Stendal l Immer mehr Käufe werden im Internet gemacht. Die Corona-Krise hat der Entwicklung einen zusätzlichen Schub verschafft. Doch bereits im Jahr 2018 wurde mit dem Roland-Projekt der Hochschule Magdeburg-Stendal ein regionaler Online-Marktplatz namens „Hallo Altmark“ ins Leben gerufen. Regionale Händler erhielten die Möglichkeit, sich dort zu präsentieren, mit der Option, auf der Plattform ihre Artikel zu verkaufen.

Heute können 41 Händler aus der gesamten Altmark auf der Webseite gefunden werden. Die meisten sind aus Stendal (15). Verschiedene Produkte stehen zum Verkauf, doch die Auswahl ist verschwindend gering. Ist die Plattform ein Erfolg?

Zufrieden mit Hallo Altmark

„Ja, ich bin voll zufrieden, weil wir das genau so konzipiert haben, wie es die Händlerinnen und Händler wollten“, sagt Volker Wiedemer, Prorektor der Hochschule und Leiter des Roland- und Orient-Projektes. Dem Projektteam war ein unkomplizierter Zugang zur Plattform wichtig. Das beinhaltete auch, dass die Wahl zwischen Schaufensterfunktion und Online-Verkauf bei den Händlern lag. „Die Plattform ist so geworden, wie es die Zielgruppenbefragungen ergeben haben“, sagt Projektmitarbeiterin Theresia Laske. „So ist es hauptsächlich eine Präsentationsplattform für die Händler.“

Das Projekt Orient (Onlinehandel für regional erzeugte Lebensmittel) soll „Hallo Altmark“ ausbauen. Damit sollen in der Altmark unterschiedlichste Lebensmittel bestellt und geliefert werden können. Dieses Mal mit weniger Geld als zuvor. Für das Roland-Projekt stand eine Summe von 200.000 Euro für zwei Jahre zur Verfügung. Bei Orient sind es 195.000 Euro verteilt auf drei Jahre.

Die Corona-Krise komme einer solchen Plattform zugute, erklärt Theresia Laske. „Die Händler merken jetzt, dass sie sich nicht so auf ihre Stammkundschaft verlassen können, wie sie es vielleicht in der Vergangenheit getan haben, sondern sie auch andere Vertriebswege finden müssen.“

Reaktion auf Corona-Krise

Unterstützung bekommt das Projektteam daher vom Altmärkischen Regionalmarketing- und Tourismusverband (ART). Der ART hat als Reaktion auf die Corona-Krise kurzfristig ein eigenes Schaufenster für Händler auf seiner Webseite www.altmark.de aufgebaut. Über 50 Geschäfte finden sich dort wieder. Rund 2500 Aufrufe hatte die Webseite im März. Davor waren es rund 1000 pro Monat. Im Vergleich lagen die Zahlen bei „Hallo Altmark“ vor der Corona-Krise im dreistelligen Bereich pro Woche und stiegen Theresia Laske zufolge danach um rund 40 Prozent an. Genauere Zahlen durfte sie nicht verraten.

„Ein Konkurrenz-Online-Shop soll es nicht werden“, sagt Carla Reckling-Kurz vom ART. „Wir haben mit der Hochschule erste Gespräche geführt.“ Wie genau die Arbeit zwischen Hochschule und ART aussehen wird, das steht noch nicht fest. Der Geschäftsführerin sei es aber wichtig, dass das System für den Lebensmittelhandel von Orient gut durchdacht ist. Dass es sich „Hallo Altmark“ nicht automatisch zu einem Online-Marktplatz entwickelt hat, versteht sie. Gerade für den Kartoffelbauern von nebenan sei es schwierig, neben der täglichen Arbeit einen Online-Shop zu pflegen, erklärt die Geschäftsführerin beispielhaft.

Logistik muss Größe der Altmark bewältigen

Die Infrastruktur für einen Online-Handel stehe und könne ausgebaut werden, sagt Volker Wiedemer. Gemeinsam mit dem Institut für Automation und Kommunikation (IFAK) in Magdeburg, werde an einem Logistiksystem für den Lebensmittelhandel gearbeitet. Die Herausforderung sei es, die große Fläche der Altmark mit Lieferverkehr kosteneffizient abzudecken. Ob also Lebensmittel zu einer zentralen Sammelstation, direkt zur Haustür oder in einer Kombination der beiden Varianten transportiert werden, ist noch unklar.

Was feststeht, ist der Start einer Testphase. „Wir wollen mit dem Probebetrieb im April nächsten Jahres starten“, sagt Theresia Laske. Vier Betriebe aus den Bereichen Obst und Gemüse, Süßigkeiten, Molkerei und Käserei sowie tiefgefrorene Lebensmittel wie Fleisch nehmen an der Testphase teil.

Mehr Produkte auf Hallo Altmark

Die Menge an Produkten im Orient-Projekt soll das überschaubare Sortiment auf www.halloaltmark.de übersteigen. „Es ist so, dass mehr als ein Produkt online gestellt werden soll. Es wird nicht gleich die gesamte Produktpalette des Händlers online zu finden sein. Das wäre zunächst zu viel Aufwand für den Händler. Ich nehme aber an, dass es stetig wachsen wird. Wenn mehr online bestellt wird, stellt der Händler mehr online.“

Volker Wiedemer wünscht sich mehr Fördermittel für Projekte dieser Art. „Das klingt immer nach sehr viel Geld“, sagt er. Neben Kosten für Mitarbeiter bliebe aber wenig für den IT-Bereich übrig. Andere Forschungsprojekte der Hochschule werden ihm zufolge mit Millionen gefördert. „Es ist eigentlich unterfinanziert“. Daher könne immer nur eine Stufe pro Entwicklungsphase entstehen. Mit „Hallo Altmark“ wurde die Infrastruktur geschaffen. Orient baue nun die Logistik aus.