Stendal l Ein Selbstständiger aus dem Altmarkkreis Salzwedel stand wegen des Vorwurfs der Unfallflucht vor dem Amtsgericht in Stendal. Er soll am 23. Januar dieses Jahres in einem Gewerbegebiet in Seehausen mit seinem Pkw beim Ausparken einen Transporter angebufft und sich anschließend aus dem staub gemacht haben. Schaden am Transporter: gut 800 Euro.

Er sei in akuter Zeitnot gewesen und hätte dringend in Mecklenburg-Vorpommern einen für ihn wichtigen Termin wahrnehmen müssen, begründete er sein Wegfahren. Er hätte Fotos vom Schaden vom Transporter gemacht und gewartet.

„Nicht lange genug“, kam es vom Richtertisch. Immerhin hatte sich der 63-Jährige rund 90 Minuten später telefonisch bei dem ihm bekannten Inhaber einer Firma im Gewerbegebiet und anschließend bei der Polizei in Osterburg gemeldet. Seine, wenn auch verspätete Meldung und der relativ geringe Schaden, der inzwischen schon von der Haftpflichtversicherung reguliert wurde, stimmten Staatsanwältin und Gericht milde. „Wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen“, so der Vorsitzende Richter.

Fahrverbot bleibt aus

Gegen Zahlung von 300 Euro an das Stendaler Tierheim wurde das Verfahren eingestellt. Es gab weder ein von der Staatsanwaltschaft zunächst anvisiertes Fahrverbot, noch einen Eintrag ins Strafregister. Der hätte womöglich Folgen gehabt. Denn der im Gastro-Gewerbe tätige 63-Jährige stand zur Tatzeit wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte unter Bewährung.

Der touchierte Transporter wies wohl schon etliche Vorschäden auf, wie der Angeklagte angab. Das bestätigte auch der als Zeuge geladene Firmeninhaber, auf dessen Gelände der Unfall passiert war. „Der hatte schon ein paar Dinger weg.“ Der Halter des Transporters, den er später angerufen hatte, habe ungehalten reagiert und verlangt, dass er „in fünf Minuten am Unfallort“ sein solle, sagte der Angeklagte. Das hätte er aber nicht sein können, weil er doch im Nachbarbundesland unterwegs gewesen sei. Daraufhin hätte ihm der Halter des Transporters mit der Polizei gedroht.

Kostenloser Rat vom Richter

„Leck mich am A..., ist mir doch egal“, soll der 63-Jährige laut Halter-Angaben geantwortet haben. Das stimme nicht, wies der Angeklagte die Anschuldigung zurück. Er „soll machen, was er denkt“, hätte er nur gesagt. Ob das Ganze mit der Einstellung des Strafverfahrens auch sein gutes Ende findet, ist indes fraglich.

Wie der Richter sagte, könnte eventuell die Pkw-Haftpflichtversicherung, die die Reparatur am Transporter bezahlt habe, den Angeklagten wegen einer Obliegenheitsverletzung in Regress nehmen. Einen Rat vom Richter gab‘s kostenlos obendrein: „Warten Sie das nächste Mal länger oder rufen unverzüglich die Polizei.“