Uchtspringe l „Ein Sportplatz soll eine neue Rasenfläche bekommen. Errechne den Flächeninhalt.“ Kein Problem – wäre die Fläche rechteckig. Ist sie aber nicht, Sie läuft auf einer Seite spitz zu. Manuela Seeger erinnert ihre Schüler an bereits Erarbeitetes. Den Lösungsweg finden sie allein. Auch den für die Anschlussaufgabe, in der nach dem benötigten Saatgut gefragt wird.

 Eine ganz normale Mathe-Stunde, könnte man meinen. Doch die Schule, in der Manuela Seeger den Unterricht koordiniert und auch Mathematik unterrichtet, ist die Klinikschule des Salus-Fachklinikums Uchtspringe.

Die Schüler: Kinder und junge Leute von sechs bis 18 Jahren, die zurzeit Patienten der Kliniken I und II für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sind. Das heißt, Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankungen – die Palette reicht von Essstörungen über Depression bis zu Drogenabhängigkeit – Wochen oder Monate aus ihrem Alltag herausgerissen sind, auch aus dem schulischen.

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Miteinander auf Augenhöhe

Doch hier im Klinikum geht der Unterricht für sie weiter, angepasst nicht nur an den jeweiligen Lehrplan. Er wird Bestandteil der Therapie der jungen Patienten. Da ist nicht nur die schulfachliche Kompetenz der Pädagogen gefragt – mit Manuela Seeger sind es elf aus dem Landesbildungszentrum Tangerhütte und aus dem Stendaler Hildebrand-Gymnasium.

Es geht auch um Sensibilität und die Fähigkeit, auf die Schüler, sprich jungen Patienten zuzugehen. Manchmal seien es Ängste, die abzubauen sind, dann wieder Vertrauen und auch Selbstvertrauen, das aufgebaut sein will. Aggressionen, mit denen man ebenso umzugehen wissen muss wie mit Herausforderungen, die die schulische Förderung von jungen Patienten mit geistigen Behinderungen oder anderen Wahrnehmungsstörungen mit sich bringt.

Manuela Seeger fasst all das in ein paar Worte: „Wir müssen die Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen.“ Dass ihr und ihren Kollegen das gelingt, sei zum einen dem „echten Miteinander auf Augenhöhe“ mit den Therapeuten und Ärzten der Klinik zu danken und der Tatsache, „dass unsere Arbeit auf besondere Weise wertgeschätzt wird“, sagt sie und schaut um sich.

Ausdruck höchster Wertschätzung

„Das hier ist für mich Ausdruck höchster Wertschätzung.“ Das hier – das ist das Haus 48 des Klinikums, innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre saniert und zum Schulgebäude umgebaut – dank Fahrstuhl barrierefrei zugänglich auf allen drei Etagen. Zwölf Unterrichtsräume, darunter Fachkabinette inklusive der Vorbereitungsräume für Physik, Musik und Kunst sowie ein Computerkabinett und ein Sozialtrainingsraum sind modernst ausgestattet.

Ein Fakt, der Unterrichts- koordinatorin Seeger besonders freut. Denn sie saß schon in der Projektierungsphase für das 2,4 Millionen Euro umfassende Klinikschul-Paket mit am Tisch.

Chemiekabinett und Computerraum

Ihre Hinweise waren nicht nur bei der freundlich-hellen Farbgestaltung in Fluren und Klassenzimmern gefragt. Pädagogisches Know-how war auch Grundlage, als es um die Ausstattung der Schule ging. Im Ergebnis verfügen Manuela Seeger und ihr Lehrerkollegium heute zum Beispiel über ein Chemiekabinett, in dem die Anschlüsse für Gas, Strom und EDV per Knopfdruck aus der Decke zu den Schülerarbeitsplätzen herunterfahren.

Und in dem es eine mobile, interaktive Tafel inklusive Beamer gibt, die an jeder Stelle des Raums einsetzbar ist. Oder auch ein Computerkabinett, das es im Haus 18, dem rund einhundert Jahre alten Schulhaus auf dem Salus-Gelände, in dem bis vor Ostern unterrichtet wurde, nicht gab.

Am 1. Juni 2018 wird „Haus 48“, die neue Klinikschule des Salus-Klinikums, offiziell an seine Nutzer übergeben. Ein Tag der offenen Tür lädt ab 14 Uhr ein, das mitzuerleben.