Stendal l Dass der Gartenverein „Pferdemärsche“ ein ganz eigenes Selbstverständnis pflegt, merkt ein Besucher, sobald er das Vereinsheim betritt. Sofort fällt die große grün-rote Fahne auf, die an der Wand hängt. Sie erinnert an die Gründung der Sparte im Jahre 1975 und ist der ganze Stolz der Vereinsmitglieder und gleichzeitig eine Verpflichtung. Nämlich nicht nachzulassen und sich stets darum zu bemühen, den Verein im Stendaler Osten in der Nähe der Haferbreiter zu erhalten.

Offenbar haben die Pächter diese Einstellung verinnerlicht. Neben der Fahne zieren genauso unzählige Urkunden das kleine aber feine Domizil der Kleingärtner. Für jedermann sichtbar in den Regalen sind ebenso die Pokale. Zu viele, um sie bei einer Stippvisite schnell mal zu zählen. Bei diversen Wettbewerben lag die Sparte „Pferdemärsche“ regelmäßig vorne. Das kann kein Zufall sein.

Befristete Pachtverträge

Ebenfalls ein Hinweis für die akribische Vereinsarbeit: Von 93 Parzelllen sind 91 besetzt. Der Leerstand, der vielen anderen Vereinen zusetzt, ist hier noch nicht angekommen. Und das soll natürlich so bleiben, sagt der Vorsitzende Olaf Schnelle. „Wir geben uns alle Mühe, um ein aktives Vereinsleben zu ermöglichen und leere Gärten so schnell wie möglich neu zu besetzen“, erzählt der Stendaler.

Jedoch schaut der Vorstand bei den neuen Pächtern etwas genauer hin, ob sie denn wirklich ins Gefüge der Sparte passen. „Zunächst sind die Verträge auf ein Jahr begrenzt. Dann entscheiden wir, ob verlängert wird“, erklärt der Vorsitzende das Prozedere.

Strenger Blick auf Aspiranten

Dass die Aspiranten ihre Gärten in einen ordentlichen Zustand versetzen, sei der wichtigste Faktor bei der Entscheidung. Zu viele Vorschriften bei der gärtnerischen Tätigkeit wolle man hingegen nicht machen. „Wir schreiben niemandem vor, was er anpflanzen soll. Wir sind uns auch bewusst, dass der Trend seit Jahren vom Nutzgarten zum Erholungsgarten geht. Dem wollen wir uns nicht verweigern“, sagt Olaf Schnelle.

Was bei der Sparte „Pferdemärsche“ darüber hinaus gut ankommt: Sich bei den Arbeitseinsätzen einzubringen und dies nicht nur den Mitgliedern des Vorstands zu überlassen. Die arbeiteten zwar „wie bekloppt, damit alles hinhaut“, wie Olaf Schnelle erfrischend unverstellt auf den Punkt bringt, um alles könnten sie sich trotzdem nicht kümmern.Ohnehin ist Olaf Schnelle über seine Vorstandskollegen voll des Lobes. Als seine „Engel“ bezeichnet er Achim Neumann, Raimund Müller und Jürgen Skowronnek nur. Sie würden ihm, der während der Woche auf Montage ist, das Leben als Vorsitzender auf fast allen Ebenen erleichtern.

Vorstandsmitglieder packen an

Motivieren muss er die Männer dazu nicht. Sich für die Sparte zu engagieren könnte für sie selbstverständlicher nicht sein. Alle sind sie seit Jahrzehnten dabei, die Anlage ist für sie ein Teil ihres Lebens. „Unsere Herzen hängen einfach an der Sparte. Das geben wir nicht auf“, bringt es Jürgen Skowrennek auf den Punkt, der 1977 in den Verein eingetreten ist. Ohne zu zögern reparieren sie deshalb die Geräte auf dem kleinen Spielplatz, helfen bei der Renovierung des Vereinheims und schlichten Konflikte zwischen den Pächtern.

Fast täglich schauen sie nach dem Rechten. Egal, ob im Winter oder im Sommer. Die Präsenz sei ein wichtiger Faktor, um die gute Stimmung innerhalb der Sparte zu erhalten. Streitigkeiten würden oft im Ansatz aus der Welt geschafft. Dazu gehöre, sich regelmäßig mit den Pächtern auszutauschen. Olaf Schnelle lässt es sich deshalb nicht nehmen, jeden Sonnabend eine Runde in der Sparte zu drehen. Als Kontrollgang will er dies aber nicht verstanden wissen. Vielmehr gehe es darum, als Ansprechpartner da zu sein, wenn jemandem der Schuh drückt. Am liebsten sei es ihm zwar, wenn Konflikte von direkt betroffenen Parteien selbst aus der Welt geschaffen werden, als Schiedsrichter stehe er trotzdem immer zur Verfügung.