Stendal l Viele Besucher tummelten sich am Sonnabend und Sonntag in der Breiten Straße in Stendal, viele vollbepackt mit Einkaufstüten. Panik-Käufe wegen des Lockdowns oder der alljährliche Einkaufsstress kurz vor Weihnachten?

Ein Ehepaar sagt, dass es keine Panik-Käufe wegen des Lockdowns machen würde, sondern einfach nur unterwegs sei, weil Weihnachten näher rücke. Ganz ähnlich sieht das eine Frau aus Arneburg. Panik-Käufe? Nein: „Ich habe alle Geschenke schon. Jedes Jahr habe ich sie frühzeitig."

Mit Panik hat auch der Wochenend-Einkaufsbummel einer weiteren Stendalerin nichts zu tun: „Alles, was ich brauche, ist Essen“, erklärt sie mit einem Lächeln. Außerdem hätte sie bereits alle Geschenke, weil sie im Internet bestellt hätte.

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Die Besucher der Innenstadt sehen dem Lockdown relativ gelassen entgegen und verfallen nicht in Hektik. Aber welchen Eindruck haben die Einzelhändler? Annett Noffke, Hausleiterin im Modehaus Ramelow, beschreibt die Kunden als relativ entspannt. Vereinzelte Kunden hätte sie erlebt, die in Ansätzen panisch schienen. Trotzdem hätten bisher nicht mehr Kunden den Laden aufgesucht als sonst an Adventswochenenden.

Andrang in Bücherläden

Gut zu tun haben die Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Genz. Trotzdem sagt eine Verkäuferin: „Bücher kauft man nicht in Panik.“ Einen besonders hohen Kunden-Andrang seit Beginn der Adventszeit bestätigt auch Annette Mäcker, Inhaberin der Winckelmann-Buchhandlung. „Die Leute brauchen, was zur Ablenkung“, begründete sie die vermehrten Einkäufe.

Außerdem hätten viele Kunden ihr gesagt, dass sie den Buchhandel vor Ort unterstützen wollten und nicht daher nicht im Internet bestellten. Am Sonntagnachmittag resümiert sie jedoch im Wissen um den neuerlichen Lockdown, dass sie mehr Kundschaft erwartet hatte. Der umsatzstärkere Tag hier war der Sonnabend.

Flexible Öffnungszeiten

Eine Angestellte des Taschen-Geschäftes „Ich mag Taschen“ erlebt am Sonnabend ebenfalls vermehrten Andrang. Viele Kunden hätten Angst, dass geschlossen wird, erklärt sie. „Keiner weiß, was nächste Woche ist.“ Die Chefin des Geschäftes, Birgit Schaar, ist am Sonntagnachmittag sehr zufrieden mit dem vorläufig letzten Einkaufswochenende. „Wir hoffen nun auf die letzten zwei Tage“, sagte sie. Heute und morgen wird sie flexibel mit den Öffnungszeiten umgehen, denn „der Lockdown ist ein 100-prozentiges Verlustgeschäft.“

Der Filialleiter der Parfümerie „Aurel“, Geerd Jaenicke, sagt, dass schon während der vergangenen Woche viele Kunden eingekauft hätten. Er rechnet an den letzten beiden Tagen mit noch mehr Andrang.

Auch das Hanse-Kontor in der ehemaligen Weltbild-Filiale wird von den Besuchern gut angenommen. Doch regelrechte Panik-Käufe gibt es auch hier nicht, sagt Florentine Gruppe, Mitarbeiterin im Veranstaltungsmanagement und Tourismus der Stadt. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, so Gruppe am Sonnabend. Auch das Kontor wird ab Mittwoch geschlossen sein.

Viele Kunden bestellen

Eine Kunden-Schlange bildet sich im Kaffeekult am Marktplatz. Seit der Ankündigung eines harten Lockdowns in der vergangenen Woche hätte viele Kunden ihre Einkäufe vorgezogen, berichtet der Inhaber Nikolas Frank. Viele Bestellungen hätten er inzwischen entgegengenommen. Frank plagt die Unsicherheit, ob auch er dicht machen muss. „Im Frühjahr musste ich nicht schließen“, blickt er zum ersten Lockdown zurück.

Zumindest in der Innenstadt in Stendal gibt es wegen des bevorstehenden harten Lockdowns keine hektischen und überstürzten Einkäufe. Trotzdem ist die Stadt gut besucht. So freuen sich die Einzelhändler nicht nur über den Umsatz, sondern loben auch die Disziplin der Kunden. Die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht werden überall eingehalten.