Hohenwulsch l „Die Leute haben mich gefragt, ob das hier eine Synagoge oder eine Moschee wird“, blickt Maurice Philip Remy schmunzelnd auf die einstige, große Getreidescheune des ehemaligen Gutes. Remy ist ein Nachfahre derer von Rohr, denen das Gut ab 1836 bis zu ihrer Vertreibung 1945 gehörte. 1993 kaufte er das Gutshaus zurück.

Maurice Philip Remy wohnt in Hohenwulsch nur wenige Meter von der Scheune entfernt. „Die alte Getreidescheune war mal um die 80 Meter lang“, berichtet Remy. „Nach der Bodenreform wohnten da Flüchtlinge.“ Später wurde die Scheune geteilt. Bei dem Teil, der aktuell für Aufsehen sorgt, handelt es sich um den, der giebelseitig an der Beeseweger Straße steht. Remy konnte die Hohenwulscher mittlerweile beruhigen: In ihrem Ort entsteht weder eine Synagoge noch eine Moschee.

Scheune soll Wohnhaus werden

Das Grundstück mit der Scheune hat am 3. März dieses Jahres Ricarda Farsch aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben. Farsch wohnt derzeit in der Pfalz, ihr Vater Christinel Farsch will für seine Tochter die Hohenwulscher Scheune in ein Haus zum Wohnen und Arbeiten verwandeln. Ricarda Farsch hat Jura sowie Sprach- und Kulturwissenschaften studiert. Tochter und Vater sehen den altmärkischen Standort „im Bermuda-Dreieck Berlin, Hannover und Hamburg“ als ideal an.

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Doch am Ersteigerungstag begannen die Probleme. Im Gutachten des Sachverständigen Heiko Wilke (Magdeburg) war das Grundstück als „nicht denkmalgeschützt“ ausgewiesen. „Erst nach dem Erwerb wurde uns gesagt, dass das Gebäude denkmalgeschützt ist“, berichtet Christinel Farsch. Die mündliche Information eines Mitbieters bestätigte auch der Landkreis. Bis zum 11. September lag Ricarda Farsch jedoch keine schriftliche Bestätigung über die Denkmaleigenschaft vor.

Mängel an Hohenwulscher Scheune

Ein im Farsch-Auftrag erstelltes statisches Gutachten verwies auf einige, wenn auch geringe Mängel. „Wir haben dann mit der Mängelbeseitigung begonnen“, erzählt Christinel Farsch. „Wenn der Statiker sagt, an unserem Haus gibt es Mängel, dann müssen wir die beseitigen.“

Nach der Beseitigung der Mängel herrschte dann einen Monat lang eine rege Bautätigkeit an der Scheune. Das Dach wurde neu eingedeckt, neue Rinnen und Fallrohre montiert, Öffnungen im Außenmauerwerk verändert sowie Fenster und Türen eingebaut.

Genehmigung für Bauarbeiten fehlt

Die rege Bautätigkeit erfolgte jedoch ohne Genehmigungen, vor allem ohne die denkmalrechtliche Genehmigung. Das Bauordnungsamt des Landkreises Stendal verhängte daraufhin am 2. September einen Baustopp. „Das Bauordnungsamt hat bei einem Ortstermin festgestellt, dass die Scheune in Hohenwulsch Beeseweger Straße 7 um- und ausgebaut wird, ohne dass notwendige Genehmigungen vorliegen“, so der Landkreis. Im Fall der Nichteinhaltung des Baustopps wurde ein Zwangsgeld angedroht.

„Der Baustopp gilt so lange, bis genehmigungsfähige Bauunterlagen vorliegen und eine Baugenehmigung mit eingeschlossener denkmalrechtlicher Genehmigung erteilt werden kann“, teilt der Landkreis mit. Darüber hinaus wurde am Tag der Ortsbesichtigung festgestellt, dass, ebenfalls rechtswidrig, eine zirka 35 Meter lange Grenzbebauung vorgenommen wurde. Auch hier wurde ein Verfahren eröffnet.

Ricarda Farsch hat Widerspruch eingelegt und das Bauordnungsamt mit Schreiben vom 11. September aufgefordert, den Baustopp aufzuheben und den Bescheid zurückzunehmen. Ricarda und Christinel Farsch sind mittlerweile abgereist. Auf dem Grundstück in der Beeseweger Straße von Hohenwulsch ist wieder Ruhe eingetreten.