Stendal l Einen Tag nach der Evakuierung des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums ist der Unterricht an der Schule am Dienstag wieder aufgenommen worden. Während einer weiteren Begehung waren alle Bedenken ausgeräumt worden. „Die Teilnehmer haben keine Auffälligkeiten festgestellt“, teilte Steffen Thurmann, Pressesprecher des Bildungsministeriums, mit. Bereits am Montagabend hatten Messungen in den Räumen keine Hinweise auf schädliche Stoffe geliefert.

Indes ist noch nicht geklärt, was den Einsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst hat. Bekannt ist bisher nur, dass Schüler und Lehrer während einer Hofpause im Flur eines Seitenflügels des Gebäudes einen beißenden Geruch wahrnahmen. Anschließend sei die Schulleitung informiert worden, berichtet Steffen Thurmann. „In diesem Teil der Schule befinden sich allerdings keinerlei Fachräume mit Gasanschlüssen“, ergänzt der Pressesprecher.

Schulleiterin Annedore Meißner verständigte die Rettungsleitstelle und traf die Entscheidung, das Gebäude zu räumen. Vier Schüler mussten in der Folge ins Krankenhaus gebracht werden. Sie klagten über Beschwerden der Atemwege und Kopfschmerzen. „Sie haben auch am Dienstag den Unterricht nicht besucht“, sagt Steffen Thurmann.

Abiturprüfungen müssen nicht wiederholt

Am Montag hatten auch am Hildebrand-Gymnasium die Abiturprüfungen begonnen. Die Abiturienten waren von der Evakuierung nicht betroffen. Ihre Prüfungen im Fach Geschichte waren zum Zeitpunkt der Evakuierung beendet, sie müssen nicht wiederholt werden. Auswirkungen auf die in dieser Woche folgenden Prüfungen habe Vorfall nicht, so Thurmann. An Spekulationen, ob der Vorfall bewusst herbeigeführt wurde, um den Ablauf der Prüfungen zu stören, möchte sich der Sprecher des Bildungsministeriums nicht beteiligen.

Derweil hatten die Einsatzkräfte am Montagabend zwei Behälter mit weißem Pulver sichergestellt. Sie wurden zu weiteren Untersuchungen an den Landkreis, der als Schul­träger zuständig ist, übergeben. „Es werden Labore angefragt, um die Substanzen zu untersuchen“, gab Angela Vogel von der Pressestelle des Lankreises am Dienstag bekannt. Eine Auskunft, wann mit den Untersuchungsergebnissen zu rechnen ist, konnte der Landkreis noch nicht geben.

Bei den Substanzen handelt es sich jedoch um sogenannte schultypische Stoffe, wie die Polizei mitteilt. Die hat mittlerweile ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, bestätigte Pressesprecher Marco Neiß. Eine konkrete Spur würden die Beamten nicht verfolgen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, äußerte er sich noch relativ vage.

Elternschaft äußert Kritik am Landkreis

Geprüft werde aber, ob ein Zusammenhang mit der Bombendrohung vom 28. Febrauar bestehe. Vor knapp sechs Wochen war die Schule schon einmal geräumt worden. „Natürlich schauen wir hin, ob Verbindungen zu vorangegangen Straftaten bestehen. Bis jetzt deutet wenig darauf hin“, schränkt der Polizeisprecher ein.

Lob für das umsichtige Verhalten von Schulleitung und Einsatzkräften äußerte Olaf Lincke vom Schulelternrat des Gymnasiums. Kritische Worte findet er dagegen für die Kommunikation des Landkreises. Die hätte nämlich aus seiner Sicht transparenter und schneller sein können: „Ich verstehe nicht, weshalb zum Beispiel die Social-Media-Kanäle nicht genutzt wurden, um die Eltern zu informieren.“

Tatsächlich findet sich weder auf der Facebook-Seite noch auf dem Twitter-Account des Kreises eine Information zu den Vorgängen. Stattdessen seien die Kinder damit beauftragt worden, ihre Eltern über den Stand der Dinge zu berichten. „Über die Entwarnung bin ich erst im Radio informiert worden“, moniert Olaf Lincke.Diese Informationspolitik habe er nach der Bombendrohung ebenfalls als mangelhaft empfunden. „Darüber müssen wir noch einmal intensiv reden“, stellt er klar.

Beim Landkreis Stendal kommt die Botschaft an. Von der Volksstimme mit den Vorwürfen konfrontiert, gesteht Angela Vogel ein: „Da hat die Elternschaft wohl recht. Die Kritik ist also total berechtigt. Wir entschuldigen uns.“