Stendal l Der Prozess vor dem Landgericht in Stendal um eine Attacke mit Winkeleisen und Dachlatte in der Bahnhofstraße von Stendal am frühen Morgen des 10. September 2016, bei dem ein heute 62 Jahre alter Gastwirt schwerste Kopfverletzungen erlitt, steht möglicherweise auf der Kippe. Am dritten Verhandlungstag um versuchten Totschlag dessen zwei Cousins aus Gardelegen, 20 und 25 Jahre alt, angeklagt sind, stellte der Verteidiger des 25-Jährigen am Mittwoch völlig überraschend den Antrag auf psychiatrische Begutachtung seines Mandanten.

Dieser würde angeblich unter einer „schweren krankhaften seelischen Störung“ leiden, die seine Schuldunfähigkeit begründen würde. Er sei an einer durch Alkoholkonsum potenzierten Verhaltensstörung, kombiniert mit einer „depressiven Episode“ erkrankt.

Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen

„Warum kommt das so spät?“ Das hätte das Gericht im Vorfeld für die Prozessplanung wissen müssen, bemängelte der Vorsitzende Richter Ulrich Galler. Das sei „guter Brauch der Zusammenarbeit“ zwischen den Prozessbeteiligten. Der Verteidiger führte an, dass er bislang von einem Freispruch ausging und die angebliche Erkrankung des 25-Jährigen deshalb nicht ins Spiel gebracht hätte. Der bisherige Prozessverlauf hätte aber gezeigt, dass es möglicherweise auf eine Verurteilung seines Mandanten hinauslaufen könnte.

„Es wäre tragisch, vor allem für das Opfer, wenn das Verfahren ein zweites Mal platzt“, führte die Staatsanwältin an. Innerhalb der vorgeschriebenen Drei-Wochen-Frist zur Prozessfortsetzung sei wohl kein Gutachter zu finden. Das Verfahren war Anfang des Jahres zunächst am Amtsgericht Gardelegen anverhandelt, dann aber ans Landgericht verwiesen worden, wo es neu aufgerollt wurde. Der Anwalt des Opfers gab zu bedenken, selbst wenn der Angeklagte heute psychiatrisch erkrankt sei, müsse er das nicht zwangsläufig auch schon bei der Tatbegehung vor zwei Jahren gewesen sein.

Hätte tödlich enden können

Das Gericht lud zur Prozessfortsetzung, die am 30. Oktober 2018 stattfinden soll, drei Ärzte des Salus-Krankenhauses Uchtspringe vor. Sie sollen den 25-Jährigen von Mai bis Oktober dieses Jahres stationär behandelt haben. Die Richter ließen die Frage der Notwendigkeit eines Gutachtens damit vorerst offen.

Am Mittwoch erstattete dann noch Rechtsmediziner Knut Brandstädter vom Rechtsmedizinischen Institut der Uni-Klinik Magdeburg sein Gutachten. Demnach seien die schweren Kopfverletzungen des Gastwirtes auf die „Einwirkung stumpfer Gewalt“ zurückzuführen. Derartige Verletzungen würden in bis zu 50 Prozent der Fälle zum Tode führen. Im konkreten Fall seien sie wohl nicht akut, aber potenziell lebensgefährdend gewesen.