Der Bruch mit dem Ex-Vorstandschef

Strafanzeige, fristlose Kündigung und Schadensersatzansprüche gegen den Ex-Vorstandsvorsitzenden Dieter Burmeister - nach der Sonderprüfung durch den Ostdeutschen Sparkassenverband hat der Verwaltungsrat der Kreissparkasse gestern klare Beschlüsse gefasst.

Stendal l Streng abgeschottet begann am Montagnachmittag um 15 Uhr die Sitzung des 18-köpfigen Gremiums. Film- und Fotoaufnahmen waren nicht gestattet. Auch direkte Fragen vor oder nach der Sitzung sollte es an diesem Tag nicht geben.

Dabei war das Medieninteresse nach den Volksstimme-Berichten über die Schäden in Millionenhöhe bei Bauvergaben und der Dienstwagenbeschaffung allein für die Jahre 2010 bis 2012 stark. Mehrere Anfragen gab es gestern im Laufe des Tages bei den Pressestellen von Kreisverwaltung und Kreisparkasse. Die Deutsche Presseagentur (dpa) titelte am Mittag "Ungereimtheiten bei der Sparkasse Stendal".

Es war bereits dunkel, als das Ergebnis der Beratungen feststand. Per Mail ging um 20.15 Uhr die Pressemitteilung heraus.

Eine DIN-A-Seite mit vier Punkten umfasst die Erklärung des Verwaltungsrats-Vorsitzenden Carsten Wulfänger. So stellt das Gremium gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Magdeburg Strafanzeige. Der noch geltende Dienstvertrag wird fristlos gekündigt und es werden keine Bezüge mehr gezahlt. Weiter heißt es: "Eventuell bestehende Schadensersatzansprüche gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden sowie gegen Dritte werden unverzüglich geltend gemacht." Dazu soll ein externes Büro beauftragt werden.

Als Konsequenzen für die zukünftige Arbeit der Kreissparkasse Stendal hat der Verwaltungsrat zudem erste Festlegungen getroffen. Neu ist: "Pro Vorstand wird jeweils ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Die Ordnung über die Nutzung von Dienstwagen ist unverzüglich mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Kreissparkasse abzustimmen. Zukünftig dürfen Dienstfahrzeuge von Vorstandsmitgliedern nicht ohne Zustimmung des Verwaltungsratsvorsitzenden gekauft werden."

Der Fuhrpark soll von derzeit 40 Fahrzeugen innerhalb des nächsten halben Jahres um ein Viertel reduziert werden. "Es ist darauf zu achten, dass bei der Veräußerung der Fahrzeuge marktübliche Preise erzielt werden."

Bei Baumaßnahmen werden zukünftig "gesetzeskonforme Ausschreibungen und Vergaben durchgeführt". Neubauten und Erweiterungsbauten sind nunmehr mit dem Verwaltungsrat der Kreissparkasse abzustimmen.

Ein weiterer Punkt deutet neuen Sprengstoff an: "Alle Dienstleistungs- und Wartungsverträge werden bis zum Jahresende auf Plausibilität und finanzielle Belastung überprüft und gegebenenfalls gekündigt oder angepasst."

Die Aufklärungsarbeit ist damit noch nicht abgeschlossen. Als nächstes soll eine Prüfung der Jahre 2007 bis 2009 durch den Ostdeutschen Sparkassenverband erfolgen.