Stendal l „Schule ist ‘ne Schweinerei, wir verlangen hitzefrei.“ Der Ruf wurde gestern an vielen Stendaler Schulen erhört. Das Bildungsministerium des Landes hatte darauf reagiert, dass auch nach den Sommerferien hochsommerliche Temperaturen herrschen. An den ersten beiden Tagen entscheiden die Schulleiter eigenverantwortlich, ob und wie ein Klassenlehrerangebot für einen vertretbaren Zeitraum vorgehalten wird und was in inhaltlich anzubieten ist, bis zu welchem Zeitpunkt der Aufenthalt in welchen Räumen vertretbar ist, welche Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen und welches Angebot in der Schule organisiert werden kann, um einerseits den Schulstart zu gewährleisten und andererseits die Belastungen der Schülerinnen und Schüler bei großer Hitze zu minimieren.

Entscheidung liegt bei Schulleitung

Anke Bollmann, Direktorin des Winckelmann-Gymnasiums, hält es ohnehin für sinnvoll, dass die Schulleiter individuell entscheiden, sich nicht an einen alten Erlass klammern, in dem es hieß „wenn um 11 Uhr in einem repräsentativen Raum eine Temperatur von...“ „Was heißt repräsentativer Raum, elf Uhr Sommerzeit oder elf Uhr Winterzeit?“, stellt sie im Gespräch mit der Volksstimme Fragen. Sie trage schließlich die Verantwortung.

Am gestrigen ersten Schultag wurde der Unterricht nach der vierten Stunde beendet, am heutigen Freitag werde der Unterricht verkürzt. Das heißt, die Schulstunde ist dann nur noch eine halbe Stunde lang, nicht mehr 45 Minuten.

In den Räumen 30 Grad

In den Räumen sei jetzt schon eine Temperatur von 30 Grad, wenn dann noch die Schüler, der Lehrer und ein Rechner oder Beamer hinzukommen, steige die Temperatur noch höher. Ventilatoren oder gar eine Klimaanlage gibt es nicht. „Wollen wir hoffen, dass das ein Ausnahmejahr bleibt, sonst müsste man wohl über Anschaffungen in dieser Richtung nachdenken“, meinte Bollmann.

Mit Blick auf die kommende Woche wird bei den Eltern der jüngeren Schüler nachgefragt, ob ihre Kinder denn auch früher nach Hause geschickt werden könnten oder bis zum regulären Schulschluss betreut werden müssen. „Die Betreuung ist auf jeden Fall gesichert“, betonte die Direktorin.

Lüften, Rollos runter, Trinkbrunnen

Die Betreuung ist es auch, die verhindert, dass aus den Grundschulen Schülerscharen vorzeitig aus dem Gebäude rasen und „Hitzefrei!“ jubeln. „Wir haben verlässliche Öffnungszeiten, deswegen gibt es auch kein Hitzefrei im klassischen Sinne“, sagte Monika Teichert, Leiterin der Grundschule „Juri Gagarin“. Es werde aber versucht, es den Jungen und Mädchen so angenehm wie möglich zu machen. Morgens werde gelüftet, dann die Rollos runtergelassen, um die Sonne auszusperren. Und dann gebe es ja auch noch den Trinkbrunnen, der für Abkühlung sorgt. Die Schüler sollen einen behutsamen und freudvollen Beginn haben.

An der Bilingualen Grundschule und an der Grundschule „Am Stadtsee“ waren die Eltern schon im Vorfeld darüber informiert worden, dass der Unterricht am Donnerstag und Freitag vorzeitig beendet werde. Für die kommende Woche werde aktuell entschieden.

So wird es auch an der Sekundarschule „Wladimir Komarow“ gehandhabt. „Aus den Messungen der letzten Tage wussten wir schon, dass es an den ersten beiden Tagen Hitzefrei geben wird“, sagte Schulleiter Roland Herms. Weitere Festlegungen gebe es noch nicht, „wir wissen ja nicht, ob es morgen schneit“.