Stendal l In der Gartenlaube seiner Ehefrau in Stendal eine Mini-Aufzuchtanlage für Cannabis betrieben zu haben, wurde einem 46-jährigen Stendaler vorgeworfen. Das Amtsgericht Stendal sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in einer Gartenparzelle, die seine Ehefrau gepachtet hat, neun Cannabispflanzen aufgezogen hat.

Taten bis zuletzt bestritten

Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Laube im Mai dieses Jahres noch 24 Setzlinge sowie Utensilien für den Drogenanbau. Das Gericht verurteilte den bislang rechtlich unbescholtenenen 46-Jährigen, der die Taten bis zuletzt bestritt, wegen Drogenbesitz und -anbau zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 15 Euro (750 Euro).

Worum ging es? Offenbar hat sich das Paar, das zwei gemeinsame Kinder hat, auseinandergelebt. Der aus Hessen stammende Noch-Ehemann nutzte nach dem Auszug aus der Wohnung, „wenn sie nicht da war“, die Laube. Seit Ende 2015 seien sie „räumlich getrennt“, hielten sich aber zu unterschiedlichen Zeiten im Garten und in der Laube auf, die sie nach einem Brand gemeinsam wieder aufgebaut hatten.

Streit mit der Noch-Ehefrau

Zumindest sagt sie das. Er behauptet, er hätte den Großteil der Arbeiten allein bezahlt. Man sei sich aus dem Weg gegangen, bestätigte die 39-Jährige als Zeugin. Im September vorigen Jahres habe sie „die Pflanzen erstmals“ gesehen. Sie habe ihren Ex aufgefordert, „das zu entfernen“. Zuvor habe er sich nach „Post aus Holland“ erkundigt. Er hätte sich wohl „was dazu verdienen wollen“ und sich Cannabis-Samen schicken lassen, mutmaßte sie.

Im März hätte es Streit um die Bezahlung der Putzarbeiten an der Laube gegeben. Danach hätte er „eine Axt genommen, den Putz abgehauen und die Laube nie wieder betreten“, gab der Angeklagte an. Am 11. Mai rief seine Noch-Ehefrau die Polizei zum Garten, um Anzeige gegen ihn wegen Sachbeschädigung zu erstatten. Sie bat sodann die Polizisten, sich das Innere der Laube anzusehen. Die fanden darin die Aufzuchtanlage, die laut Verteidiger wie ein „mobiler Kleiderschrank“ aussah, und die Cannabispflanzen.

Aussage gegen Aussage

„Es reichte mir mit dem Typen.“ Darum habe sie den Polizisten spontan auf die Drogen hingewissen, sagte sie auf die Frage, warum sie den Polizisten davon erzählt habe. Daran glaubte der Verteidiger aber nicht. Er hielt das Ganze für eine Racheaktion von ihr. Angeblich habe sie „eine Vielzahl von Strafanzeigen gestellt“, nur, um ihrem Ex zu schaden. Der konsumiere kein Rauschgift und hätte die Drogen auch nicht angebaut. Aussage gegen Aussage also.

Staatsanwältin und Gericht sahen das aber anders. Richter Thomas Schulz sagte in der Urteilsbegründung, dass er keine Zweifel daran habe, dass der Angeklagte „das installiert und betrieben“ hat: „Wer soll es sonst gewesen sein?“