Stendal l „Was gibt‘s dieses Jahr Besonderes?“ Diese Frage stellen wir gern, wenn es um das mit vielen gewohnten Terminen gespickte Jahresprogramm gewachsener Vereine im Stendaler Kulturleben geht. Und auf diese Frage hat Johannes Schymalla als Leiter der Domkantorei meist nicht nur eine Antwort. Diesmal ist sogar schon das Jahr an sich etwas Besonderes, denn die Domkantorei feiert 70-jähriges Bestehen.

Festwochenende im April

Dazu gibt es Anfang April ein Festwochenende, an dem die Sängerinnen und Sänger aber nicht unter sich bleiben wollen: Am Freitag, 5. April, findet um 19.30 Uhr ein großes öffentliches Konzert mit sieben Stendaler Chören statt. „Da erlebt man eine wundervolle Vielfalt verschiedenster Repertoires von Kirchenlied und Sologesang über Volkslieder bis hin zum Musical“, sagt Johannes Schymalla und lädt die Stendaler herzlich zum Dabeisein ein. Der Eintritt ist frei. Auch zum Festgottesdienst am Sonntag, 7. April, um 10.45 Uhr im Dom sind Gäste willkommen. Domchor und ehemalige Domchormitglieder, die zum Teil extra deswegen nach Stendal kommen, gestalten den Gottesdienst musikalisch.

Einen weiteren Glanzpunkt stellt der 22. September dar. Dann wird der Stendaler Dom zum Aufführungsort für ein beinahe experimentell wirkendes, dennoch sehr eingängiges und ergreifendes Oratorium: „Lux in tenebris“ heißt es (Licht in der Finsternis) und wurde 2015 in Hildesheim uraufgeführt, eigens für das 1200-Jahr-Jubiläum des Bistums Hildesheim komponiert.

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Sehnsucht nach Frieden

„Es wird auch als Friedensoratorium bezeichnet“, erklärt der Domkantor, „es ist ein Werk über Krieg und Zerstörung und die Sehnsucht nach Frieden. Und mit zahlreichen Metaphern sehr passend für die heutige Zeit, als ein Appell an die Menschen, in Frieden zu leben.“

In dem großen Werk vereinen sich Klang, Wort und Lichtkunst, verweben sich einstimmiger und Chorgesang, Sprechchöre und Orchester. Als Rezitatorin kommt Schauspielerin Julia Jentsch zum Einsatz. „Es ist sehr sphärisch und emotional, teilweise meditativ“, versucht Schymalla eine Umschreibung des Oratoriums, das er selbst noch nicht live gehört und gesehen hat. Das Werk, das sich an den 16 biblischen Szenen der Bernwardtür des Hildesheimer Doms orientiert, rückt das biblische Drama von Kain und Abel in den Mittelpunkt und macht laut Komponist Helge Burggrabe „die Stufen von Entfremdung zu Hass bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen erlebbar und entwickelt mit Kernaussagen des Neuen Testaments die Vision eines anderen Miteinanders“. Der monumentale Hezilo-Leuchter des Hildesheimer Doms spielt dabei eine wichtige Rolle, er gilt als Sinnbild der Stadt Jerusalem als eines Ortes des Lichts.

120 Kirchenmusiker in Stendal

Dieses fulminante Konzert steht nicht nur für sich, sondern setzt den Schlusspunkt hinter die Mitteldeutschen Kirchenmusiktage. „Die finden nur alle fünf Jahre statt, und wir werden über vier Tage etwa 120 Kirchenmusiker von Erfurt und Suhl über Harz und Schönebeck bis zur Altmark zu Gast haben.“ Johannes Schymalla selbst ist schon sehr gespannt auf dieses Zusammentreffen, das im Grunde eine große Weiterbildung für Kirchenmusiker ist, bietet es doch auch ihm die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen.

Gekrönt wird das dommusikalische Jahr im Dezember nicht nur von der traditionellen Weihnachtsmusik im Kerzenschein, die das Publikum zum Mitsingen einlädt, sondern auch wieder vom Bach‘schen Weihnachtsoratorium. Diesmal werden die Kantaten 1 bis 3 aufgeführt, und zwar an ganz ungewohntem Ort: nämlich erstmals in der Neuapostolischen Kirche in Stendal.