Stendal l Marika Mund fühlt sich ungerecht beurteilt. Die Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses Färberhof sieht sich, seit sie die Auseinandersetzung mit Stadt und Landkreis Stendal um die Entgeltvereinbarung öffentlich gemacht hat, an den Pranger gestellt. Natürlich sei der Ton schärfer geworden, aber sie sei keine Person, die auf Krawall aus ist. „Ich bin eigentlich die entspannteste Person, die man kennt, aber irgendwann ist mal gut“, sagte sie am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung. Sie hatte die Stadträte und Mitglieder des Kreistages eingeladen, sich ihren Standpunkt doch einmal aus erster Hand anzuhören.

Die Resonanz hielt sich allerdings sehr in Grenzen. Mit Helga Zimmermann, Gesine Seidel, Sven Meinecke (alle Die Linke), Rita Antusch (SPD), Carola Radtke (Ortsteile) und Olaf Lincke (Piraten) waren gerade einmal sechs der 40 Stadträte erschienen, waren zwei Fraktionen vertreten, CDU/Landgemeinden und die AfD fehlten komplett. Mund war dennoch nicht enttäuscht: „Ich freue mich, dass Stadträte gekommen sind.“

Veraltete Kosten als Rechengrundlage

Enttäuscht ist sie vielmehr darüber, dass ihrer Institution, also letztlich ihr, von der Stadt vorgeworfen wird, schlecht zu wirtschaften. Dies wies sie weit von sich. Im Gegenteil, wer drei Jahre lang zu wenig Geld bekommen habe, der könne sehr gut wirtschaften.

Das Problem aus ihrer Sicht: Seit 2015 wartet sie auf eine neue Entgeltfinanzierung. Pro Platz gibt es einen Zuschuss von Land und Landkreis, der Rest muss durch die Elternbeiträge und den Ausgleich der Hansestadt aufgebracht werden. Und genau dort ist für sie der Haken, es würden immer noch die Kosten eines Platzes aus dem Jahr 2015 veranschlagt, drei Jahre später seien die aber teurer geworden. Beispiel: Während ein Krippenplatz vor drei Jahren mit 1040 Euro zu Buche schlug, seien es aktuell 1286 Euro.

Rita Antusch wies darauf hin, dass nicht die Stadt, sondern der Landkreis Vertragspartner des Färberhofes sei. Dem sei so, bestätigte Mund, allerdings habe der Oberbürgermeister nicht alle Möglichkeiten genutzt, die möglich gewesen wären, um eine Einigung zu erzielen. Die Geschäftsführerin brachte das Thema auch auf eine emotionale Ebene, sagte, dass es weder um den Färberhof noch um sie gehe, sondern um 82 Kinder, um 82 Familien.

Doch natürlich geht es auch um den Färberhof. Das dauerhafte Defizit werde zur Insolvenz der Einrichtung führen, kündigte Mund an. Auf die besorgte Nachfrage einer Mutter, wann das denn soweit sein könnte, sprach sie von nur noch wenigen Monaten.

Gespräch auf Augenhöhe

Die Stadträte waren zu der Versammlung gekommen, um, wie Sven Meinecke es formulierte, „einmal Ihre Seite zu hören“. Natürlich würden sie auch Fragen an „die andere Seite“ stellen.

„Die andere Seite“, das klang dann zum Ende des Abends hin gar nicht mehr so unversöhnlich wie am Anfang. Die Färberhof-Chefin hatte durchaus auch positive Signale mitgebracht: „Wir haben heute wieder ein Gespräch mit der Stadt gehabt und dort herrschte eine richtig gute Atmosphäre.“ Zum ersten Mal sei man sich auf Augenhöhe begegnet und habe tatsächlich verhandelt. „Vielleicht gibt es doch ein Happy End“, hofft sie.