Alcala l Gestrandet auf den Philippinen - wie geht man damit um? Es macht überhaupt keinen Sinn, deshalb den Kopf hängen zu lassen. Ich versuche, das Beste daraus zu machen.

Ich habe Teile des Dörfchens Alcala erkundet, die ich bisher nicht kannte. Und ich habe dabei viele nette Leute kennengelernt. Zum Beispiel die Familie von Carl, einem Klassenkameraden von Jhon-Christopher in dessen Familie ich hier lebe und in der ich mich sehr gut aufgehoben fühle. Wie Jhon-Christophers Vater, der als Fleischer tätig ist, wurde aufgrund der Covid-19-Krise auch das Geschäft geschlossen, in dem Carls Vater arbeitet. Das bedeutet, dass das Einkommen ausbleibt, aber insgesamt sechs Köpfe ernährt werden müssen.

Die Menschen bleiben gastfreundlich wie immer

Bis auf die Mutter sitzen sie alle vor ihrem mehr als ärmlichen Haus – oder besser Hütte – und sorgen sich um die Zukunft. Denn ein Ende der Krise ist wohl auch in den nächsten Wochen noch nicht in Sicht. Was aber absolut nichts an der Gastfreundschaft, wie ich sie hier überall erlebe, ändert. Denn ich werde eingeladen, zusammen mit der Familie zu essen. Es gibt Reis mit Ampalaya, einer gekochten Gemüseart, die mich an eine grüne Wachsbohne erinnert und auch so schmeckt.

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Ich habe dem Vater und seinen vier Kindern versprochen, wiederzukommen, auch wenn ich dazu selbst kaum etwas beisteuern kann. Aber selbst ein kleiner Einkauf im Supermarkt dürfte bei Carls Familie sicher für große Freude sorgen. Bevor ich gehe, werde ich noch gebeten, zusammen mit ihnen zu beten. Dafür, dass sie Gott vor dem Virus beschütze.

Sie und alle anderen Filipinos sowie alle Menschen auf der ganzen Welt, wie sie mir vorher mit einigen englischen „Brocken“ deutlich gemacht haben. In die Kirche könnten sie dafür nicht mehr gehen, denn die ist auch geschlossen worden.

An zwei Polizeiabsperrungen vorbei

Im Dorf selbst ist es in den vergangenen Tagen deutlich ruhiger geworden. Die Dorfstraße macht gegenüber sonst fast einen verwaisten Eindruck. Viele befolgen die Hinweise der Regierung, sich in ihrem Haus nach Möglichkeit selbst in Quarantäne zu begeben. Für mindestens zwei Wochen. Was aber nichts daran ändert, Lebensmittel einkaufen zu müssen. In der Stadt. Am Montag habe ich selbst erfahren, wie schwierig es geworden ist, selbst nach Daraga zu kommen. An zwei Polizeiabsperrungen wird auf dem kurzen Weg genau kontrolliert, wer in die Stadt rein und wer aus dieser wieder heraus will.

Zum Glück hatte ich mir am Sonntag einen Mundschutz besorgen können. Ohne diesen hätte man mich an der Kontrollstelle nicht weiter fahren lassen. Aber ich musste auch Fragen beantworten: Woher ich komme, wo und bei wem ich mich aufhalte und vor allem, was ich in Daraga machen will. Auch mein Reisepass wurde kontrolliert.

Mit dem Mundschutz erhielt ich dieses Mal zwar Einlass in den Supermarkt, aber ich musste geschätzte 90 Minuten in der Schlange stehen, bis das endlich soweit war. Denn wegen Covid-19 dürfen sich immer nur bis zu zehn Kunden in dem Supermarkt aufhalten. In dem die Regale übrigens auch immer leerer werden. Überrascht war ich darüber, dass mir an der Kasse zwei Flaschen Bier – eine Marke aus Holland - wieder abgenommen wurden. Alkohol dürfe ich jetzt nicht einkaufen, hieß es als Begründung.

Bisher keine Infizierten in der Region

Absolut nichts gehört habe ich bisher vom Auswärtigen Amt und von der Deutschen Botschaft in Manila. Wenn ich das Dokument zur Rückholaktion öffnen will, bekomme ich immer wieder angezeigt, dass mein Name bereits verwendet wird. Ich muss abwarten. Wobei ich allerdings die derzeitige rasante Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland als sehr besorgniserregend empfinde. Ich frage mich ernsthaft, ob ich wirklich so schnell in mein Heimatland zurückkehren muss. Wo bin ich in den kommenden Wochen sicherer aufgehoben? Nach derzeitigem Stand gibt es auf den gesamten Philippinen 501 Infizierte und 33 Tote. In der Bicol-Region, wo ich bin, gibt es weder Infizierte noch Tote.

Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, auf den Philippinen gestrandet zu sein... Mit Medikamenten bin ich auch wieder gut versorgt.