Stendal l „Bauboom in Sachsen-Anhalt“, meldete die Volksstimme Anfang des Jahres. Ob der Trend auch in der Altmark besteht, beleuchtete Klaus Schikora am Mittwoch bei der Vorstellung des Grundstücksmarktberichtes im Landesamt für Vermessung und Geoinformation.

Fläche so groß wie Mannheim verkauft

Zunächst präsentierte der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte noch ein paar weitere Schlagzeilen – positive wie „Schmotz verspricht 200 Bauplätze“ oder „Investor bereitet großen Wurf vor“, aber auch negative wie „Stendal-Süd soll versteigert werden“ und „Schloss Calberwisch steht zum Verkauf“. Vor allem lebt der Bericht aber natürlich von Zahlen, und die präsentierte Schikora zuhauf. Insgesamt 3205 Kaufverträge wurden in den vergangenen beiden Jahren abgeschlossen. 2014 waren es noch 3476 gewesen. „Wir haben da eine rückläufige Tendenz“, stellte Schikora fest. Der Durchschnitt über die vergangenen elf Jahre liegt bei 3300, 2009 wurde ein Hoch von 3764 Vertragsabschlüssen erreicht. Einzig bei den bebauten Gebieten hat es eine Steigerung um 4,1 Prozent gegeben.

Rückläufig verläuft die Größe der Flächen in der Zehn-Jahres-Betrachtung. Im Durchschnitt sind es 83,5 Quadratkilometer. Mit 77,2 und 68,8 liegen die Jahre 2015 und 2016 zwar unter dem Durchschnitt, aber über dem Wert von 2014. „Addiert ergeben die Flächen die Grundfläche von Mannheim“, gab Schikora ein greifbares Beispiel.

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Ist auch die Zahl der Vertragsabschlüsse rückläufig und sind weniger Flächen als im Durchschnitt verkauft worden, so ist der Umsatz aber dennoch gestiegen. Und zwar beträchtlich. Nicht nur, dass die Umsätze der Jahre 2015 und 2016 mit 204,4 und 202 Millionen Euro über dem Wert von 2014 (156,5) liegen, sondern auch über dem langjährigen Durchschnitt von 158,5 Millionen Euro. „Gut 406 Millionen Euro im Berichtszeitraum, dass ist der Rekordumsatz der diesjährigen Frankfurter Möbelmesse“, sagte Schikora.

Gebäudeimmobilien erfreuten sich 2015 und 2016 anhaltender Beliebtheit. Besonders in Stendal stieg das Interesse an Mehrfamilienhäusern. Im Durchschnitt stieg der Kaufpreis auf rund 225.000 Euro. Spitzenreiter war ein Wohnkomplex, der für gut zwei Millionen Euro den Eigentümer wechselte.

Auch bei den Eigenheimen, also Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäusern, stiegen Nachfrage und Preis. Das klassische Einfamilienhaus war im vergangenen Jahr bei einer Wohnfläche von 130 Quadratmetern für durchschnittlich 70.000 Euro zu haben. Dieser Preis ist verglichen mit dem Landesdurchschnitt, der bei 91.000 Euro lag, sehr niedrig.

Neue Häuser 20 Prozent teurer geworden

In der Altmark ist der Preis für ältere Häuser (vor 1949) gesunken. 2015 lag er noch bei 558 Euro, im vergangenen Jahr nur noch bei 422. Ganz anders sieht es bei den Gebäuden aus, die in den vergangenen 25 Jahren errichtet wurden. Die Preise sind dort um 20 Prozent auf 1243 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gestiegen.

In der ländlich geprägten Region entwickelten sich die Preise bei landwirtschaftlichen Flächen ebenfalls nach oben. So stiegen die Preise bei Ackerland um elf, bei Grünlandflächen um 26 Prozent. Im Durchschnitt kostet der Quadratmeter Ackerland einen Euro. Das liegt auch daran, dass die Flächen als nicht so wertvoll gelten wie die Böden in der Börde.