Tangerhütte l Die Frist zur Mängelbeseitigung für das Dachdeckerunternehmen, das im vergangenen Jahr das Neue Schloss in Tangerhütte eingedeckt hatte, ist ausgelaufen. Die Kommune hatte dem Unternehmen diese Frist gesetzt. In einem Gutachten eines vereidigten Sachverständigen wurde die Aufnahme der Dachsteine auf 580 Quadratmetern des oberen Dachteils samt Einbau neuer Dachlatten in engeren Abständen und die anschließende Neueindeckung als notwendig erachtet. Erst damit wäre eine „sachgerechte Ausführung“ zu erreichen, heißt es. Passiert ist das bisher offenbar nicht.

Neues Schloss: Warten auf zweites Gutachten

Auch das vom Stadtrat geforderte zweite Gutachten für den bis dahin nicht untersuchten unteren Teil und weitere beim ersten Mal nicht einsehbare Bereiche des riesigen Mansardwalmdaches müssten eigentlich längst in der Verwaltung vorliegen. Zu beiden Themen aber äußert sich das Büro des Bürgermeisters auf Nachfrage nicht.

„Wir bitten um Verständnis, dass zur aktuellen Sachlage keine öffentlichen Aussagen getroffen werden können. Zunächst ist der Sachstand in den Gremien zu besprechen. Diese befinden sich momentan in einer kleinen Sommerpause“, heißt es aus dem Tangerhütter Rathaus.

Im Juni fand die zweite Begutachtung des Schlossdaches statt, allerdings kurzfristig in kleiner Runde. Eine geforderte Beteiligung von Stadträten oder des Bauausschussvorsitzenden daran sei „nicht Bestandteil Ihres Beschlusses“ gewesen, hatte Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) anschließend im Hauptausschuss erklärt. Weil nicht auszuschließen sei, „dass es eine Angelegenheit für den Rechtsanwalt wird“ wollte Brohm sich schon Anfang Juli öffentlich nicht weiter zum Thema äußern und das scheint Bestand zu haben.

Probleme bei Fördermitteln für Neues Schloss

Durch die offenen Mängel könnte es auch mit den eingeplanten Fördermitteln für die Kommune eng werden. Bis Ende November hat das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) der Einheitsgemeinde Zeit gegeben, die erfolgreiche Mängelbeseitigung zu melden. Passiert dies nicht, fehlen der Kommune weitere rund 180.000 Euro in der Kasse. Bisher ist nicht klar, ob der Dachdecker, der sein Geld bereits erhalten hat und der Verwaltung gegenüber bereits signalisiert haben soll, eine Nachbesserung nicht leisten zu können, überhaupt noch einmal Hand anlegt.

Dass die Schlossdachsanierung und deren Kosten von öffentlichem Interesse sind, ist nicht neu. Mit viel Engagement aus der ganzen Region und darüber hinaus hatte Bürgermeister Andreas Brohm ab Anfang 2018 die „Aktion Dachschaden“ für das Neue Schloss angeschoben und viel Aufmerksamkeit auf Tangerhütte gelenkt.

Viele Menschen beteiligten sich, backten Kuchen, spendeten Geld und organisierten Aktionen, um den damals fast utopischen Eigenanteil für das Schlossdach zusammenzubekommen. Am Ende brachte man die 62.500 Euro aus Spenden zusammen, das EU-geförderte Projekt (Leader) für geplante 250.000 Euro konnte losgehen.

Nach Dachsanierung: Kein Grund zu Feiern

Als im September vor einem Jahr die Fertigstellung der Dachsanierung gefeiert wurde, gab es schon erste Gerüchte um notwendige Nachbesserungen. Bekannt wurden die in der Verwaltung seit August vorliegenden Forderungen der Denkmalbehörde, die Größe und Bauausführung der neu geschaffenen, zentralen Gauben im Dach moniert hatte, aber erst später. Da war das Baugerüst längst verschwunden. Acht Wochen lang standen die neuen Gauben bei Wind und Wetter offen (Volksstimme berichtete).

Was folgte, waren mehrere Wochen, in denen wieder gebaut wurde, die Gauben neu gesetzt und die angrenzenden Dachteile wieder eingedeckt werden mussten. Wie viel diese Nacharbeiten gekostet haben, ist bis heute nicht öffentlich gemacht worden.

Wie geht es mit dem Neuen Schloss weiter?

Fest steht, dass die Baumaßnahme teurer wurde als geplant: Gut 270.000 Euro sind bereits Anfang 2020 durch die Kommune ausgezahlt worden, obwohl es zu dem Zeitpunkt noch keine Bauabnahme gegeben hatte. Auch ein Gutachter wurde – trotz mehrfacher Forderungen und einem im Oktober gefassten Beschluss des Hauptausschusses, einen Gutachter einzusetzen – erst im März bestellt. Hinzu kommt, dass nur 235.000 Euro von der Gesamtsumme als förderfähig anerkannt wurden, weil dem Fördermittelgeber notwendige Nachträge zu spät mitgeteilt worden waren.

Seit Mitte März liegt der Verwaltung das erste Gutachten zum Dach vor, allerdings wies der Gutachter damals auch darauf hin, dass er nur die beauftragte Fragestellung – zu Dachlattung und Sturmsicherung – geprüft habe. Weitere Unklarheiten sollten mit einem zweiten, umfassenden Gutachten beseitigt werden.

Verzögerungen bei Maßnahmen zur Mängelbeseitigung, aber auch fehlende Abnahmen und Kontrollen sowie nicht einbehaltene Gelder zur Schadensregulierung sind nach Volksstimme-Informationen Bestandteil einer weiteren, im Juli beschlossenen Dienstaufsichtsbeschwerde des Stadtrates gegen den Bürgermeister, die im Landkreis geprüft wird.

Wie es nun weitergeht mit der Mängelbeseitigung am Neuen Schloss, ist offen. „Der Haupt-, Finanz- und Vergabeausschuss berät auf seiner Sitzung am 17. August zunächst die aktuelle Sachlage“, heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters.