Osterburg l Das Finale des Bundeswettbewerbs „Gärten im Städtebau“ unter dem Motto „Kleine Gärten – bunte Vielfalt“ ist eingeläutet, und die Gartenfreunde des Kleingärtnervereins „Zur Erholung“ in Osterburg gehören zu den 20 Vereinen, die sich dafür qualifiziert haben. Am 21. Juni stattete die siebenköpfige Bewertungskommission des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG) den Osterburger Finalisten ihren Besuch ab.

Grüner Gürtel mit 1000 Gärten

Vereinsvorsitzende Heike Peters – erst seit drei Jahren auf diesem Posten – hatte tüchtig Lampenfieber, aber auch noch etwas Zeit, sich zu sammeln, bevor sie ihren Verein den Bundesjuroren vorstellte. Osterburgs Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz machte die Gäste zuvor mit der Hansestadt, „in der das Kleingartenwesen und die Landwirtschaft zusammenhängen“, vertraut.

Die frühere Ackerbürgerstadt Osterburg habe mit zirka 1000 Kleingärten, die sich wie ein grüner Gürtel um die Stadt ziehen, eine Kleingartendichte wie wohl kaum eine andere vergleichbare Kommune, schätzte er. „Wir wollen das Umfeld noch weiter gestalten, vor allem, um auch jungen Familien Anreiz zu bieten, hier sesshaft zu werden, und die Gärten gehören dazu.“

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Eine Sichtweise, die sich Gartenfreude-Kreisvorsitzender Manfred Meckel von noch mehr ostaltmärkischen Kommunalpolitikern wünscht, nicht zuletzt der Früchte wegen, die sie zum Beispiel in Osterburg trägt: „Die Kommunen können uns helfen, vor allem den Vereinen, was deren Fortbestand betrifft. Mit dem Osterburger Einheitsgemeindebürgermeister verbindet uns eine sehr gute Zusammenarbeit“, betonte er.

Lebendiges Vereinsleben offen für alle

Dann war die Reihe an Heike Peters, die den Verein, seine Arbeit, seine Erfolge und das, was diese Gemeinschaft Gleichgesinnter ausmacht, vorstellte.

Der Verein „Zur Erholung“ verfüge über 140 Pachtparzellen auf einer Fläche von rund 69.000 Quadratmetern. „39 davon stehen leer, zehn davon wurden zurückgebaut, einige anderweitig genutzt, zum Beispiel als Tafel-Gärten“, berichtete Peters. Der Altersdurchschnitt der Mitglieder betrage 62 Jahre.

Gute Kontakte gebe es zum Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, zu den Kitas und dem Schulhort, zur Feuerwehr und zur Polizei. Die Kinder würden oft Spaziergänge in die Anlagen nutzen, um ihre Kenntnisse über Obst und Gemüse zu erweitern.

Ältere Leute aus den benachbarten Wohngebieten finden hier Ruhe und Erholung. Gemeinschaftsanlagen wie das Insektenparadies, ein Trockenbiotop, der Heidegarten und die Kinderspielecke wurden in diesem Jahr durch eine „Wohnanlage“ für Singvögel und einen Kräutergarten erweitert.

Sheldon notierte eifrig

Gartenfreunde, aber auch Nichtmitglieder treffen sich wöchentlich zum Handarbeits-, Bastel- und Spielnachmittag im Vereinslokal „Moritzburg“. Hier findet auch alle zwei Wochen ein Skat- und Rommee-Turnier statt. Der Verein richtet nicht nur Osterfeuer und Sommerfeste aus, sondern beteiligt sich auf vielfältige Art an städtischen Veranstaltungen wie die Stadt- und Spargelfeste.

Jürgen Sheldon, Chef der Jury und Bundesfachberater im BDG, machte eifrig Notizen: Er habe selten eine so ausführliche Präsentation erlebt, war er im Anschluss beeindruckt.

Zu einigen Ausführungen wollten die Jury-Mitglieder Genaueres wissen, zum Beispiel über die besondere Nutzung leerer Gärten, das Heranführen der Kinder an das Gärtnern, den Einsatz von Chemie zur Schädlingsbekämpfung (was kategorisch verneint wurde), das Mähen von Grünflächen im Hinblick auf Insektennahrung, die Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft.

60 Minuten dauerte die Gesprächsrunde, eine weitere Stunde der Rundgang durch die beiden Kleingartenanlagen des Vereins. Mit dabei auch ein Kamerateam, das im Auftrag der Wettbewerbs-Veranstalter BDG und Bundesinnenministerium einen Film über den Besuch drehte.

Mit einem Dankeschön an ihre Gastgeber, aber ohne auf das Ergebnis ihrer Visite einzugehen, stiegen die Jury-Mitglieder wieder in den Bus und fuhren weiter in Richtung Berlin, wo der letzte der deutschlandweit 20 Bundes-Finalisten zu begutachten war.

Am 21. Juli wird Geheimnis gelüftet

Wie die Osterburger abgeschnitten haben, werden sie am 1. Dezember im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Palast am Funkturm in Berlin erfahren. Nico Schulz, Heike Peters und Manfred Meckel sind eingeladen. Unabhängig davon steht bereits fest: Im Kreiswettbewerb konnte der Osterburger Kleingartenverein „Zur Erholung“ auch 2018 wieder kräftig punkten. Ein Platz im Vorderfeld ist ihm sicher. Welchen, erfahren die Mitglieder in drei Wochen. So lange hält sich auch Kreis-Kleingärtner-Chef Manfred Meckel mit genaueren Informationen bedeckt und die Spannung hoch.