Zum Hintergrund

Das Grenzkommando Nord in Stendal wurde am 29. Februar 1971 auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung vom Oktober 1970 aufgestellt. Der Standort war zunächst Kalbe/Milbe und Beetzendorf. Nach Fertigstellung der Kaserne in Stendal an der Gardelegener Straße wurde das Grenzkommando 1975 dorthin verlagert.

Die Ansiedlung des Grenzkommandos in Stendal im Jahre 1971 ergab sich daraus, dass es eine Neugliederung der Grenzüberwachung gab. Im Zuge von Abrüstungsverhandlungen hatte die DDR-Führung die Aufgabe der Grenzkontrolle aus dem Bereich der Nationalen Volksarmee (NVA) herausgenommen, um die Truppenstärke des Landes zu reduzieren.

Nach der Umstrukturierung blieben die Kommandos Nord (Stendal), Mitte (Berlin-Karlshorst) und Süd (Erfurt) dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Den Grenztruppen gehörten zum Zeitpunkt der Wende 1989 44 000 Personen unter Waffen an. Teilweise wurden sie 1990 vom Bundesgrenzschutz und der Bundeswehr übernommen.

Zum Grenzkommando Nord gehörten folgende Grenzregimenter: 6 „Hans Kollwitz“ in Schönberg, 8 „Robert Abshagen“ in Grabow, 20 „Martin Schwantes“ in Halberstadt, 23 „Wilhelm Bahnik“ in Kalbe/Milbe, 24 „Fritz Heckert“ in Salzwedel sowie die Ausbildungsregimenter 5 „Gustav Sobottka“ in Glöwen und 7 „Martin Hoop“ in Halberstadt.

Das 36 Hektar große Gelände an der Gardelegener Straße beherbergt derzeit nur noch den Zoll sowie das Technische Hilfswerk. Ferner sind einige Garagen vermietet, ein Motorradclub musste sein Vereinsheim bereits verlassen. In den Hauptgebäuden waren bis 2004 Polizei, Staatsanwaltschaft und Kreiswehrersatzamt untergebracht. Noch 2002 wurden die Verwaltungsgebäude saniert. (bb)

Stendal l Es ist dornig. Und man muss aufpassen, dass man nicht mit dem Hosenbein im Stacheldraht hängenbleibt. Ein bisschen wirkt der Turm im Röxer Wald wie im Dornröschenschlaf versunken.

Der Turm diente einst zur Bewachung des nahe gelegenen Munitionslagers, weiß ein ehemaliger Grenztruppen- mitarbeiter. Ob der Turm schon gleich Anfang der 1970er Jahre errichtet wurde, weiß er nicht mehr, er sei erst später dazugestoßen.

Abriss des Turms ist ungewiss

Der Turm, der in vergleichbarer Bauweise auch an der Grenze stand, liegt etwas abgelegen vom eigentlichen ehemaligen Grenztruppengelände. Dieser befindet sich nördlich vom Gelände des Technischen Hilfswerkes (THW), das dort 2003 angesiedelt wurde. Alte Zäune sind noch vorhanden, die vom THW-Areal bis zum Wachturm führen.

Bilder

Das eigentliche Grenztruppengelände mit seinen zwei Hauptgebäuden soll bald zu einer zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle umgebaut werden. Wie die Volksstimme berichtete, steht seit kurzem die Finanzierung für das Projekt. Zwischen Vertretern des Bundes – als Eigentümer des Geländes – und des Landes wurde darüber verhandelt. Insgesamt sind 29,75 Millionen Euro (davon 21,2 Millionen Euro vom Bund) vorgesehen. Es soll ein Kapazität für die Aufnahme von 1000 Menschen geschaffen werden, dies bestätigte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) unlängst noch einmal.

Ob mit dem Umbau auch der Turm und damit ein letztes Relikt der Grenztruppenkaserne abgerissen wird, konnte bisher nicht bestätigt werden. Auch nicht die Frage, ob die ehemalige Nutzung des Geländes irgendwo sichtbar dokumentiert wird.