Stendal l Im Drogenrausch am Morgen des 14. Oktober (ein Sonntag) vorigen Jahres einen Rettungswagen und dazu noch einen Notarztwagen demoliert zu haben, wurde einem 22-Jährigen aus dem Norden des Landkreises Stendal jüngst vor dem Amtsgericht vorgeworfen. Der Schaden an beiden Fahrzeugen belief sich auf insgesamt fast 4000 Euro. Der Prozess ging für den bislang nicht vorbestraften Angeklagten gut aus. Gegen Ableistung von 50 Stunden gemeinnützige Arbeit wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Er könne sich an gar nichts erinnern, gab er an. Auch nicht, dass die Polizei Pfefferspray gegen ihn eingesetzt hat. Er sei erst im Rettungswagen auf dem Weg nach Uchtspringe in die Psychiatrie aufgewacht. Am Tatabend hätte er sich „was geholt“. Auf Nachfrage gab er zu, Amphetamin (Aufputschdroge) erworben und konsumiert zu haben. Nicht zum ersten Mal, wie er einräumte.

Das könne aber nicht die Ursache für sein Ausrasten gewesen sein, mutmaßte er, wobei er davon aber selbst rein gar nichts wisse. Er sei am Abend auf einer Disco gewesen. „Da muss mir einer was ins Glas getan haben“, suchte er die Schuld beim großen Unbekannten. Danach sei er „weggetreten“. Die Blutprobe hatte laut Richter Thomas Schulz indes nur Amphetamin nachgewiesen. Die Amphetaminkonzentration sei aber relativ hoch gewesen.

Pfefferspray-Einsatz

Zwei Tage sei er auf richterliche Anweisung in Uchtspringe geblieben, gab der 22-Jährige auf Nachfrage weiter an. Seit der Tat sei er „clean“. Seitdem hätte er keine Drogen mehr angefasst.

Einer der beteiligten Sanitäter sagte als Zeuge aus, dass Notarztwagen und Rettungswagen am Morgen des 14. Oktober zu einem „unklaren Unfallgeschehen“ in einen Ortsteil von Werben gerufen wurden. Mit „nacktem Oberkörper und Schaum vor dem Mund“ habe der Angeklagte von oben aus dem Haus gedroht: „Ich bring euch um“. Daraufhin waren sich die Rettungskräfte einig: „Da gehen wir nicht rein“. Sie riefen die Polizei.

Dann sei der Angeklagte plötzlich vor dem Haus aufgetaucht und barfuß zunächst auf das Notarztauto gestiegen und habe danach – noch immer ohne Schuhe – eine Beule in den Rettungswagen getreten. Sodann sei er auf den Streifenwagen los. Doch die Polizeibeamten hätten den Delinquenten überwältigen können und dazu auch Pfefferspray eingesetzt.

Danach sei der Angeklagte „wie ausgewechselt gewesen“. Im Rettungswagen habe er sich mit ihm auf der Fahrt nach Uchtspringe gut unterhalten können, sagte der Rettungssanitäter weiter als Zeuge aus. Schadensersatzansprüche vom Landkreis in Höhe von etwa 4000 Euro für die Reparatur der Fahrzeuge gebe es schon, sagte der Angeklagte. Er hätte aber kein Geld.