Hotline

Die Zukunft des Einzelhandels?

Von Rudi-Michael Wienecke

Tangermünde

„Corona ist ein zerstörerisches Virus – auch für den Einzelhandel und das Gewerbe“, muss der im Hansering engagierte Tangermünder Fachhändler für Elektronik und Mobilfunk, Frank Döbbelin, nach Monaten im Lockdown feststellen. Zwar sei ihm aus seinem Umfeld noch keine pandemiebedingte Schließung bekannt, „das Eis wird für alle aber dünner.“ Viele seiner Kollegen hätten bereits einen Kredit aufnehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Der müsse aber auch abbezahlt werden. Mit den negativen Folgen der Krise werde man noch in den kommenden Jahren zu kämpfen haben.

Die Konkurrenz des Internets wird schärfer

Gleichzeitig appelliert der Geschäftsmann aber, diszipliniert zu sein, die Regeln einzuhalten. „Sind wir halbherzig, werden wir zurückgeworfen“, mahnt er. Das Siechtum würde sich verlängern.

Seit etwa zwei Wochen ist es wieder möglich, nach Voranmeldung in den Läden in der Tangermünder Innenstadt einzukaufen. „Die Leute sind dankbar und nutzen diese Möglichkeit, schickt Döbbelin voraus. Aber: Der große Kundenstrom lasse natürlich noch auf sich warten, das Shoppingerlebnis müsse erst wieder geweckt werden. Die Gefahr, auf diese Weise das Virus verbreiten zu können sieht der Tangermünder Fachhändler nicht: „Sowohl Kunden als auch Verkäufer sind geschützt. Abstand halten, Maske tragen, desinfizieren – das klappte bisher auch beim Bäcker“, beruhigt er.

„Dank“ des Virus erlebt das Einkaufen im Internet aktuell einen enormen Boom, es steht aber nicht erst seit Corona in starker Konkurrenz zum klassischen Einzelhandel. Für Döbbelin allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil, er sieht eine Chance: „Wir müssen uns unserer Stärken bewusst werden. Wir sind vor Ort, wir sind vom Fach und wir haben die Kompetenz und das Potenzial“, möchte er seine Kollegen motivieren, diese Vorteile gegenüber dem Internet-Versandhandel zu nutzen.

In 24 Stunden ist alles beschaffbar

Ein Weg sei die Bestellhotline. Bereits im ersten Lockdown, vor einem Jahr, begann Döbbelin diesen Service anzubieten und dieser werde, nicht zuletzt dank 5000 Flyern, die verteilt wurden, auch rege genutzt. Unter der Telefonnummer (siehe unten) können die Kunden alles ordern, was die Geschäftswelt der Kaiserstadt im Angebot hat. „Von der Pizza, über Mode, Reparaturen und Service bis hin zum Fernseher“, umschreibt Döbbelin die Bandbreite. In der Regel sei innerhalb von 24 Stunden alles beschaffbar und werde bei Bedarf auch geliefert.

Die Strippen zwischen den Kunden und seinen Kollegen zieht Döbbelin selbst. Da seit drei Jahren in seinem Geschäft ein Paketshop integriert sei, müsse er auch im Lockdown die Ladentüren offen halten, zwischen 9 und 18 Uhr erreichbar sein. Diesen „Telefondienst“ übernehme er gern. „Es ist schön zu sehen, dass sich was bewegt“ und für den Tangermünder steht fest: „So sieht der Einzelhandel der Zukunft aus.“