Stendal l Ein des Ladendiebstahls überführter Stendaler hat die Geduld von Staatsanwaltschaft und Amtsgericht überstrapaziert. Der Familienvater aus einem Ortsteil der Rolandstadt hat trotz mehrfacher Fristverlängerung die einmalige Chance nicht genutzt, durch Zahlung einer Geldauflage von 250 Euro an den Trägerverein des Stendaler Frauenhauses ohne Ersteintrag ins Strafregister für einen Zigarettendiebstahl billig davonzukommen. Der Prozess des 28-Jährigen wird deshalb vor- aussichtlich in die Verlängerung gehen beziehungsweise zum dritten Mal starten. Dann aber wird es teuer: 1250 Euro Geldstrafe plus Strafregistereintrag, stellte das Gericht in Aussicht.

Im zweiten Prozessanlauf blieb der als Maschinist tätige Angeklagte den geforderten Zahlungsnachweis schuldig. Er wies nur den Eingangsbeleg vor, auf dem seine Bank bescheinigte, den Überweisungsauftrag über 250 Euro erhalten zu haben. Dabei hatten Richter und Staatsanwalt dem Delinquenten am Morgen des Prozesstages bis zum Nachmittag eine Frist für den Nachweis eingeräumt. „Als absolute Ausnahme“, hatte der Staatsanwalt dem Säumigen mit auf den Weg zur Bank gegeben.

Letzte Chance für Stendaler Dieb

Genutzt hat es offenbar nichts. Eine allerletzte Chance hat er allerdings dennoch. Sollte die Überweisungsbestätigung der Bank in den nächsten Tagen im Gericht eingehen, wird es möglicherweise doch keinen dritten Prozessanlauf geben. Kommt er nicht, wird das Gericht „von Amts wegen“ in Kürze einen Prozesstermin anberaumen.

Im ersten Prozess im August hatte der Angeklagte letztlich das von ihm als „Versehen“ deklarierte Einstecken von fünf Schachteln Zigaretten im Wert von 62,50 Euro ohne Bezahlung in einem Stendaler Supermarkt zugegeben. In einem Überwachungsvideo des Marktes sei laut Gericht allerdings unschwer zu erkennen gewesen, dass ein „Versehen“ zumindest zweifelhaft war. Trotzdem hatte es im August das großzügige Angebot der Einstellung des Verfahrens für den Ersttäter gegeben.

Gericht hofft auf das Beste

„Warum haben Sie die 250 Euro nicht gezahlt“, wollte Amtsrichter Rainer Mählenhoff im zweiten Prozessanlauf wissen. Eine konkrete Antwort gab es nicht. Er hätte doch per Mail um Aufschub gebeten, so der Angeklagte. Und mehrfach bekommen, bestätigte Richter Mählenhoff, obgleich er „eigentlich keine Kommunikation mit Angeklagten per E-Mail pflege“.

In der Hoffnung, dass der Säumige zumindest eine Anzahlung leistet, habe er den zweiten Prozess angesetzt, so Mählenhoff. Er wurde prompt enttäuscht. Er wolle jetzt zahlen. Ganz bestimmt, gab der Angeklagte an. „Was lässt mich glauben, dass Sie es tun?“, fragte Mählenhoff. „Der Glaube an das Gute im Menschen“, kam es recht dreist zurück.