Stendal l Nach vorangegangenen tragischen Ereignissen ist jüngst am Amtsgericht ein Prozess um häusliche Gewalt zwischen zwei Stendaler Eheleuten, die scheinbar eine Art Hass-Liebe verbindet, geplatzt. Soll heißen, nachdem sich die Ehefrau des der Körperverletzung angeklagten 28-Jährigen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus befindet, wurde die Verhandlung ausgesetzt und wird nach ihrer Genesung neu terminiert.E

Der Angeklagte soll mit einem Messer auf seine Frau und Mutter von vier Kindern mit den Worten „jetzt mach ich ernst“ losgegangen sein. Die Frau rettete sich Volksstimme-Informationen zufolge auf den Balkon ihrer Mietwohnung. Als der Ehemann ihr mit dem Messer in der Hand folgte, stürzte sie vom Balkon.

Gesprungen oder gestoßen

Ob sie sprang oder gestoßen wurde, ist bislang nicht klar. Sie wurde mit Wirbelbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr Ehemann wurde festgenommen, das Amtsgericht erließ Haftbefehl. Seitdem befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt in U-Haft, sagte Thomas Kramer, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Dort soll der 28-Jährige bis zum Prozess bleiben.

Schon mehrfach berichtete die Volksstimme über ihn, erstmals im Januar 2016. Schon damals stand er wegen einer angeblichen Messerattacke auf seine Lebensgefährtin, die damals noch nicht seine Ehefrau war, vor dem Amtsgericht. Er war angeklagt, im August 2015 in der Wohnung eines Kumpels über einer Gaststätte in der Stendaler Innenstadt die von ihm schwangere Frau unter anderem mit einem Messer bedroht, sie gewürgt, geschlagen und sowohl sie als auch die Kinder bedroht zu haben: „Ich stech dich ab, ich bring dich und die Kinder um.“

Ärztlich attestiert erlitt die Frau unter anderem ein Schädelhirntrauma. Ein couragierter Mann, der im Lokal unter der Tatortwohnung ihre Schreie gehört hatte, rettete die Frau. Eine andere Zeugin aus dem Lokal berichtete, dass die Frau rote Flecken am Hals hatte und aufgelöst wirkte.

Nicht der erste Prozess

Doch davon wollte diese später nichts mehr wissen. Im Prozess verweigerte sie die Aussage. Erst erschien sie nicht, weil sie einen „wichtigen Termin“ hätte. Da sie inzwischen mit ihm verlobt sei, müsse und werde sie nicht gegen ihn aussagen, ließ sie ausrichten. Der extrem eifersüchtige Angeklagte hatte angegeben, dass er mit einem Kumpel mehrere Flaschen Whisky getrunken hätte und sich deshalb an nichts erinnern könne. Am dritten Verhandlungstag war der Prozess geplatzt, weil sich der Angeklagte abgesetzt hatte.

Zu einer Verurteilung kam es später in der Neuauflage nicht, weil die Beweislage aufgrund der Aussageverweigerung des mutmaßlichen Opfers dafür nicht ausreichte.