Stendal l Die Spiele in Hassel und dazu die Sommernachtsparty und das Camp in Wischer – für viele gehörlose Fußballer aus ganz Deutschland war das Inklusionsfußballturnier in der Altmark immer eine feste Größe im Kalender. Auch Mannschaften aus der Region mit hörenden Spielern nahmen regelmäßig daran teil. Bis zu 150 Gehörlose und Hörbehinderte waren für dieses Wochenende angereist – bis vor fünf Jahren die Abschiedsparty gefeiert worden war.

„In den letzten Jahren war es ruhig, aber viele haben uns nach den Sommernachtspartys und dem Turnier gefragt, haben uns immer wieder gebeten, diese Tradition wieder zu beleben“, sagte Reiko Lühe, 2. Vorsitzender im Altmärkischen Gehörlosenverein und im Altmärkischen Gehörlosensportclub. Früher hatte er die Organisation übernommen, „jetzt habe ich diese Aufgabe an jüngere Leute weitergegeben“. Damit meint er Alexander Adler, 1. Vorsitzender des Altmärkischen Gehörlosenvereins, und Thomas Niebylski. Beide sind aktive Kicker, standen auch am Sonnabend selbst auf dem Platz.

Kontakte zu anderen Mannschaften

Beide haben in anderen Mannschaften, zum Beispiel in Hamm und in Güstrow/Ludwigslust, am Staffelbetrieb teilgenommen, an dessen Ende die Deutsche Meisterschaft ausgespielt wird. „Darum haben wir viele Kontakte zu anderen Vereinen und Clubs“, erklärte Alexander Adler. Kontakte, die bei der Organisation des Turnieres sehr geholfen haben. Der Aufruf dafür war kaum gestartet, da lagen auch schon zehn Anmeldungen vor.

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Und zehn Mannschaften waren es dann auch, die auf dem Sportplatz an der Haferbreite antraten. In zwei Gruppen wurde die Vorrunde ausgetragen. In jeweils zweimal sieben Minuten traten die vier Feldspieler plus Torwart pro Mannschaft gegenein­ander an. Ein Schiedsrichter, ausgestattet mit einer Fahne, sorgte dafür, dass die Regeln eingehalten wurden.

Neben Gehörlosen-Teams aus Kassel, Hamm, Berlin, Halle/Saale, Köthen, Bielefeld, Güstrow und Stendal war auch eine hörende Mannschaft aus Schernebeck dabei, am Start als Hotti-Team. Die Teilnahme kommt nicht von ungefähr, auch sie hat mit den schon erwähnten Kontakten zu tun. Denn „der junge Kern“ der Stendaler Gehörlosen-Fußballmannschaft, wie es Reiko Lühe nennt, kickt regelmäßig im Schernebecker Verein.

Am Ende konnten sich die Bielefelder, die alle ihre Spiele gewonnen haben, über den Turniersieg freuen. Die Plätze zwei und drei gingen an die Allstars Berlin und den Berliner Gehörlosensportverein.

Für die Gastgeber lief es diesmal nicht ganz so gut. Sie landeten auf dem neunten Platz. Den sicherten sie sich beim Sieben-Meter-Schießen gegen Güstrow, das die Stendaler mit 5:4 für sich entscheiden. Dass es auch anders geht, haben sie vor zwei Wochen bei einem Turnier in Köthen bewiesen mit dem zweiten Platz unter sechs Mannschaften.

Im Turnier hätten die Stendaler auch gern gegen Bielefeld gespielt – so wie Lok Stendal demnächst in seinem ersten DFB-Pokalspiel der neuen Saison. Aber die Stendaler schafften es nicht ins Halbfinale und damit nicht zum Vergleich mit Gegnern aus der anderen Gruppe.

Apropos Lok Stendal: Eine Gruppe von etwa zehn Gehörlosen gehört zu den Stammgästen der Heimspiele im Hölzchen. Mit einem offenbar recht guten Platz im Fanblock. „Wir sind ziemlich oft im Fernsehen zu sehen“, erzählte Reiko Lühe.

Die Siegerehrung fand im katholischen Gemeindezen­trum am Mönchskirchhof statt. Zum geselligen Treffen der etwa 70 Gäste gehörte auch – wie soll es bei begeisterten Fußballern anders sein – die Übertragung von der Weltmeisterschaft in Russland.

Neuauflage im Jahr 2019

Schon während des Wettkampfes stellten viele auswärtige Teilnehmer eine Frage: Gibt es das Turnier im kommenden Jahr denn wieder? „Ja, das haben wir vor, wieder zu dieser Zeit Ende Juni, Anfang Juli“, antwortete Reiko Lühe dann. Am Sonnabend freuten sich Alexander Adler und Thomas Niebylski erst einmal darüber, dass alles geklappt hat. Sie werden im nächsten Jahr wohl wieder die Organisation übernehmen. „Denn es ja hat auch Spaß gemacht“, sagte Thomas Niebylski, der seit mehr als 15 Jahren in verschiedenen Vereinen aktiv Fußball spielt.

Neben Fußball hat der vor zwei Jahren gegründete Altmärkische Gehörlosensportclub, an dessen Spitze Thomas Hannausek steht, eine zweite, sehr aktive Sparte: Bowling.