Stendal/Fischbeck l Sechs Prozesstage hat das Landgericht Stendal für die Berufungsverhandlung gegen zwei 35- und zwei 36-Jährige angesetzt: Die Angeklagten aus dem Raum Tangermünde sind abscheulich klingender Verbrechen angeklagt; ab Donnerstag, 3. September, müssen sie sich in zweiter Instanz für das Geschehen verantworten, das sich vor nunmehr fünfeinhalb Jahren – im Februar 2015 – im alten Fischbecker Bahnhof ereignet hat.

Das Amtsgericht Stendal hatte die Angeklagten Ende September vergangenen Jahres für schuldig befunden, einen Mann gedemütigt, brutal misshandelt, schwer verletzt, mit dem Tode bedroht und schließlich nackt ausgesetzt zu haben. Zwei Verurteilte sollten für jeweils zweieinhalb Jahre ins Gefängnis; die beiden anderen hatte das Gericht zu Bewährungsstrafen von 15 beziehungsweise neun Monaten verurteilt.

Beil an der Kehle

Die Beschuldigten hatten die Vorwürfe bis zuletzt bestritten und fechten das Urteil an. Demgegenüber hält die Staatsanwaltschaft Stendal die Männer für schuldig, nach Alkohol- und Drogenkonsum ihr Opfer gemeinsam über sechs Stunden hinweg gepeinigt zu haben.

Regelmäßig soll in dem alten Fischbecker Bahnhofsgebäude, das zur Tatzeit einem der Angeklagten gehörte und in dem ein dubioser Motorradclub sein Domizil hatte sowie später eine Drogenplantage betrieben wurde, „Party“ gemacht worden sein. Mit dabei war offenbar auch das spätere Opfer.

Erst Beleidigung, dann Körperverletzung

Es sei zunächst als „Kinderficker“ beleidigt worden, bevor die schier endlose körperliche Misshandlung begann: Einer der Angeklagten soll ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Ein Beil sei ihm an die Kehle gehalten worden, außerdem sei er mit einem Stuhlbein geschlagen worden, so die Vorwürfe. Sodann habe man ihm die Kleidung vom Leib gerissen und diese im Ofen verbrannt.

Derart malträtiert – das Opfer hat laut Staatsanwaltschaft mehrere Knochenbrüche erlitten – sei er letztlich in ein Auto verfrachtet und im Fischbecker Ortsteil Kabelitz nackt ausgesetzt worden. Obendrein sollen ihm die Beschuldigten den Tod angedroht haben, falls er „was sagen“ sollte.

Langer Klinikaufenthalt

Nach diesem Martyrium musste der Misshandelte wegen seiner zahlreichen Verletzungen für längere Zeit im Krankenhaus stationär behandelt werden. Währenddessen war die Polizei schnell auf die Spur der mutmaßlichen Täter gekommen. Drei von ihnen gelten als gerichtsbekannt.

Allerdings stand der erste Prozess vor dem Amtsgericht Stendal im vergangenen Jahr unter keinem guten Stern: Begonnen im Mai, platzte er im ersten Anlauf im Juni, weil ein Schöffe – ein Laienrichter – sich aus der Sitzung aus „betrieblichen Gründen“ entfernte und kein Fortsetzungstermin innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Drei-Wochen-Frist gefunden werden konnte. Im September gab’s zwar den zweiten Anlauf, doch dann fehlte zunächst das Opfer als Hauptbelastungszeuge.

Erst am 26. September vergangenen Jahres machte der Gepeinigte seine Aussage, auf der das Amtsgerichtsurteil vorrangig basierte. Weil die Angeklagten Berufung einlegten, ist der Spruch jedoch noch nicht rechtskräftig. Sollte es beim Zeitplan der 10. Strafkammer des Landgerichts Stendal bleiben, ist am 28. September mit einem Urteil zu rechnen.