Stendal l Dass ihm das Kleingärtnern in die Wiege gelegt worden wäre, kann man nicht unbedingt behaupten. Und hätte ihm damals, also vor dem Jahre 2003, jemand geweissagt: „Du wirst mal Chef in einem Kleingartenverein und wirst ihn zu ungeahnten Höhen führen“, Olaf Schnelle wäre wahrscheinlich aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen. Seine Vorstellungen von so einer grünen Oase sahen ungefähr so aus: „Beton reingießen, grün anstreichen, ein paar Löcher für Plasteblumen lassen, fertig.“ Auch darüber lacht der Vorsitzende des Stendaler Kleingartenvereins „Pferdemärsche“ heute herzhaft.

Wie vom Bus überfahren

„Tja, so kann‘s gehen“, beginnt er seine Geschichte als Kleingärtner zu erzählen, die eine ganze Menge mit seiner Frau zu tun zu haben scheint. Mit ihr gemeinsam übernahm er im Jahr 2003 eine Parzelle in der Kleingartenanlage „Pferdemärsche“. Sie habe den Garten gewollt, ihn dann aber ganz schnell angesteckt, sagt er über die Zeit, in der er lernte, dass grün angestrichener Beton als Rasenersatz nicht taugt und Plasteblumen mit dem Duft von Rosen nicht konkurrieren können. Hinzu kommt: Olaf Schnelle ist ein Mensch, der das, was er anpackt, auch gut machen möchte.

Dass er kurz danach trotzdem nein sagte, als ihn Vorstandsmitglieder der „Pferdemärsche“ fragten, ob er im Vorstand mitmachen würde, steht dazu nicht im Widerspruch. „Ich hatte doch grade mal angefangen“, begründet Schnelle, warum er damals ablehnte. Denn auch das gilt für den Berufskraftfahrer, der auf Montage-Baustellen in ganz Deutschland unterwegs ist: Von den Dingen, die man tut, sollte man etwas verstehen.

Drei Jahre später sah die Sache anders aus. Erneut gefragt – dieses Mal ging es um den Posten des Fachberaters im Vereinsvorstand – sagte Kleingärtner Olaf Schnelle ja. „Da hätte ich mich reingefuchst“, ist er sicher. Und dann ging alles ganz schnell. Plötzlich war der Vereinsvorsitz vakant. „Ob ich nicht den Chef machen wolle, haben sie gefragt, und dann war ich es plötzlich. Ein Gefühl, wie vom Bus überfahren“, schildert er seine wenn auch nur kurz- zeitige Sprachlosigkeit. Dieses Ja knüpfte er allerdings an eine Bedingung: Einen Vereinsvorstand, der mitzieht, wo jeder seine Aufgaben hat, sie erfüllt und weiß, dass so ein Vorstandsposten auch heißt, in gewisser Weise Vorbild zu sein. „Das klappt“, bringt Schnelle es heute, nach zwölf Jahren als Vereinsvorsitzender auf den Punkt. „Wir sind da alle zusammen reingewachsen.“ Sicher gebe es auch im Vorstand mal unterschiedliche Meinungen, aber die würden ausdiskutiert und ein Kompromiss gefunden, den dann der gesamte Vorstand mittrage. „Bisher funktioniert das ganz gut.“

Große Klappe und Feingefühl

Klingt nach einer leichten Übung. Die aber ist das Führen eines Kleingärtnervereins nicht immer. Da brauche es schon mal „die große Klappe“, sagt der Vorsitzende und schließt ein Aber an: „Um 93 Charaktere unter einen Hut zu bringen (der Verein hat 93 Mitglieder, d. Red.), brauchst Du auch Fingerspitzengefühl. Die Mischung macht‘s.“ Für Olaf Schnelle steht fest: Die Zeiten, da in Vereinsanlagen jede Parzelle ein Nutzgarten war, sind vorbei. Es gehe ganz klar in Richtung Erholungsgarten. „Wenn ich keine Möhren mag, dann baue ich eben keine an. Dafür hat der Nachbar vielleicht welche. Die Vielfalt in der Anlage zählt, und wohl fühlen sollen die Leute sich im Verein, in ihrem Garten.“

Mit diesem Prinzip fährt Olaf Schnelle, fährt die „Pferdemärsche“ gut. In den vergangenen Jahren war der Verein in der Wettbewerbswertung des Kreisverbandes immer unter den ersten dreien. Daran soll sich, geht es nach dem Vereinsvorsitzenden, auch nichts ändern. „Man entwickelt mit der Zeit doch einen gewissen Ehrgeiz“, gibt er lächelnd zu und erwähnt fasst nebenbei und doch hörbar stolz den 4. Platz, den die „Pferdemärsche“ im vergangenen Jahr im Landeswettbewerb belegt hat.

Familienfreundlich auf dem Weg in die Zukunft

Für den diesjährigen Schönheitswettbewerb der Gartenfreunde hat Olaf Schnelle ein gutes Gefühl. Kann er auch, bei 194 Punkten in der Bewertung, die maximal 200 Punkte hergibt. Am 21. Juli wird er es genau wissen, wenn er und alle anderen Vereinsvorstände des Gartenfreunde-Kreisverbandes sich zur Wettbewerbsauswertung treffen. Platz für eine weitere Urkunde ist im Vereinsheim, wobei ihm das gar nicht so wichtig ist, wie es scheint.

Es gehe um den Spaß am Hobby, den jeder im Verein haben soll, und für Olaf Schnelle auch darum, dass Familien im Verein willkommen sind. Der Spielplatz unmittelbar neben dem Vereinsheim, den es so in kaum einer anderen Kleingartenanlage im Kreisverband gibt, spricht Bände. „Das ist unsere Zukunft“, sagt Schnelle und könnte, wenn gewünscht, auf Anhieb drei, vier Nachwuchskleingärtner im Verein nennen, deren Eltern bereits hier ihre Parzelle hatten. Wer mehr darüber erfahren möchte, auch darüber, wie man sich als Kleingartenverein ein solches Image erarbeitet, dass Leerstand in der Anlage kein Themas ist, der frage Olaf Schnelle. „Ich bin gern bereit, unsere Erfahrungen weiterzugeben.“