Stendal/Tangermünde l Wer als Radfahrer bei Tangermünde die Elbbrücke überqueren möchte, hatte es seit Mitte Juni nicht leicht: Der Radweg wird genau wie die Straße saniert, ist also nicht nutzbar, und die Fahrbahn ist für Radler gesperrt. Empfohlen wird die Nutzung der Fähren Arneburg (10 Kilometer weit weg) und Grieben (15 Kilometer). Die Worte, die der ADFC-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, Mario Peine, für diesen Zustand findet, sind harsch. „Unglaubliches Versagen jeglicher Koordinierung“ nennt er das und in der Betreffzeile seiner Mail mit der Pressemitteilung formuliert er: „Chaos und Ignoranz beim Radverkehr“. Hier prescht der Ärger mit voller Wucht hervor.

Vorschläge blieben unbeachtet

Peine, der zudem für die Fraktion Linke/Grüne als sachkundiger Einwohner im Stendaler Kreistag sitzt, ist enttäuscht, dass alle vorherigen Gespräche mit Landkreis und Landesstraßenbaubehörde samt aller kompromissversprechenden Ansätze letztlich unbeachtet blieben. Der ADFC hätte sich laut Peine „einen intelligent angepassten Bauablauf“ gewünscht, habe vorgeschlagen, die Sanierung des Radwegs zeitlich von der Straßensanierung zu trennen.

Die Fährenlösung ist für ihn nur ein Anzeichen für das „generell halbherzige Herangehen an den Radverkehr. Denn Radverkehr ist nicht nur Elberadweg und Tourismus, sondern auch Alltags- und Berufsverkehr.“ Und ebendiese Menschen seien „komplett ignoriert worden“.

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Umweg über Fähren zumutbar

Für den Landkreis ist die Kritik nicht nachvollziehbar. Wie Pressesprecherin Sabrina Lamcha auf Volksstimme-Anfrage mitteilt, sehe man die Umleitung über die Fähren nicht als beschwerlich, sondern als Nebenstrecke sei dies „ein Zugewinn und durchaus zumutbar“.

Die Nutzung der Bundesstraßen-Fahrbahn auch für Radfahrer, die der ADFC nach eigener Aussage „als letzten Kompromiss“ vorgeschlagen habe, ist aus Sicht des Landkreises nicht praktikabel, sei gefährlich und könne durch so hervorgerufenen Stress zu Fehlverhalten führen. Darum halte die Kreisverwaltung an der Sperrung für Radfahrer fest.

Aktuelle Änderung der Lage

Gingen alle Beteiligten bislang von der Radweg-Sperrung über die gesamte Dauer der Bauarbeiten bis 17. August aus, hat sich diese Situation nun bereits geändert. Wie die Volksstimme am Freitagnachmittag von Manfred Krüger, dem Leiter der Landesstraßenbaubehörde Nord, erfuhr, werde der Radweg nicht auf der kompletten Brückenlänge samt Rampen erneuert, sondern nur im östlichen Bereich auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern.

Auf einem Stück sei man bereits fertig, so dass die Brücke für den Radverkehr ab sofort wieder befahrbar sei. „Dafür nutzen Radfahrer den Wirtschaftsweg von der alten Fischbecker Kreuzung, biegen dann rechts in der Feldmark ab und kommen auf die Treppe zu, die auf die Brücke führt“, erklärte Krüger am Freiag am Telefon, was er offiziell am Montag in einer Pressemitteilung verkünden will. Eine entsprechende Beschilderung werde dann auch noch aufgestellt. Aus Richtung Stendal/Tangermünde gelte diese Regelung selbstverständlich auch, da auf dem westlichen Radweg nicht gearbeitet werde.

Es geht ums Prinzip

Da dieser Umstand Mario Peine und seiner ihn in der Kritik stützenden Fraktionskollegin im Kreistag Susanne Bohlander bislang noch nicht bekannt sein konnte, bleibt erst einmal deren Wut und Unverständnis im Raume stehen. Beide hatten bekräftigt, die Brückensperrung „in den nächsten Ausschuss-Sitzungen“ zum Thema zu machen. Und das werden sie wohl auch trotz des neuen Sachstandes, denn es geht ihnen ums Prinzip: die Einbeziehung der Radfahrerinteressen in Bauplanungen. Und letztlich auch um eine dauerhafte Lösung, um „den umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Radverkehr nicht zu benachteiligen und auszuschließen“.

Gespräche mit dem ADFC habe es vorab laut Manfred Krüger auch gegeben, aber die Nutzung der Fahrbahn sei aus Sicherheitsgründen nicht in Frage gekommen. Und der touristische Verkehr sei auf der Elberadweg-Internetseite informiert worden.

Zahl der Pendler nicht klar

Das von Peine und Boh­lander gleichermaßen vorgebrachte Argument, dass mit der Sperrung Rad-Pendler benachteiligt würden, entkräftet Manfred Krüger zumindest mit dem Hinweis auf eine Vereinbarung mit dem ÖPNV: „Fahrräder werden für die Zeit der Sperrung kostenlos in den Bussen mitgenommen.“

Wie viele Radfahrer überhaupt die Brücke nutzen, ist nicht bekannt. Die automatische Zählstelle auf westlicher Seite erfasst nur den motorisierten Verkehr: Demnach rollen 12.000 Fahrzeuge täglich über die Elbbrücke. Aber, so Krüger: „Wir gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent des Radverkehrs hier touristischer Art sind.“

Von Mario Peine wollte die Volksstimme noch wissen, ob es bereits Beschwerden von Radfahrern gab. Das verneinte er und erklärte dazu: „Radfahrer sind ein leidgeprüftes Völkchen, das schweigt und den Frust wegstrampelt.“