Stendal/Tangermünde l Maria Lewerenz atmet tief durch. Vor sieben Wochen hat sie ihre Boutique „MaLé“ am Marktplatz in Stendal eröffnet und muss sie nun wieder schließen. Die Boutique, in der sie auf italienische Mode setzt, sei schon immer ihr großer Traum gewesen, berichtet die gelernte Verwaltungsangestellte. Mit der Schließung werde sie auf Einnahmen verzichten müssen. Trotz der Verluste findet sie den harten Lockdown richtig. Er komme allerdings zu spät, und: „Eine gewisse Angst ist dabei, weil ich aus einem festen Job komme.“

Um den Traum verwirklichen zu können, kündigte Maria Lewerenz ihren Job beim Jugendamt im Magdeburg. Ihr Mann habe sie bestärkt, ein Geschäft zu eröffnen, erzählt sie. Im vergangenen August fand sie mit Hilfe eines Maklers ihr Ladenlokal. Mit Unterstützung der Familie wurden die Räumen renoviert. Die Bürger aus Stendal nehmen die Boutique gut an, sodass sich die 32-Jährige bereits einen Kundenstamm aufgebaut hat. Um diesen zu halten und neue Interessenten zu gewinnen, nutzt sie das Internet und die sozialen Netzwerke als Verkaufsmöglichkeit.

Auch der Inhaber des Modegeschäfts „ReBella“ setzt nun wieder auf das Internet als Einnahmequelle. Ausgerechnet die Zeit vor Weihnachten sei im Geschäftsjahr besonders wichtig, gibt er an. Daher hätte der Inhaber eine Schließung im November favorisiert. Für ihn kommt der Lockdown jedoch nicht überraschend.

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Mit der Schließung des Einzelhandels rechnete ebenfalls die Geschäftsführerin Silke Kampe von Schuh-Kampe. Trotz des Verständnisses hätte sie aus geschäftlicher Sicht lieber „keinen Lockdown“.

Lieferservice startet

Im zweiten harten Lockdown des Jahres müssen nun auch die Buchläden schließen. Annette Mäcker, Inhaberin der Winckelmann-Buchhandlung, hatte gehofft, dass die Zwangsschließung erst am 20. Dezember beginnt, damit die Kunden ihre bestellten Bücher noch abholen können. Aus der Not heraus biete die Buchhandlung nun einen Lieferservice an.

Auch die Glaserei Helmeke möchte, dass die vorbestellten Geschenke rechtzeitig bei den Kunden sind. „Wir versuchen alles, damit die Kunden ihre Bildereinrahmungen noch bis Mittwoch abholen“, sagt Christiane Helmeke. Wie für andere Einzelhändler komme der Lockdown für sie „nicht plötzlich“.

Bernd Meier, Standbetreiber am Sperlingsberg, rechnete in den vergangenen Tage schon mit dem Lockdown. Er findet die Entscheidung richtig. „Ich sehe wie sich die Krankenhäuser füllen“, begründet er. „Corona kann man nicht mit der Grippe vergleichen.“

Völlig unvorbereitet trifft der harte Lockdown jedoch zahlreiche Friseure, Kosmetik- und Nagelstudios. Dementsprechend groß ist der Andrang. „Wir müssen sehen, was wir noch schaffen“, sagt Le, die im Nagelstudio „Nails & Spa“ in der Breiten Straße in Stendal tätig ist. Alle Plätze sind am Montag besetzt, am Rand warten im gebührenden Abstand bereits die nächsten Kunden. Dass bis zum 10. Januar geschlossen sein wird, „kann für viele Kunden schmerzlich werden, weil die Nagelpflege regelmäßig erfolgen muss“, sagt Le.

Jeder Kunde wird bedient

Im Minutentakt klingelt im Frisörsalon von Steffen Feldt in Stendal das Telefon. In Windeseile vereinbart er mit den Kunden einen neuen Termin. „Alle, die bis Weihnachten bestellt waren, möchten wir noch glücklich machen“, sagt der Friseurmeister. Das bedeutet: „Wie am Montag beginne ich auch Dienstag gegen 5.30 Uhr und rechne damit, erst um 23 Uhr Feierabend zu haben.“ Das sagt der 33-Jährige ohne Wehmut.

„Wenn wir Mittwoch wieder schließen müssen, habe ich leider mehr als genug Zeit, mich auszuruhen.“ Obwohl das Bestellbuch bis weit nach Neujahr voll war, habe er Verständnis für den erneuten harten Einschnitt. „Irgendwie müssen wir doch das Virus endlich loswerden“, sagt Steffen Feldt.

Völlig ausgebremst worden in der Hauptsaison fühlt sich Heinz-Jürgen Bergande. Er ist Geschäftsführer der Wild Pyros GmbH mit Sitz in Tangermünde. Ab sofort und an Silvester gilt stricktes Feuerwerksverbot. Das ist hart, auf Anhieb kann er den Schaden beziffern, spricht von 136 000 Euro Umsatzverlust.

Bergande hatte mit seinem Team für den 27. Dezember die traditionelle Feuerwerks-Show geplant. Das „große Vorschießen“, wie es genannt wird, sollte auf dem Firmengelände in der Arneburger Straße stattfinden. „Menschen aus einem Umkreis von mehr als 200 Kilometern haben wir so in den Vorjahren nach Tangermünde gelockt“, sagt Bergande und muss nun feststellen: Vorschießen, Verkauf und Feuerwerk wird es 2020 nicht geben.