Bismark l „Bis zur Rente konnte ich mir den Job nicht vorstellen“, denkt Annemarie Ramelow (26) als gelernte Bankkauffrau an ihre Zeit in der Raiffeisenbank Kalbe-Bismark zurück. Die Bismarkerin stammt aus einer Lehrerfamilie und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt ihr am Herzen. Spätestens nach einem zweimonatigen Au-pair-Aufenthalt in Irland stand fest: sie nimmt ein Lehramtsstudium in Halle (Saale) auf.

Annemarie Ramelow ist in Brunau aufgewachsen. Mit vier Jahren kam sie nach Bismark und besuchte hier Kita, Grund- und Sekundarschule. 2010 machte sie ihr Abitur am Winckelmann-Gymnasium in Stendal. Es folgte eine dreijährige Ausbildung zur Bankkauffrau in der Kreissparkasse der Hansestadt. Im Anschluss arbeitete die junge Frau ein Jahr in der Raiffeisenbank Kalbe-Bismark.

"Auslandsluft schnuppern"

Im Juni dieses Jahres schloss Annemarie Ramelow ihr Lehramtsstudium in Halle ab. „Normalerweise würde nun das Referendariat folgen“, erzählt die Bismarkerin. „Doch ich wollte vorher noch ein wenig Auslandsluft schnuppern.“ Der 26-Jährigen schwebte ein Freiwilligendienst vor. „Es sollte ein Bildungsprojekt in einem englischsprachigen Land sein“, so Ramelow. Aber nicht in den USA und nicht in Australien. „Ich wollte in eine neue Kultur eintauchen.“

Im Internet stieß Annemarie Ramelow auf die Organisation SCI (Service Civil International) Deutschland. SCI arbeitet als gemeinnütziger Verein, der unter anderem Freiwilligendienste vermittelt. Für die Bismarkerin war unter den Angeboten auf fünf Kontinenten etwas Passendes dabei: Tansania. In dem ostafrikanischen Staat wird Ramelow zehn Monate lang als Förderschullehrerin an einer Gemeindeschule in Temeke am Rande von Daressalam tätig sein.

Mit Absicht keine Grundschüler

„Ich arbeite in Tansania mit jungen Erwachsenen und mit Jugendlichen zusammen“, erzählt Annemarie Ramelow. „Mit Absicht nicht mit Grundschülern, denn mit denen habe ich es ja dann die nächsten Jahre zu tun.“ Das Projekt unterstützt förderbedürftige Schüler und Schülerinnen dabei, die Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erreichen. Die Bismarkerin kann aber auch in der Aids-Aufklärung und auf weiteren Gebieten tätig sein. Das Spektrum ist breit gefächert.

Der zehnmonatige Freiwilligendienst in Tansania kostet 9000 Euro. Über ein Bundesprogramm wird das Projekt mit 75 Prozent gefördert. Annemarie Ramelow muss einen Eigenanteil von 2200 beisteuern. „Ein bisschen Geld habe ich schon zusammenbekommen“, erzählt die Bismarkerin. Um die Eigenmittel einzuwerben, hat sie einen Flyer entworfen und regionale Firmen angeschrieben.

Von dem Verein SCI wurden die Projektteilnehmer im Rahmen einer Seminarwoche vorbereitet. „Ich war neun Tage in der Nähe von Kassel“, berichtet Annemarie Ramelow. „Da wurden wir richtig gut auf unseren Freiwilligendienst vorbereitet.“ Es ging unter anderem um Anti-Rassismus, Kolonialismus und Sklaverei aber auch um tropische Hinweise und Heimweh. „Zahlreiche Impfungen habe ich auch schon hinter mir“, so die 26-jährige.

Von den Menschen lernen

„Am 13. September geht mein Flug“, blickt Annemarie Ramelow dem Auslandsaufenthalt in Tansania erwartungsvoll entgegen. Sie wird mit einer Freundin aus Köln fliegen, die auch auf dem gleichen Campus arbeitet. Untergebracht sind die Freiwilligen in Tansania bei Familien. Wenn die Bismarkerin im Juli 2019 heimkehrt, will sie ein Referendariat in Halle, Leipzig oder Potsdam beginnen. Die Bewerbungen sind bereits fertiggestellt.

„In ein Land wie Tansania geht man, um zu helfen“, hat Annemarie Ramelow klare Vorstellungen von ihrem Freiwilligendienst. „Es geht aber auch um den kulturellen Austausch und ich möchte dort von den Menschen etwas lernen.“

Wer weitere Informationen über das Projekt erhalten oder die junge Bismarkerin unterstützen möchte, erreicht sie unter anne-tansania@gmx.de