DDR-Vergangenheit

Ein letztes Relikt der Grenztruppen

Bald wird das ehemalige Grenztruppengelände in Stendal zu einer Flüchtlingsanlaufstelle umgebaut. Ein Turm zeugt noch von vergangenen Tagen.

Von Bernd-Volker Brahms

Stendal l Es ist dornig. Und man muss aufpassen, dass man nicht mit dem Hosenbein im Stacheldraht hängenbleibt. Ein bisschen wirkt der Turm im Röxer Wald wie im Dornröschenschlaf versunken.

Der Turm diente einst zur Bewachung des nahe gelegenen Munitionslagers, weiß ein ehemaliger Grenztruppen- mitarbeiter. Ob der Turm schon gleich Anfang der 1970er Jahre errichtet wurde, weiß er nicht mehr, er sei erst später dazugestoßen.

Der Turm, der in vergleichbarer Bauweise auch an der Grenze stand, liegt etwas abgelegen vom eigentlichen ehemaligen Grenztruppengelände. Dieser befindet sich nördlich vom Gelände des Technischen Hilfswerkes (THW), das dort 2003 angesiedelt wurde. Alte Zäune sind noch vorhanden, die vom THW-Areal bis zum Wachturm führen.

Das eigentliche Grenztruppengelände mit seinen zwei Hauptgebäuden soll bald zu einer zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle umgebaut werden. Wie die Volksstimme berichtete, steht seit kurzem die Finanzierung für das Projekt. Zwischen Vertretern des Bundes – als Eigentümer des Geländes – und des Landes wurde darüber verhandelt. Insgesamt sind 29,75 Millionen Euro (davon 21,2 Millionen Euro vom Bund) vorgesehen. Es soll ein Kapazität für die Aufnahme von 1000 Menschen geschaffen werden, dies bestätigte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) unlängst noch einmal.

Ob mit dem Umbau auch der Turm und damit ein letztes Relikt der Grenztruppenkaserne abgerissen wird, konnte bisher nicht bestätigt werden. Auch nicht die Frage, ob die ehemalige Nutzung des Geländes irgendwo sichtbar dokumentiert wird.