Stendal l „Mein Glück war die Grenzöffnung und die Wiedervereinigung Deutschlands“, sagt Helmut Graf zum Beginn des Rückblicks auf 25 Jahre Firmengeschichte von Grado Fenster & Türen. Vielleicht kommt es gar nicht von ungefähr, dass sein Geburtsdatum zwei wichtige Ereignisse in der deutschen Geschichte mitein­ander verknüpft: 3. Oktober 1961, Jahr des Mauerbaus und Tag der Wiedervereinigung. Die offenen Grenzen ermöglichten es ihm, seine Verwandtschaft in Ostwestfalen zu besuchen und dort die Familie Dombrink kennenzulernen. Am 1. Februar 1990 fing der gelernte Zimmermann, der bis zur Wende neben seiner Arbeit auch Hochbau studiert hatte, in der Fensterbaufirma Dombrink Fenster & Türen GmbH in Rheda Wiedenbrück an. „Ich war unter anderem als Bauleiter und im Außendienst tätig“, erzählt er.

Ab 1998 im freien Fall

Am 15. Dezember 1992 gründete Helmut Graf dann seine Firma. „Zu der Zeit herrschte auf dem Fenstersektor ein regelrechter Boom“, erklärt Helmut Graf. 1989 bestand in Westdeutschland eine Produktionskapazität von 15 Millionen Fenstereinheiten, der Bedarf lag bei elf Millionen. Sechs Jahre später hatte sich der Bedarf mit 27 Millionen mehr als verdoppelt. Allerdings kehrte sich diese Entwicklung auch wieder um. „Ab 98 waren wir im freien Fall“, nennt es Graf. Viele Fensterbaufirmen mussten zum damaligen Zeitpunkt Insolvenz anmelden. Auch aus dem Partnerschaftsverbund, dem die Firma Grado angehörte, 20 der 21 Firmen. Einzig die Firma Grado überstand diese Zeit.

2012 vergrößerte sich das Unternehmen auf das Nachbargrundstück. Von anfangs vier Mitarbeitern wuchs es auf mittlerweile 60 Festangestellte, die zu Hochzeiten auf bis zu 100 Mitarbeiter aufgestockt werden. 40 000 Fenstereinheiten werden jährlich produziert, daraus werden rund 27 000 Fenster. „Nur fünf Prozent unseres Umsatzes machen wir in Sachsen-Anhalt. Nicht weil wir die Aufträge hier nicht bekommen, sondern weil es hier nicht mehr Aufträge gibt“, sagt Helmut Graf. Das Unternehmen ist deutschlandweit tätig, hat Fenster unter anderem schon in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Augsburg und Freiburg montiert. Die Kunden sind die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Immobiliengesellschaften, kommunale Wohnungsbaugesellschaften und –genossenschaften sowie die großen privaten Wohnungsbaugesellschaften.

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Mangelnde Zahlungsmoral

Wenn er in die Zukunft blickt, ist Graf nicht bange. Einen Auftrag zu bekommen, sei nie das Problem gewesen. Vielmehr beklagt er die mangelnde Zahlungsmoral. „Man hat den Eindruck, einige Private zahlen ihre Rechnung unter 350 Euro gar nicht.“ Und gute Mitarbeiter zu bekommen, sei nach wie vor sehr schwierig. „Ich glaube, heute ist es in der Altmark leichter, nach oben zu kommen“, meint er. Durch den erhöhten Arbeitskräftemangel seien Fachkräfte sehr rar, so dass Menschen, die sich anstrengen, gewillt sind und nicht nur das tun, was man ihnen sagt, sondern etwas mehr, schnell positiv hervorstechen. Helmut Graf weiß, wovon er spricht. Geboren ist er in Tangermünde, in Buch und Grieben zur Schule gegangen. Die Mutter arbeitete in der LPG-Küche, der Vater in der Landwirtschaft. Er war schon immer sehr ehrgeizig. Nach seiner Ausbildung als Zimmermann begann er in Stendal zu arbeiten. Jedoch bot sich ihm die Gelegenheit, zur Arbeit nach Berlin zu gehen und mehr Geld zu verdienen.

Die Überzeugung, dass man mit Fleiß und Zielstrebigkeit vorankommt, hat er an seinen Sohn Alexander weitergegeben. Dieser hat zunächst Soziologie und Volkswirtschaft studiert. Seit April 2006 ist er Gesellschafter und seit Oktober 2015 verstärkt er die Geschäftsleitung, hat Prokura und ist der Grundstein für die nächste Generation.

Nach Lindner gerichtet

Alexander Graf fädelte auch den Kontakt zum FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ein, der neben Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und Ingo Freidel (Mitglied des Vorstandes der Volksbank Stendal) als Festredner bei der Jubiläumsfeier sein wird, zu der etwa 200 geladene Gäste erwartet werden. „Wir hatten uns seine sogenannte Wutrede im nordrhein-westfälischen Landtag angesehen und waren begeistert“, schildert Helmut Graf.

Von einer Feierlichkeit am ursprünglichen Jubiläumsdatum, dem 15. Dezember, war wegen Kälte, Jahresabschlüssen und dem bevorstehenden Weihnachtsfest abgesehen worden. Planmäßig sollte das Firmenjubiläum Mitte April gefeiert werden. Es sollte schon etwas wärmer sein, aber nicht zu heiß. Doch zu dem Zeitpunkt konnte Lindner nicht – Bundestagssitzungen. „Mir hat imponiert, dass er nicht nur gesagt hat, was nicht geht, sondern auch, was geht, dass er Alternativtermine vorgeschlagen hat.“ Und so fiel die Veranstaltung auf den 26. März.

Sponsor beim VfL Wolfsburg

Grado Fenster & Türen ist seit mehr als zehn Jahren als Sponsor beim VfL Wolfsburg aktiv. „Das war sogar noch, bevor sie Deutscher Meister geworden sind“, freut sich der Chef über den richtigen Riecher. Der Kontakt zum grün-weißen Fußballverein führte zu noch zwei weiteren Prominenten, die im Festzelt zu erleben sein werden. Pierre Littbarski, Fußballweltmeister von 1990 und mittlerweile Chefscout beim VfL, und Roy Präger, ehemaliger Torjäger und jetzt in der Fußballschule des VfL tätig, werden sich in einer kleinen Talkrunde über das Thema Fußball unterhalten. Moderiert wird die Veranstaltung von Miriam Pede (Fernsehsender „Welt“).

Helmut Graf selbst will bei der Jubiläumsfeier gar nicht im Mittelpunkt stehen. Eine Präsentation mit ihm als Hauptperson lehnte er ab, zum Porträtfoto für diesen Artikel musste er überredet werden.