Stendal l Janin Fraaß kann sich noch gut an die Tage Mitte Dezember erinnern, als es drei kostenlose FFP2-Masken für die gab, die 60 Jahre und älter oder chronisch krank sind. „Da war der Ansturm wirklich groß. Es war eine sportliche Herausforderung“, sagt die Leiterin der Winckelmann-Apotheke an der Stendaler Wendstraße. Die 3000 Masken, die für den ersten Schwung vorrätig und für zwei Tage vorgesehen waren, hatten nicht einmal am ersten Tag bis zum Mittag gereicht.

Abrechnung mit dem Bund

„Wir hatten aber bei einem anderen Hersteller weitere bestellt, darum konnten wir am Nachmittag schon wieder Masken ausgeben.“ Dafür war ein separater Bereich eingerichtet worden, „denn der normale Apothekenbetrieb musste ja weiterlaufen“, so Janin Fraaß. Dass die Nachfrage so groß war, schreibt sie dem „Umsonst-Effekt“ zu. Denn die FFP2-Masken im freien Verkauf wurden und werden sonst wenig nachgefragt. „Das liegt aber auch daran, dass lange Zeit suggeriert wurde, dass die normalen Alltagsmasken schützen“, meint sie.

Sie und ihr Team hatten wie alle anderen Apotheken erst kurz vor dem 15. Dezember sehr sparsame Informationen zur Ausgabe bekommen. Schnell mussten Antworten auf Fragen gefunden werden wie: Wo bekommen wir die Masken her? Vor allem solche, die zertifiziert sind? Was kommt auf uns zu, wie wird es angenommen? Wie viele Leute kommen, um sie abzuholen? Eine wichtige Frage, denn beim Kauf geht die Apotheke in Vorleistung. Die ausgegebenen Masken werden später über das Bundesamt für Soziale Sicherung abgerechnet. Der Bund zahlt für die Masken-Maßnahme rund 2,5 Milliarden Euro. Anspruchsberechtigt sind rund 27 Millionen Menschen.

FFP2-Masken: Zweite Phase

Nun läuft die zweite Phase der Verteilung von FFP2-Masken. Dafür bekommen die Betroffenen Post von ihrer Krankenkasse mit zwei Coupons, fälschungssicher aus der Bundesdruckerei. Bis Ende Fe­bruar gibt es für den ersten Coupon sechs der Spezialmasken, vom 16. Februar bis 15. April kann der zweite für noch einmal sechs Masken eingelöst werden kann. Allerdings läuft das Verschicken der Coupons recht schleppend. Es wurden zwar schon einige eingelöst, ein Ansturm blieb allerdings aus.

„Wir sind auf jeden Fall vorbereitet“, sagt die Leiterin der Winckelmann-Apotheke. Rund 50.000 Masken liegen bereit. Auch, weil innerhalb der Winckelmann-Gruppe gleich die vom ambulanten Pflegedienst betreuten Patienten ihre Masken geliefert bekommen. Pro Coupon müssen als Eigenbetrag zwei Euro bezahlt werden. Den übernehmen die Winckelmann-Apotheken in Stendal, Osterburg und Seehausen in kompletter Höhe. „Weil wir es schöner finden würden, wenn es für die Hochbetagten und die Risikogruppen komplett kostenlos wäre“, sagt Benny Friedrichs, Kunden-, Prozess- und Qualitätsmanager der Winckelmann-Gruppe. „Die Älteren sind die, die uns das Leben ermöglicht haben, das wir heute führen“, so Friedrichs. Das sollte auch mit Aktionen wie weiteren kostenlosen Masken honoriert werden. „Wir sollten uns immer sagen: Die Alten sind das höchste Gut.“

Janin Fraaß führt für die Übernahme der Zuzahlung noch zwei andere Argumente an: „Weil uns die Gesundheitsförderung generell wichtig erscheint und weil mancher durch Corona, Stichwort Kurzarbeit oder kompletten Wegfall der Arbeit, finanziell ohnehin schon belastet ist.“

Tipp für Masken-Wechsel

Mit beiden Coupons gibt es also zusammen zwölf FFP2-Masken. Wie lange darf man die denn tragen? Die Empfehlung aus dem Arbeitsschutz sagt, dass eine Maske einen Acht-Stunden-Arbeitstag lang getragen und dann entsorgt werden sollte. „Wenn man sie am Tag aber nur eine halbe Stunde zum Einkauf trägt und dann daheim wieder ordentlich austrocknen lässt, reicht sie eine Woche“, erklärt die Apotheken-Leiterin. So war auch gerechnet worden, als zwischen dem 15. Dezember und dem 6. Januar drei kostenlose Masken ausgegeben wurden – für drei Wochen also.