroline Roost (14) und Deaglan Stiller (13) auf dem Winckelmannplatz und „chillen“. Ohne Corona würden sie sich nicht an diesem Ort treffen, sind sich die Schüler einig. Es sei zwar ein Zufall, dass sie dort seinen, „aber der Platz ist ganz okay“, fügt Deaglan hinzu. Sie werden an diesem Tag wohl noch länger auf der Metallbank sitzen, auf ihren Jacken – Bequemlichkeit muss sein.

Während der Volksstimme-Bank-Tour durch die Hansestadt fällt auf, dass es ganz verschiedene Ausführungen davon gibt: kühl wirkende aus Edelstahl, einige mit Sitzstangen und andere mit puristischen Sitzflächen ohne Lehnen.

Graffiti und Zerstörung sind Probleme

Für die Aufstellung, Wartung und Reparatur ist das Amt für Technische Dienste im Rathaus zuständig. All die Arbeiten „werden deshalb durch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs erledigt, der diesem Amt zuzuordnen ist“, so der Pressesprecher. Und Reparaturen seien keine Seltenheit. „Schmierereien und Beschädigungen sind das Hauptproblem. Oft wird von einigen Halbstarken versucht, einzelne Bohlen herauszubrechen, oder gar gleich die ganze Bank angezündet“, sagt Fischbach. „Graffiti in sämtlichen Ausführungen sind ein weiteres Ärgernis.“ Immerhin sei noch keine Bank gestohlen worden.

Der Vandalismus führte zuletzt sogar zur Entfernung von Bänken unter der Pergola am Stadtsee. Von einstmals fünf Bänken steht nur noch eine Sitzgelegenheit. Damit scheint dieser Platz nicht mehr sehr beliebt zu sein: Einsam und allein steht dort eine Bank, gesäumt von Graffiti.

Begegnungsort: Stadtsee

„Früher saßen wir mit Bekannten und Nachbarn immer unter der Pergola“, sagt Waltraut Prange aus Stendal. „Aber als die Bänke weg waren, reichte der Platz für uns nicht mehr aus. Da haben wir überlegt, ob wir zusammenlegen und eine neue Bank kaufen, um sie dazu zu stellen“, sagt die Rentnerin mit einem Lachen.

Doch es gibt einen Lichtblick für die Pergola: Bis zum Frühjahr 2021 sollen die fehlenden Bänke wieder an Ort und Stelle stehen. Bis dahin sitzt Waltraut Prange eben auf einer anderen Bank am Stadtsee. „Durch die Corona-Beschränkungen können wir alle ja sowieso nicht mehr zusammenkommen“, sagt sie und fügt mit einen Fingerzeig auf ihre Freundin Edith Woldt hinzu: „Jetzt treffen wir uns fast täglich zu zweit hier.“

Für beide Frauen liege der Stadtsee nur wenige hundert Meter von ihrem Zuhause entfernt und habe der Treff im Freien auch Vorzüge: Stetig grüßen sie vorbeiradelnde Nachbarn und Spaziergänger mit Hund. „Hier kennt man sich eben“, sagt Waltraut Prange – glücklich, an einem ihrer Lieblingsorte zu sein.