Stendal l Mit Beginn des neuen Schuljahres ist wieder Leben in die Arche eingezogen. Für einige Mädchen und Jungen ist der Treff in der ehemaligen Ladenzeile im Stendaler Wohngebiet Stadtsee vertraut. Andere sind neu, was Mario Tiesies freut.

Täglich zwei Mahlzeiten

Der 52-Jährige leitet den Arche-Verein in Stendal und widmet sich seit zehn Jahren ehrenamtlich der christlichen Kinder- und Jugendarbeit. Von Beginn an wird er von seiner Ehefrau Petra unterstützt, die seit Januar 2018 im Verein fest angestellt ist. Ihr zur Seite steht Iris Baumhäkel, die zum 1. April über eine Förderung eine Beschäftigung aufgenommen hat und mit Leidenschaft für das leibliche Wohl der jungen Gäste sorgt. „Am liebsten essen die Kinder Nudeln mit Tomatensoße“, sagt die 50-Jährige. Rang zwei der täglichen Mahlzeiten wie Mittagessen und Vesper seien Aufläufe.

Während in der Küche das Leibgericht zubereitet wird, beschäftigt sich Viola Palenga mit den Mädchen und Jungen, im Ehrenamt. Die 40-Jährige war zuvor im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes in der Arche tätig und habe die Arbeit mit den Kindern schätzen gelernt. In erster Linie würden die Sechs- bis Zwölfjährigen Geborgenheit, Zuspruch und Beschäftigung suchen. „Und das bekommen sie auch gern“, sagt Mario Tiesies.

Bilder

Smatphone ist tabu

Zwischen 20 bis 30 Kinder sind es, die in der Arche montags bis freitags von 12 bis 17 Uhr betreut werden. Wer möchte, erledige Hausaufgaben. In erster Linie gehe es um eine sinnvolle Freizeitbetätigung, „abseits vom Daddeln auf dem Handy“, so der Vereinschef. Das Smartphone müssen die Kinder während des Aufenthalts abgeben. „Wir verdammen die Dinger nicht, doch können die Kleinen oft virtuelle und reale Welt nicht auseinander halten.“ Anders sehe es bei den Jugendlichen aus.

Jugendliche bis Lehreinstieg betreuen

Den 13- bis 18-Jährigen möchte Mario Tiesies gern auch eine Betreuung in der Arche anbieten. Er sehe vor allem den Bedarf dahingehend, um Jugendliche bis zum Antritt der Lehrausbildung zur Seite zu stehen. „Viele lassen sich gerade in der Pubertät hängen, haben die typische Null-Bock-Stimmung.“ Es sei oftmals dann schwierig, den Schulabschluss zu meistern und eine Ausbildung zu bekommen. Mario Tiesies könne sich gut vorstellen, mit Partnern aus dem Handwerk und der Industrie „den Jugendliche auf die Sprünge zu helfen“, wie er salopp sagt.

Der erste Schritt für die Erweiterung des Betreuungsangebots ist 2017 der Kauf von 14 Containern gewesen. In Baukastenweise wurden sie zu einem Haus zusammengesteckt und stehen auf dem Außengelände der Arche zwischen Adolph-Menzel- und Käthe-Kollwitz-Straße. Für ein dichtes Dach haben 40 Mitglieder des Bismarker Fanclubs „Sachsen-Anhalt-Borussen“ gesorgt, beim Innenausbau haben zahlreiche freiwillige Helfer mit angepackt.

Tag der offenen Tür

Noch ist die Einrichtung nicht fertig und somit wird sich die Eröffnung weiter verzögern. Ursprünglich war sie im Juni geplant. Petra und Mario Tiesies selbst mussten aus privaten und aus gesundheitlichen Gründen „mal zurückstecken“, wie sie sagen. Doch vom ehrgeizigen Plan will das Arche-Team nicht abrücken und es zum Tag der offenen Tür am 19. Oktober allen Interessenten vorstellen.

Kinder sollen in Containerhaus umziehen

In das Containerhaus sollen später die Kinder einziehen, während die Jugendlichen die ursprünglichen Räume in der Gebäudezeile in der Adolph-Menzel-Straße nutzen sollen. „Es bietet sich an, dass die Kinder umringt vom Außengelände, das eine Auffrischung dringend braucht, idealer aufgehoben sind“, sagt Tiesies. Nach den bürokratischen Hürdenläufen der letzten Wochen wolle er sich nicht festlegen, wann der Umzug erfolgt. „Es ist letztendlich eine Frage des Geldes.“

30.000 Euro noch offen

Die Arche in Stendal hat keinen Träger, der Verein finanziert sich durch Spenden und bekommt von Partnern Unterstützung bei der Essensversorgung. Von dem 45.000 Euro teuren Container-Projekt sind noch 30.000 Euro offen. Den Wunsch, auf das Dach eine Photovoltaikanlage zu installieren, um selbst günstig Strom zu gewinnen, „haben wir erst einmal zurückgesteckt“. Noch einen Kredit wolle der Verein nicht aufnehmen.

Dafür will die Arche Stendal, wie der Verein auf seiner Internetseite informiert,  die Spendenaktionen forcieren wie „1.000 mal 5“, bei der monatlich mit mindestens fünf Euro langfristig geholfen werden kann. „300 Spender haben wir schon“, sagt Tiesies. Eine weitere Möglichkeit: Jeder der insgesamt 225 Quadratmeter des Containerhauses kann für 200 Euro erworben werden.