Tangermünde l „Vater und Tochter werden gemeinsam entlassen und auch gemeinsam untergebracht. Das ist ganz wichtig“, sagt Anka Bertkau, Leiterin des Ordnungsamtes des Stadt Tangermünde, stellvertretende Bürgermeisterin und derzeit auch Regieführende, da Bürgermeister Jürgen Pyrdok (parteilos) im Urlaub ist.

Nach dem Hausbrand am Freitag vergangener Woche waren der 82-jährige Bewohner und dessen 58-jährige Tochter in das Krankenhaus gebracht worden. Die 81-jährige Ehefrau und Mutter hatte den Brand nicht überlebt. Da das Objekt aufgrund des starken Brandes nicht mehr bewohnbar ist, „ist die Stadt dazu verpflichtet, von Obdachlosigkeit bedrohten Personen ein Heim zur Verfügung zu stellen“, erklärt Anke Bertkau in einem Gespräch die rechtliche Lage. Sie schiebt jedoch sofort nach: „In unserer Obdachlosenunterkunft können wir die beiden allerdings nicht unterbringen.“

Zahlreiche Menschen helfen Brandopfer

In den vergangenen Tagen hätten deshalb zahlreiche Menschen immer in Abstimmung miteinander alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine positive Lösung für die beiden Hinterbliebenen zu finden. „Mit dem großen und engagierten Einsatz von Pfarrer Ulrich Paulsen und dem Krankenhaus ist es uns gelungen, etwas zu finden, wo beide gemeinsam für eine gewisse Zeit wohnen und auch zur Ruhe kommen können“, freut sich die Amtsleiterin.

Seelsorger Pfarrer Paulsen habe zudem zu bedenken gegeben, dass es wichtig sei, die in Tangermünde verwurzelten auch in ihrer vertrauten Umgebung zu belassen. „Wir haben somit erst einmal einen Anfang geschaffen, damit die seelische Komponente wieder heilen kann“, beschreibt Anka Bertkau den Anfang eines Weges, der in den nächsten Wochen und Monaten noch vor allen liegen wird.

Denn Fakt ist auch, dass die jetzt gefundene Lösung keine auf Dauer sein wird. Allerdings gibt sie allen die Möglichkeit, aus der Situation das Beste zu machen, für Vater und Tochter wohlüberlegte und passende Wege zu finden.

Brandopfer stehen vor dem Nichts

Aufgrund des starken Feuers stehen die beiden heute vor dem Nichts. Sämtliches Hab und Gut ist verbrannt. Gar nichts konnte gerettet werden. Renate Adloff, die seit Mitte der 1990er Jahre eng mit der 81-Jährigen gesellschaftlich engagiert war, hat trotz der großen Trauer bereits eine erste Hilfsaktion gestartet. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen der DRK-Kleiderkammer in Tangermünde habe sie zwei Koffer mit Kleidung zusammengestellt – einen für den 82-Jährigen sowie einen weiteren für dessen Tochter. In der Begegnungsstätte der Volkssolidarität sind die Koffer zwischengelagert und werden von dort aus die beiden erreichen. „Ich danke allen für die große Unterstützung“, sagte Renate Adloff.

Doch nicht nur sie als die Vorsitzende der Volkssolidarität ist im Hilfsmodus. „Es ist eine große Bereitschaft in der Bevölkerung vorhanden, den beiden helfen zu wollen“, schildert die stellvertretende Bürgermeisterin die derzeitige Situation in der Stadt und Region. Das Schicksal der beiden habe viele berührt und dazu angeregt, helfen zu wollen. Die Stadtverwaltung, so die Amtsleiterin weiter, sei auch intensiv damit beschäftigt, für Vater und Tochter weiterhin vieles zu regeln. Doch das nehme viel Zeit in Anspruch und gehe auch nicht ganz so schnell, wie es sich Anka Bertkau persönlich manches Mal wünschen würde.

„Wir stehen in den Startlöchern“, sagte sie. Vieles sei bereits vorbereitet. Und wenn es so weit sei, dass die Hilfe der Menschen auch angenommen werden könne, dann würde sie das sofort mitteilen.