Stendal l Dass der Aero-Club Stendal in Zusammenarbeit mit der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel mbH Segelflug-Meisterschaften ausrichten kann, hat er mehrfach unter Beweis gestellt: mit dem Altmark-Pokal als Qualifikation für Deutsche Meisterschaften, mehrfach mit holländischen Landesmeisterschaften, im vergangenen Jahr erstmals mit einer Deutschen Meisterschaft für die Offene Klasse und die 18-Meter-Klasse. Als Ausrichter hat der Verein damit nicht nur die Verantwortlichen in der Bundeskommission Segelflug im Deutschen Aero Club (DAeC) überzeugt, sondern auch bei den Startern und ihren Teams positive Eindrücke hinterlassen.

„Darum sind viele auf uns zugekommen und haben uns ans Herz gelegt, dass wir uns doch auch für die Weltmeisterschaft bewerben“, erklärte Matthias Jahn, Vorstandsmitglied im Stendaler Aero-Club und Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft, und erinnerte daran, dass die Flieger „nicht locker gelassen haben“.

Schon nachdem die DM im vergangenen Jahr so gut gelaufen war, hatten Clubmitglieder selbst mit dem Gedanken gespielt, den nächsten Schritt zu machen. „Wir wollten aber erst einmal schauen, ob es noch einmal mit einer Deutschen Meisterschaft klappt, dann haben wir noch einmal einen Testlauf“, sagte Jahn. Es hat geklappt: Vom 3. bis 15. Juli 2017 wird auf dem Borsteler Platz die Segelflug-DM für die Offene Klasse, die 15-Meter-Klasse und die 18-Meter-Klasse ausgetragen.

Vor-WM würde 2019 stattfinden

Nach der Zusage für die DM hat der DAeC dann beim Weltluftfahrtverband die Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2020 eingereicht – Austragungsort Stendal-Borstel. „Uns wurde schon bestätigt, dass wir eine super Bewerbung vorgelegt haben“, zeigte sich Matthias Jahn optimistisch, was die Chancen angeht. Ein Vorteil könnte sein, dass Deutschland als Austragungsland mal wieder an der Reihe sei. Organisator der WM wird bei einer Zusage der Luftsportverband Sachsen-Anhalt sein, Ausrichter der Stendaler Aero-Club.

Thermik wird getestet

Vermutlich im Februar kommenden Jahres soll in Lausanne die Entscheidung fallen. Mit der WM verbunden ist eine sogenannte Vor-WM im Jahr davor. Heißt: Im Jahr 2019 würde eine Art Generalprobe stattfinden, ein Testlauf nicht nur für die Organisatoren. An der Vor-WM nehmen Vertreter der qualifizierten Teams teil, um unter anderem die thermischen Bedingungen zu testen.

International soll es aber schon im Jahr 2018 zugehen. Dann kommt die „Vintage Glider Rallye“ nach Stendal, zu der sich Segelflugzeug-Oldtimer jährlich in einem anderem Land treffen. Für das sogenannte Rendezvous nach der Anreise ist Anklam vorgesehen, danach werden die Piloten für etwa zehn Tage mit ihren historischen Flugzeugen in Stendal sein.

Die Vorbereitungen für die anstehenden Meisterschaften, aber auch für die regelmäßigen Veranstaltungen laufen bereits. Für die Segelflug-DM wurden schon Schleppflugzeuge gesichert. Eine der großen Aufgaben, die noch gelöst werden muss, ist die Internet-Versorgung auf dem Platz. „Das ist der verbesserungswürdigste Punkt“, sagte Jahn, das habe eine Befragung der Wettkampfteilnehmer der vergangenen Jahre ergeben. Konkret heißt dies, dass die Kapazität erhöht werden muss, denn nicht nur ein Teil der Wettkampftechnik laufe über W-LAN, auch die Teams wollen in Kontakt mit dem Piloten sein, müssen Daten ans Wettkampfbüro übermitteln, wollen mit daheim kommunizieren.

Sollte Stendal den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2020 bekommen, dann muss ein weiteres Problem gelöst werden: die Sprache. „Dann läuft alles in Englisch, dann benötigen wir Dolmetscher auf dem Platz“, erklärte der Flugplatz-Chef. Er könne sich vorstellen, Studenten oder ältere Schüler dafür zu gewinnen, „denn in den Tagen haben wir hier eine internationale Atmosphäre auf dem Platz“.

In den vergangenen Wochen hat sich auch baulich etwas getan: Im Hangar I wurden Einbauten der sowjetischen Armee beseitigt, Aero-Club-Mitglieder übernahmen das. In der Halle waren Mauern und Decken für Büros und Lagerräume eingezogen worden. Diese sind jetzt weg, „und wir haben rund 500 Quadratmeter Fläche gewonnen“, sagte Jahn. Eine Fläche, die bei Wettkämpfen für die täglichen Zusammenkünfte, die Briefings, genutzt werden kann. Bisher musste für die täglich eine Stunde Briefing ein großes Zelt aufgestellt und gemietet werden – diese Kosten könnten gespart werden.

Zudem bietet der zusätzliche Platz zum Beispiel bei den C 42- oder Kiebitz-Treffen die Möglichkeit, die Flugzeuge bei schlechtem Wetter und besonders Sturm sicher unterzustellen. Nachdem die Mauern verschwunden sind, werden jetzt neue Fenster und Schutzgitter eingesetzt, einige restauratorische Arbeiten sollen noch folgen, um Schäden an der Bausubstanz zu beseitigen. „Und der Denkmalschutz freut sich auch, weil die Halle wieder mehr zum Original wird“, so Jahn. Die Originalbüros aus dem Baujahr 1934 bleiben aber erhalten. Für die Arbeiten konnte die Flugplatzgesellschaft Fördergeld vom Land nutzen.

Zufriedene Gäste kommen zurück

„Das ist eine gute Investition in die Infrastruktur unseres Luftsport-Standortes“, sagte Matthias Jahn. Die In­frastruktur – ausreichend Platz für die Wettkämpfe, Übernachtungsmöglichkeiten, gute Verkehrsanbindung, touristische Angebote für Schlecht-Wetter-Tage, Einkaufsmärkte für die Selbstversorger – seien in den vergangenen Jahren von allen Gästen lobend genannt worden. Und wenn rund 110 Starter kommen mit ihren Teams, dann sind das für zwei Wochen rund 300 bis 350 Personen. „Davon profitiert nicht nur die Wirtschaft, sie sind nach der Abreise Multiplikatoren, zum Beispiel in touristischer Sicht“, rechnet der Flugplatz-Geschäftsführer vor. Beispiele dafür, dass Meisterschaftsteilnehmer später mit ihren Vereinen für Fliegerlager erneut in die Altmark gekommen sind, gibt es einige.