Grieben l Von einem möglichen privaten Betreiber, der die Elbfähre Ferchland-Grieben weiterführen will, spricht Bundestagsmitglied Manfred Behrens (CDU) derzeit. Doch so ganz konkret scheint das noch nicht zu sein. „In Gesprächen vor Ort hat sich kürzlich eine mögliche Option im Hinblick auf einen privaten Betreiber eröffnet […] Da sich dieser Prozess jedoch noch in den Kinderschuhen befindet [...] möchte ich keine vorzeitigen Hoffnungen wecken. Gleichwohl sehe ich in der beschriebenen Entwicklung eine mögliche Chance für die Fährverbindung“, teilt er auf Volksstimme-Nachfrage mit. Die Idee ist nicht neu, schon zwischen 2000 und 2010 war die Fähre in privater Hand.

Parteien und Organisationen aller Couleur springen derzeit auf das Thema Elbfähre Ferchland-Grieben auf, dabei ist das Problem der Finanzierung seit Jahren ungeklärt. Immer wieder hatte die für das Fährrecht zuständige Gemeinde Elbe-Parey darauf aufmerksam gemacht, dass die Fähre ein Zuschussgeschäft ist.

Es gab Gespräche, aber keine Lösung und bisher eben auch keine finanzielle Unterstützung aus Tangerhütte oder von den Landkreisen. Zuletzt hatte im Februar dieses Jahres auf Antrag der inzwischen aufgelösten AfD-Fraktion der Tangerhütter Stadtrat beschlossen, einen Betriebskostenzuschuss von 7000 Euro jährlich für die nächsten drei Jahre zu zahlen. Geflossen ist das Geld bis heute nicht – weil „die haushaltsrechtliche Grundlage sowie zahlungsbegründende Unterlage“ (also weitere Stadtratsbeschlüsse) fehle, wie Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) mitteilen ließ.

Die Stilllegung der Fährverbindung Ferchland-Grieben hatte der Gemeinderat in Parey im Mai beschlossen – vor allem aus Kostengründen. Dabei sind die seit Jahren defizitären Betriebskosten das eine Problem – die in diesem Sommer notwendige und lange angekündigte große Landrevision (Fähren-TÜV) das andere. Die Landrevision sollte nach Informationen der Verwaltung in Parey rund 1,2 Millionen Euro kosten. Dass der Fähren-TÜV tatsächlich so teuer werden müsse, stellte nicht nur Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte infrage.

Auch die Werft, die den Kostenvoranschlag für alles, was auf dem Fährschiff zu reparieren oder zu erneuern wäre, erstellt hatte, ruderte zurück. Um die Fähre weiter fahrtüchtig zu halten, wäre nicht alles, was in dem Kostenangebot aufgeführt wurde, auch erforderlich, erklärte Corinna Barthel von der Schiffswerft Derben der Volksstimme gegenüber. Man hätte das Fährschiff auch zu weit geringeren Kosten flottmachen können. Doch der Stilllegungsbeschluss steht.

Schon 2011 bangte die Region um ihre Fähre

Schon 2011 stand die Fähre mehrere Monate lang – weil der damalige private Betreiber in Insolvenz gegangen war. Im April 1998 war die Fährverbindung Ferchland-Grieben nach rund 40 Jahren ohne Verbindung wieder eingeweiht worden. Betrieben wurde sie zunächst von der „QSG“ (Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft) Genthin, die bald aus dem Vertrag ausstieg.

Zum 1. Oktober 2000 wurde die Fähre privatisiert, die „Wagus GbR“ aus zunächst zwei Eigentümern kaufte die Fähre von der Gemeinde. Ende 2010 ging das private Fährunternehmen in Insolvenz, monatelang war nicht klar, wie es weitergehen sollte. Damals übernahm die Gemeinde Elbe-Parey den weiteren Betrieb. Inzwischen ist auch diese Lösung offenbar finanziell an ihren Grenzen angekommen.

Seit die Stilllegung beschlossen ist, rührt sich Widerstand von Bürgern auf beiden Seiten der Elbe. Doch auch Parteien und Verbände sind inzwischen mit im Boot, wenn es um den Fährenerhalt geht: Nach einer Resolution des Stendaler Kreistages zur Neuordnung des Straßengesetzes brachte sowohl die Partei „Die Linke“ in der Vorwoche einen Antrag auf Gesetzesänderung in den Landtag ein, die eine klare Zuordnung der Fähren zu den Baulastträger erreichen sollte, aber auch die AfD forderte in einem Antrag an den Landtag, die rechtlichen Bedingungen zu schaffen, um die Unterhaltung der Fähren den Baulastträgern der Straßen (im Fall Ferchland-Grieben also den Landkreisen) zuzuordnen. Beide Anträge sollen nun zunächst in den Ausschüssen beraten werden.

Landtagsmitglied Wulf Gallert (Die Linke) erklärt zur Fähre Ferchland-Grieben: „Auch diese Fähre ist im Landesentwicklungsplan als landesbedeutsam eingestuft und das zuständige Verkehrsministerium schaut schulterzuckend zu, die betroffenen Gemeinden stehen beim Land vor verschlossener Tür.“ Ulrich Siegmund, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD, wertet den Ausgang im Landtag als Spielen auf Zeit und kritisiert, dass die Finanzierung als Problem angesehen wird. „Erst vor wenigen Monaten haben die Koalition und auch die Linken die Diäten- und Rentenansprüche für die Fraktionsvorsitzenden verdoppelt. Allein mit diesen Mehrkosten ließe sich nach zwei bis drei Jahren eine neue, umweltfreundliche und niedrigwasserverträgliche Fähre anschaffen“, erklärt er.

Sonntag wieder Proteste an den Fähranlegern

Bundestagsmitglied Eckhard Gnodtke (CDU) meldete sich in der Vorwoche nach einer Beratung mit den anliegenden Bürgermeistern und Landräten zu Wort. Er habe sich um die Erweiterung der Fördermittel für die notwendige Landrevision (Fähren-TÜV) bemüht, sagt er und spricht von einem geplanten Gutachten, in dem es um die Anschaffung einer Gierseilfähre gehen soll.

Zwei Kreistagsmitglieder der „Grünen“ beider Elbseiten haben außerdem zu internen Gesprächen mit Lokalpolitikern beider Elbseiten eingeladen und auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) unterstützt die Forderungen zum Erhalt der Fährverbindung Ferchland-Grieben sowie den Übergang auch der finanziellen Verantwortung für diese an die Straßenbaulastträger.

„Mit der Stilllegung der Fährverbindung würde eine wichtige Verbindung am Elberadweg, der jahrelang der beliebteste Fernradweg Deutschlands war, gekappt. Mit diesem Verlust an Vitalität würde eines unserer Aushängeschilder sicher weiter in der Gunst der Touristen sinken. Statt Abbau von Verbindungen braucht der Tourismus Erhalt und sanften Aufbau besserer Bedingungen“, erklärt der ADFC-Landesverband Sachsen-Anhalt in einer Pressemitteilung.

Am kommenden Sonntag ab 11 Uhr sind wieder Proteste an den Fähranlegern geplant. In Ferchland soll es eine größere Demo mit Lautsprechern und Mdr-Fernsehen geben. Nach Anwohnerinformationen treffen sich aber auch auf der Griebener Seite wieder Menschen, die die Fähre erhalten wollen.