Stendal l Der Freitag ist derzeit der schönste Tag für die Vier- bis Sechsjährigen der Stendaler Kita „Stadtseeknirpse“. Dann kommt Anne – und Anne ist toll. Denn die macht so viele neue und lustige und interessante Dinge mit den Kindern, dass die aus dem Staunen und Mehrwollen gar nicht mehr rauskommen. Da spielen Murmeln und Seile eine Rolle, werden Melodien nachgesungen und nach und nach mit einem spanischen Text versehen, dann irgendwann ist der ganze Körper gefragt, es wird im Kreis getanzt, werden Arme in die Höhe gereckt, macht ein Kind vor und die anderen nach. Voller Begeisterung!

Kollegium profitiert auch

Da ist eine halbe Stunde schnell vorbei, dann ist die nächste Gruppe dran, und die Kinder freuen sich schon wieder wie verrückt auf den nächsten Freitag. Anne Junghanns hat bei den Stadtseeknirpsen also voll eingeschlagen. Seit August ist die Musikpädagogin in der Kita beruflich zu Besuch, für ein Jahr ergänzt sie den Kita-Alltag durch die Musikalische Früherziehung. Es sieht alles sehr einfach aus, aber selbst als Laie ahnt man, dass da viel pädagogisches Geschick einfließt und Bildung subtil geschieht.

Junghanns bekommt dafür natürlich Geld, aber für die Eltern und die Kita ist das Ganze kostenlos. Das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ macht es möglich, die Musik- und Kunstschule Stendal hat die Honorarkraft vermittelt und ist dafür eine vorerst einjährige Kooperation mit der Kita eingegangen. Für Kita-Leiterin Anke Götzky steht jetzt schon fest, dass das eine gute Idee ist: „Die Kinder sind total begeistert, lernen jedes Mal etwas Neues, aber auch für die Kollegen ist es ein Wissenszuwachs.“ Damit könne ideal auf der bisherigen sprachfachlichen und musikalischen Fortbildung aufgebaut werden.

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Oft eine Kostenfrage

Die Musikalische Früh­erziehung findet im Landkreis Stendal derart regelmäßig außerdem nur noch in der Kita Buch statt, ansonsten eben in der Musikschule selbst. „Das ist für viele Eltern aber eine Kostenfrage oder eine Hürde, das extra zu organisieren“, weiß Götzky.

Für Musikschulleiter Benjamin Ulrich ist die Zusammenarbeit sicher auch eine gute Werbung fürs Haus, aber vor allem sieht er den positiven Effekt direkt für die Kinder: „Musik, Sprechen, Singen, Bewegung... das ist für alle Kinder gut und man sieht, dass es ihnen Spaß macht. Die Freude an der Bewegung und sich dabei ausdrücken, das wird ihnen hierbei auf qualifizierte Weise ermöglicht.“

Zurück zur analogen Welt

Gerade in Zeiten, da die digitale Beschäftigung die Oberhand zu gewinnen scheint, seien solche grundlegenden Angebote aus der „analogen Welt“ umso wichtiger. „Wir kommen damit zurück zu den Grundbedürfnissen“, sagt Anke Götzky, die aus ihrem Berufsalltag mehr als sicher weiß, dass die bei vielen Kindern nicht gestillt werden. Und sie hofft, „dass die Zusammenarbeit länger als nur dieses eine Jahr dauert“.

Für die Kita wäre es jedenfalls ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Profil als „musikalische Sprach- und Bewegungskita“, den Anke Götzky mit ihrem Kollegium schon beschritten hat. Die Verbindung mit anderen städtischen Einrichtungen sieht sie dafür als essenziell an.