Stendal l Um groß angelegten Betrug durch Versprechung von Dachdeckerleistungen einer überregional agierenden Firma zu einem unrealistischen Festpreis von 17 500 Euro sowie Nötigung ging es jüngst am Amtsgericht. Eine damals 82-Jährige aus dem Landkreis Stendal ist um insgesamt 18950 Euro geprellt worden. Dazu kommen Gutachter- und Anwaltskos-

ten sowie die tatsächlichen Kosten, um ihr Dach von einer regionalen Firma decken zu lassen.

Forderungen werden immer höher

Nachdem die Frau im Oktober 2017 den Vertrag unterschrieben hatte und ihr altes Dach komplett abgedeckt war, kamen Mitarbeiter dieser ominösen Firma mit immer neuen Geldforderungen. So seien die Materialkosten vom Festpreis ausgenommen. Erst war von 32 000 und dann gar von 40 000 Euro die Rede. Dabei hatte sie, wie die heute 84-jährige Hausbesitzerin als Zeugin aussagte, eindeutig gesagt, dass sie maximal 20 000 Euro habe. Höhepunkt: In gebrochenem Deutsch drohte ein unbekannt gebliebener Mann am Telefon: „Du musst zahlen, sonst Haus kaputt.“

Zwei ehemalige Verantwortliche dieser Firma, ein wegen schweren Raubes vorbestrafter 59-jähriger Kaufmann aus Bremen und ein rechtlich unbescholtener 63-jähriger Dachdecker aus einer Stadt im Südosten Sachsen-Anhalts, saßen nunmehr wegen des Vorwurfs der Nötigung und des Betruges auf der Anklagebank. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, offenbar ein polnischer Staatsbürger, wurde abgetrennt.

84-Jährige bleibt auf dem Schaden sitzen

Die 84-Jährige wird auf ihrem großen Schaden sitzen bleiben. Es gibt lediglich eine Art Trostpflaster von 1500 Euro, die als Auflage für die Einstellung des Verfahrens von den Angeklagten an sie gezahlt werden. Für Staatsanwalt und Gericht war das Ganze wohl Betrug und Nötigung, bei den Angeklagten sei aber nichts zu holen. Die gaben vor, mittellos zu sein. Die Firma sei verkauft, der Kaufpreis aufgebraucht und sie selbst Kleinrentner beziehungsweise Privatier – von der Lebenspartnerin ausgehalten. Dazu kam die lange Verfahrensdauer seit 2017.

Zwischenzeitlich war das Strafverfahren sogar eingestellt und erst im Januar dieses Jahres wieder aufgenommen worden. Im Zivilprozess hat die 84-Jährige beim Landgericht Stendal Schadenersatz von 15 000 Euro erkämpft.

Kein Geld bei den Angeklagten zu holen

Doch das durch das OLG Naumburg bestätigte Landgerichtsurteil ist Makulatur, denn Geld ist ja bei den Angeklagten nicht zu holen. Mit einem Inserat hatte ihre Firma mit Sitz im Vorharz in einer Tageszeitung mit dem Festpreis von 17 500 Euro für eine komplette Dacheindeckung geworben.

Lug und Trug: Weder war die Firma eine Dachdecker- firma, sie agierte nur als Vermittler, noch bekam der Auftraggeber ein komplettes Dach für den feilgebotenen Festpreis.